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Kritik am Vorgehen von Check24: Grüne werben für staatliches Vergleichsportal für Girokonten

·Lesedauer: 4 Min.

Der neue Girokonten-Vergleich von Check24 soll Verbraucher über die Gebühren und Kreditkosten aufklären. Doch bei den Grünen fällt das Portal durch.

Die neue Vergleichsplattform von Check24 sei enttäuschend, urteilen die Grünen. Foto: dpa
Die neue Vergleichsplattform von Check24 sei enttäuschend, urteilen die Grünen. Foto: dpa

Kaum ist sie nach langer Anlaufphase gestartet, schon hagelt es wieder harsche Kritik: Die Idee, mit einer Girokonten-Vergleichswebsite von Check24 mehr Transparenz auf dem Girokonten-Markt zu schaffen, sei mit Blick auf überhöhte Dispokredite und steigende Kontogebühren erst einmal gut, urteilt der grüne Finanzpolitiker Stefan Schmidt. Doch für die Verbraucher sei die zertifizierte Vergleichsplattform eine „große Enttäuschung“. Der Nutzen ist für Schmidt aufgrund geringer Marktabdeckung, fehlender Unabhängigkeit und eingeschränkter Vergleichsmöglichkeiten „sehr überschaubar“.

Die Geduld der Verbraucher in Sachen Vergleichsportal wurde bereits stark strapaziert. Mit zweijähriger Verspätung setzte die Bundesregierung eine Vorgabe der EU-Zahlungskontenrichtlinie um. Darin verpflichteten sich die Mitgliedstaaten, dem Verbraucher einen kostenlosen Zugang zu mindestens einer Website zu ermöglichen, die einen Vergleich der Entgelte von Girokonten ermöglicht.

Dazu zählen beispielsweise Überweisungen, Kosten für Dispokredite, Daueraufträge, Lastschriften oder Bargeldabhebungen – insgesamt werden 19 verschiedene Positionen verglichen. In Deutschland durchlief bisher das Vergleichsportal Check24 erfolgreich einen langwierigen Zertifizierungsprozess.

Die von den Grünen kritisierte relativ geringe Marktabdeckung ist nicht unbedingt Check24 allein zuzuschreiben. Nach Angaben der Bundesregierung muss eine Vergleichswebsite genügend Zahlungskontenangebote enthalten, damit ein wesentlicher Teil des deutschen Marktes abgedeckt ist. „Eine vollständige Marktübersicht wird ausdrücklich nicht gefordert“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung an den Finanzpolitiker der Grünen.

Check24 ist mit einem Vergleich von 550 Geldinstituten im August gestartet, die nach der Bilanzsumme den Markt zu 80 Prozent abdecken, sagt Check24-Geschäftsführer Rainer Gerhard dem Handelsblatt. Darunter seien alle Großbanken, die 50 größten Onlinebanken, alle genossenschaftlichen PSD-Banken sowie die größten Sparkassen und Volksbanken.

Wenn Verbraucher nach den Konditionen von Kreditinstituten fragen, die nicht gelistet sind, werden diese nach Aussage von Gerhard aufgenommen. Ähnlich werde verfahren, wenn Banken aus eigener Initiative gelistet werden wollen, sagt er. Auf diese Weise sind demnach seit dem Start 20 weitere Banken dazugekommen. Allerdings fehlen auf dem Portal der Zahl nach noch rund zwei Drittel der insgesamt rund 1700 tätigen Banken in Deutschland.

Check24 verteidigt das Portal

Check24-Chef Gerhard wiegelt die Kritik ab: Von einem Portal sei nicht zu erwarten, dass es die Konditionen aller Banken vorhalte, sagte er. Für den Anspruch wäre eine zentrale Datenbank vorteilhaft, an die alle Banken ihre Konditionen melden müssten, meint er. Das wäre seiner Ansicht nach dann allerdings eine Aufgabe des Staates.

Die Grünen sind überdies auch nicht überzeugt davon, dass nur jeweils ein Kontomodell als Vergleich zur Verfügung steht. „Es gibt eine Vielzahl verschiedener Girokonto-Modelle, aber auf der Website wird nur ein kleiner Marktausschnitt geboten“, rügt Schmidt. Der Mehrwert für Verbraucher sei fraglich, da kleinere Banken mit einer kleineren Bilanzsumme systematisch benachteiligt werden, da sie nicht in den Vergleich aufgenommen werden.

Zudem rügt die Oppositionspartei, dass es in der Vergangenheit zu Verwechslungen zwischen der vom Tüv Saarland zertifizierten Vergleichswebsite und des nicht zertifizierten Girokontenvergleichs von Check24 gekommen sei. Das sieht die Bundesregierung ähnlich. „Die nicht zertifizierte Vergleichswebsite muss klar von der zertifizierten Vergleichswebsite getrennt sein, und nur auf dieser Seite darf das staatliche Zertifizierungssymbol eingestellt werden“, schreibt die Bundesregierung.

Kürzlich hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die Grafik des „zertifizierten Girokonto-Vergleichs“ von Check24 auf der kommerziellen Vergleichsseite als irreführend abgemahnt. Denn dort hätten Verbraucher bei insgesamt acht Banken direkt ein Konto beantragen können, wofür Check24 Provisionen kassiert hätte. Künftig soll Check24 sein Angebot ohne Zertifizierung mit der Zertifizierung bewerben. Generell sei der zertifizierte Vergleich von Check24 weiterhin für Verbraucher schwer auffindbar, rügten die Verbraucherschützer.

Die Grünen sehen in dem komplizierten Prozess der Akkreditierung und Zertifizierung eines Vergleichsportals einen Konstruktionsfehler. Ein privater Anbieter soll relativ hohe Kosten für die Zertifizierung und den laufenden Betrieb aufbringen, ohne mit der Vergleichswebsite diese Mittel wieder erwirtschaften zu können. „Wir haben große Zweifel, ob ein dauerhafter Betrieb einer unabhängigen und objektiven Vergleichswebsite durch einen privaten Anbieter geleistet werden kann“, sagt Schmidt.

Bund gibt noch kein Urteil ab

Die Bundesregierung rechtfertigt ihren Ansatz mit der „bei den privaten Portalen bereits vorhandenen Kompetenz“, ein Vergleichsportal nutzerfreundlich einzurichten. Sie verfolge die Entwicklungen bei den Vergleichswebseiten aber „intensiv“.

Es sei jedoch noch zu früh, um ein Urteil darüber zu fällen, ob sich das gewählte Verfahren bewährt habe. Falls das Urteil positiv ausfallen sollte, kann sich die Bundesregierung auch weitere Anwendungsmöglichkeiten vorstellen. Das Verfahren könnte „zum Vorbild für Vergleichswebseiten anderer Produktsparten werden“.

Diesen Vorbildcharakter kann Schmidt nicht erkennen. Nur ein staatliches Vergleichsportal könne wirkliche Transparenz bei Kontogebühren bieten, meint er. Das sehen Verbraucherschützer ähnlich. Bei einer Kostenposition reicht den Grünen aber auch Transparenz nicht aus: Bei Zinsen für Dispokredite. Für diese geduldete Überziehung des Girokontos sollte es nach Auffassung der Oppositionspartei einen Kostendeckel geben.