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Nach Massenentlassungen: Klarna-Mitarbeiter haben Betriebsrat gewählt

Das schwedische Fintech Klarna ist mit 800 Mitarbeitern in Deutschland stark vertreten.  - Copyright: Hollie Adams/Bloomberg via Getty Images
Das schwedische Fintech Klarna ist mit 800 Mitarbeitern in Deutschland stark vertreten. - Copyright: Hollie Adams/Bloomberg via Getty Images

Es waren keine guten Monate für das schwedische Fintech Klarna: 700 Mitarbeiter, etwa zehn Prozent der weltweiten Beschäftigten, wurden entlassen – der Firmenwert brach von 44 Milliarden auf 14 Milliarden Euro ein. Die Gründe für die einschneidenden Ereignisse: Krieg, Inflation und ein ungünstiges Marktumfeld, erklärte Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski im Juni dieses Jahres.

Künftig soll nun ein Betriebsrat das Wohlergehen der übrig gebliebenen Beschäftigten des Konzerns sicherstellen. Nachdem Siemiatkowski im Mai dieses Jahres die Öffentlichkeit über die anstehenden Massenentlassungen informiert hatte, taten sich rund 200 Angestellte im Juni zusammen, um einen Betriebsrat zu wählen. Dieser soll Informationen von Finance Forward zufolge nun auch seine Arbeit aufgenommen haben.

Der nächste Konflikt ist schon da

Die nächsten Konflikte tun sich währenddessen bereits auf: So mussten zuletzt im Rahmen des Mitarbeiterbeteiligungsprogramms Klarna-Mitarbeiter Tausende Euro an Steuern und Abgaben zahlen – ohne einen Euro ausgezahlt zu bekommen. In der Zwischenzeit soll der Firmenwert des Fintechs allerdings enorm gesunken sein, was in der Folge auch mit einem Wertverlust der Aktien einherging. Die Folge: Die Aktien waren weniger wert als die Steuern, die die Mitarbeiter gezahlt haben.

Wenig Lohn, viele Überstunden: Die Arbeit in einem Startup zahlt sich oft erst durch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme so richtig aus.
Wenig Lohn, viele Überstunden: Die Arbeit in einem Startup zahlt sich oft erst durch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme so richtig aus.

Hintergrund für diesen Fauxpas ist vor allem die Konstruktion des Klarna-Beteiligungsprogramms. So setzt das Startup das „Restricted Stock Unit“-Programm (RSU), eine international gängige Variante, um echte Aktien an Mitarbeiter auszuteilen. In ein paar Ländern profitieren Beschäftigte tatsächlich davon. In Deutschland nicht so sehr: So sind Mitarbeiter nicht vor dem Wertverlust ihrer Aktien geschützt und verlieren bei einem Wertverlust sogar noch Geld. Das ganze lässt sich als „Dry Income“- Problematik zusammenfassen. Der Startup-Verband mit seinem Vorsitzenden Christian Miele fordern bereits seit Jahren entsprechende Reformen seitens der Politik ein. Große Änderungen, damit Firmen ihre eigenen Mitarbeiter leichter am Unternehmenserfolg beteiligen können, sind bisher allerdings ausgeblieben.

In der Zwischenzeit geht es allerdings auch bei Klarna weiter. Das Startup ist bekannt für die Verbreitung der Bezahlmethode „Buy now, pay later" – eine Form des Rechnungskaufs. Dabei strecken Zahlungsdienstleister den fälligen Betrag zunächst vor, Kunden wiederum bezahlen die Summe dann später ganz oder anteilig in Raten über mehrere Monate verteilt. Das machte das schwedische Fintech Klarna mit einer Bewertung von 45 Milliarden Euro einst zu Europas wertvollstem Techkonzern. Das Startup wurde 2005 von Sebastian Siemiatkowski, Victor Jacobsson und Niklas Adalberth gegründet.