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Kohlekonzern RWE baut Ökostromgeschäft aus – Ergebnis ist deutlich gestiegen

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Der Dax-Konzern legt gute Zahlen vor und will bis Jahresende zehn Gigawatt mit Solar- und Windanlagen produzieren. Das entspricht der Kapazität von zehn Atomkraftwerken.

Deutschlands größter Kohlekonzern RWE macht beim Umstieg auf grüne Stromproduktion Tempo. Bis Ende des Jahres soll die Kapazität an Wind- und Solaranlagen schon auf 10.000 Megawatt steigen, wie der Energiekonzern am Mittwoch bei der Vorlage des Zwischenberichts mitteilte. Eine Leistung, die der Bruttokapazität von gut zehn Atomkraftwerken entspricht.

In den ersten neun Monaten wurden den Angaben zufolge rund 500 Megawatt (MW) an neuen Windkraft- und Solaranlagen in Betrieb genommen. Im vierten Quartal sollen weitere rund 800 Megawatt hinzukommen.

RWE hatte im Herbst vergangenen Jahres mit Konkurrent Eon im großen Stil Aktivitäten getauscht. Dabei übernahm Eon die RWE-Tochter Innogy, behielt aber nur die Sparten Vertrieb und Netz. RWE wiederum gliederte das Geschäft mit erneuerbaren Energien von Innogy ein und bekam auch die entsprechenden Aktivitäten, die Eon bisher betrieben hatte.

Damit deckt der Stromproduzent wieder die gesamte Palette der Stromproduktion ab, von Atom- und Kohlekraftwerken über Gasanlagen bis zu Wind- und Solarstrom. Da nach dem Atomausstieg inzwischen auch der Kohleausstieg besiegelt ist, will sich der Energiekonzern langfristig auch auf das Ökostromgeschäft ausrichten und die Investitionen auf die Sparte fokussieren. RWE hat dafür im Sommer sogar das Kapital angehoben und jüngst eine große Projektpipeline vom Windkraftunternehmen Nordex gekauft.

In diesem Jahr investierte RWE bereits 1,3 Milliarden Euro in den Bau neuer Windkraft- und Solaranlagen sowie Batteriespeicher. Bis 2022 sollen die Kapazitäten bei den erneuerbaren Energien auf 13.000 Megawatt steigen.

„Unser starkes operatives Ergebnis der ersten drei Quartale zeigt: RWE kommt wirtschaftlich gut durch die Coronakrise“, sagte Finanzvorstand Markus Krebber. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg auf Pro-forma-Basis, also unter Berücksichtigung der übernommenen Bereiche, schon im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg sogar um 29 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. RWE profitierte dabei unter anderem von einer besseren Auslastung der Offshore-Windparks und der Inbetriebnahme der neuen Wind- und Solaranlagen.

Dividende je Aktie bestätigt

Der Energiekonzern bestätigte auch die Jahresprognose, nach der das Ebitda zwischen 2,7 und drei Milliarden Euro liegen soll und das Ebit zwischen 1,2 und 1,5 Milliarden. Die Kennzahlen würden sogar „voraussichtlich im oberen Bereich der genannten Bandbreiten“ auskommen. An der angestrebten Anhebung der Dividende auf 0,85 Euro für das laufende Geschäftsjahr hält RWE fest.

Die Essener haben die Coronakrise im ersten Halbjahr zwar leicht gespürt. Die Stromnachfrage, die für gewöhnlich recht konstant ist, gab leicht nach, weil Industriekunden ihre Fabriken stilllegen mussten. Allerdings war der Effekt begrenzt. Zudem hatte sich RWE in den vergangenen Jahren am Terminmarkt schon hohe Strompreise im Terminmarkt gesichert.

Das Unternehmen konnte deshalb in den ersten neun Jahren auch mit den Kohle- und Atomkraftwerken gute Ergebnisse erzielen. Das Segment Kohle/Kernenergie, das RWE nicht mehr als Kerngeschäft sieht, konnte das Ergebnis sogar fast verdoppeln, von 205 Millionen auf 381 Millionen Euro.

Ähnlich liefen die Geschäfte bei Konkurrent Uniper. Der Stromproduzent hatte am Dienstag ebenfalls über ein deutliches Ergebnisplus berichtet. Eon spürt dagegen die Coronakrise stärker, auch wenn die Einbußen verglichen mit anderen Branchen gering sind. Eon hat nach dem Deal mit RWE keine Stromproduktion mehr und insbesondere im Netzgeschäft die geringeren Strommengen gespürt.

Die Eigenkapitalquote von RWE stieg auf 31,3 Prozent. Ende 2019 hatte sie noch bei 27,3 Prozent gelegen. Vorbörslich reagierte die Aktie derweil kaum.