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„Ich konnte plötzlich die Welt regieren” – wie Frank Thelen zum Startup-Investor wurde

„Ich habe eine Menge Auf und Ab gesehen”, sagt der 48-jährige Frank Thelen heute über die Startup-Welt. Als DHDL-Juror wurde er in Deutschland bekannt.  - Copyright: Frank Thelen
„Ich habe eine Menge Auf und Ab gesehen”, sagt der 48-jährige Frank Thelen heute über die Startup-Welt. Als DHDL-Juror wurde er in Deutschland bekannt. - Copyright: Frank Thelen

Er gehört zur Startup-Szene wie der Kapuzenpulli zum Gründer-Kleiderschrank: Frank Thelen. Seit er bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen” als Juror vor die Kamera trat, wird seine Karriere genauestens verfolgt. Sein eigenes Vermögen machte er 2008 – mit dem Verkauf einer Fotosoftware an Fujifilm. Seither schafft es der gebürtige Bonner immer wieder in die Schlagzeilen, ob mit seinem Tech-Aktienfonds 10xDNA oder seiner Meinung zur momentanen Lage in der Startup-Szene. Im Flashback-Interview erzählt er uns, warum er statt Profi-Skateboarder zum Programmierer wurde und wieso ein Außenseiterdasein während der Schuljahre nicht immer negativ behaftet sein muss.

Hi Frank, fangen wir vorne an: Was war dein Traumberuf in deiner Kindheit? Müllmann? Polizist? Tierarzt?

Weder noch. (lacht) Ich wollte Tischtennisprofi werden und habe hart dafür trainiert. Ich wurde Tischtennistrainer und Kreismeister. Auf meiner Bucket-Liste steht deswegen auch noch bis heute, dass ich mal mit Timo Boll spiele (erfolgreichster deutscher Tischtennisspieler, Anm. d. Red.). Dann habe ich aber das Skateboardfahren entdeckt, was mich noch mehr begeisterte. Allerdings hab ich schnell festgestellt, dass mein Talent nicht ausreicht, um vom Skaten zu leben. Glücklicherweise entdeckte ich das Programmieren. Von da an wollte ich Programmierer werden.

Wie hast du denn den Schritt vom Programmierer in die Selbstständigkeit geschafft?

Ich hatte ursprünglich kein Interesse daran, ein Unternehmen aufzubauen. Ich fand eigentlich nur die Technologie spannend. Weil ich programmieren und damit sozusagen plötzlich die Welt regieren konnte. Ich verstand auf einmal, wie die großen Banken und die großen Netzwerke funktionieren. Wie ich eigene Firewalls, eigene Sicherheitssysteme, eigene Webshops programmieren konnte. Und der Rest ergab sich dann.

Gehen wir mal zurück in deine Schulzeit. Warst du in der Schule coolster Rudelführer, Außenseiter oder Klassenclown?

Definitiv hab ich zu den Uncoolen gehört.

Warum, glaubst du, war das so?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber ich kann heute sagen: Die, die damals die Coolsten waren, sind heute keine echten Champions. Zumindest in meinem kleinen Umfeld kann ich das so bestätigen. Die, die heute etwas bewegen, waren damals oftmals, wie ich, Außenseiter.

Gibt es einen Lehrer oder eine Lehrerin, die dir aus Grundschulzeiten oder später in Erinnerung geblieben ist?

Frontalunterricht mit der Tafel hat bei mir überhaupt nicht funktioniert. Ich hatte auch keinen Lehrer, der mich damals motivieren konnte. Nach der Realschule habe ich eine Weiterbildung gemacht. Ich habe Elektrotechnik und Informatik während der Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten gelernt. Dort gab's einen Lehrer, der uns klar gemacht hat, wie großartig es ist, dass wir überhaupt an so einer modernen Schule lernen dürfen.

Klingt so, als wäre dieser Lehrer die richtige Art von Motivation für dich. Was für einen Einfluss hatte er auf dich?

Er hat mich mit dem Club of Rome (Zusammenschluss von Experten verschiedener Disziplinen, Anm. d. Red.) in Verbindung gesetzt und mir den großen Philosophen Anthony de Mello ans Herz gelegt, was mich auch nachhaltig geprägt hat.

Inwiefern hat dich Anthony de Mello seither begleitet?

Das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe, war „Der springende Punkt.” Darin beschreibt er in einer Geschichte einen Adler, der in einer Vogelfamilie aufwächst, die nur am Boden lebt und nicht fliegen kann. Eines Tages schaut dieser Adler zum Himmel hinauf und sagt zu seiner Familie: „Wow, schaut mal, da oben fliegt ein majestätischer Vogel.” Seine Familie riet ihm, sich lieber auf die Essenssuche am Boden zu konzentrieren. Dabei hätte er auch fliegen können, wenn man ihm das zugetraut hätte. Er lebte aber weiterhin nur am Boden.

Wo gab's eine vergleichbare Situation in deinem Leben?

Als ich vor der Privatinsolvenz stand. Da hilft es, wenn jemand einem sagt: Du kannst da wieder rauskommen.

Was oder wer hat dir denn dabei geholfen?

Mein Vater. Nachdem ich mich mehrere Tage in meinem Zimmer eingeschlossen hatte, kam er zu mir und sagte: „Du bist nicht mehr mein Sohn.” Was er damit meinte, war: Ich musste aufstehen, denn so war mein Leben nicht mehr lebenswert.

Eine etwas harsche Methode? Wie blickst du heute darauf zurück?

Ich habe eine Menge Auf und Ab gesehen. Ein Unternehmen in der schnelllebigen Venture Capital Art aufzubauen ist wichtig, weil wir Lösungen erschaffen, die die Menschheit braucht. Andererseits habe ich so ziemlich alle Downs gesehen, die das auch mit sich bringen kann. Von Pleiten über kaputte Körper bis hin zu kaputten Seelen.

Wie hat das deinen Blick auf dein Verhalten und deine Zukunft geändert?

Ich plane, mein Vermögen unter anderem für Bildung zu spenden. Wenn ich nur 1000 Kindern mehr Bildung gebe, dann hat das einen enormen Impact.

Wie meinst du das genau – willst du dein gesamtes Vermögen spenden?

Den Großteil. Jetzt bin ich ja noch aktiv im VC-Bereich und wir investieren in Europa, wo ich gerne mehr machen würde. Momentan habe ich viel zu wenig Geld um mit dem ganzen guten Talent mehr Deep-Tech in Europa zu enablen. Auf der anderen Seite habe ich ja mit 10x DNA noch eine große Verantwortung. Wenn ich in zehn bis 15 Jahren dann nicht mehr hundertprozentig leistungsfähig bin, dann muss ich was ändern.

Was passiert dann?

Dann werde ich aus dem aktiven Venture Capital- und Equity-Bereich rausgehen und mein Vermögen effektiv spenden. Ich will nicht, dass das Geld für mich ist, sondern für die nächste Generation. Aber solange ich hier noch mehr Impact habe, aktiv arbeiten und Startups aufbauen kann, die wir dringend brauchen, bleibe ich dabei.

Frank, vielen Dank für das Gespräch.