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Linnemann: Stationärer Einzelhandel steht am Abgrund

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BERLIN (dpa-AFX) - Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann sieht den Einzelhandel in einer dramatischen Lage und hat die Bundesregierung zu mehr Tempo bei Finanzhilfen aufgefordert. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der stationäre Einzelhandel steht am Abgrund. Eines ist sicher: Stirbt der Einzelhandel, sterben die Innenstädte. Um das zu verhindern müssen jetzt endlich die Hilfsgelder fließen. Daneben brauchen wir dringend eine Öffnungsperspektive unter strengen Hygieneregeln."

Kein Unternehmen habe heutzutage eine Überlebenschance, wenn es sich nicht ständig neu erfinden würde. "Diese Kreativität muss auch Politik leisten und mehr bieten, als den Lockdown einfach immer weiter zu verlängern", sagte Linnemann, der auch Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU ist. "Wenn etwa in einigen Bundesländern Brautmoden-Geschäfte Termine vergeben können, muss das flächendeckend für den gesamten Einzelhandel möglich sein. So werden Abstände eingehalten, eine lückenlose Nachverfolgung ist möglich. Weitere Schritte müssen folgen."

Zum Wandel im Einzelhandel angesichts des Online-Booms sagte Linnemann: "Es ist offenkundig, dass sich das Konsumentenverhalten im Handel radikal verändert hat. Was ohne Corona fünf oder sechs Jahre gedauert hätte, dauert jetzt fünf oder sechs Monate." Diesen Wandel könne die Politik den Einzelhändlern nicht abnehmen. "Wer hier nicht reagiert und zukunftsfähig handelt, wird auf der Strecke bleiben."

Der Einzelhändler in der Stadt habe aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Online-Handel: das persönliche Einkaufserlebnis, so Linnemann. "Der Händler muss diesen Vorteil konsequent ausspielen. Daneben müssen vor allem die Kommunen eng mit dem Handel zusammenarbeiten, die Parkgebühren dürfen nicht primär als Einnahmequelle gesehen werden. Der Kunde muss sich eingeladen fühlen." Auch der öffentliche Personennahverkehr müsse attraktiv sein. "Vor Ort gilt es innovative und kluge Konzepte zu entwickeln, wie die Innenstädte lebhaft bleiben, Leerstand verhindert und Einkaufen zum Erlebnis wird."

Der Handel und die Innenstädte leiden aktuell unter dem wochenlangen Lockdown mit der Schließung etwa der Gastronomie und vieler Einzelhandelsgeschäfte. Der Lockdown war zuletzt von Bund und Ländern noch einmal bis zum 7. März verlängert worden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am 3. März beraten, wie es weitergeht.