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Klimaoffensive im Fuhrpark

Schulte, Andreas
·Lesedauer: 5 Min.

Lange waren E-Autos für Firmen eher ein Imagefaktor – als Bekenntnis zum Umweltschutz. Dank staatlicher Zuschüsse und Steuervorteile rechnen sich die Stromer auch zunehmend.

Marcus Born hat sich nicht entmutigen lassen. Gleich mit dem ersten Elektroauto von L’Oréal Deutschland blieb der Manager für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit des Kosmetikherstellers liegen. 500 Meter vor dem Firmengelände ging nichts mehr. Die Batterie war leer, nur noch der Abschleppwagen konnte helfen. „Wir hatten uns mit der Entfernung schlicht verkalkuliert“, sagt er heute, rund zehn Jahre später. Seither sei weder ihm noch einem seiner Mitarbeiter ein solcher Fehler wieder unterlaufen.

Vom Weg der konsequenten Elektrifizierung der Firmenflotte hat sich Born durch das ungewollte Ende seiner Dienstfahrt nicht abbringen lassen. „Wir fühlen uns der Nachhaltigkeit verpflichtet“, sagt er. Er ist bekennender Fan der geräuscharmen Fortbewegung: „E-Mobilität muss man erfahren.“

Gerade erst hat Born für die Firma wieder vier strombetriebene Autos bestellt. Damit beträgt der Anteil von Hybridfahrzeugen und reinen Elektroautos an der Firmenflotte bei L’Oréal Deutschland nun 15 Prozent. Insgesamt unterhält das Unternehmen 650 Fahrzeuge. Born will weiter Tempo machen. Das ambitionierte Ziel: Im Jahr 2023 soll der Firmenfuhrpark ausschließlich mit Autos bestückt sein, die einen elektrischen Antrieb haben.

Nicht nur das gestiegene Umweltbewusstsein beschleunigt aktuell den Umbau vieler Dienstwagen-Fuhrparks hin zur Elektromobilität. Auch finanziell kann sich der Schwenk lohnen – dazu trägt die staatliche Förderung entscheidend bei. „Aufgrund der hohen Subventionsbereitschaft des Bundes hat es nie bessere Bedingungen für den Umstieg gegeben“, sagt Roland Meyer, Geschäftsführer des Leasing- und Fuhrparkmanagement-Anbieters Leaseplan Deutschland.

Eine rasch wachsende Modellpalette der Anbieter ermöglicht es zudem, unterschiedliche Ansprüche der Nutzer im Unternehmen zu befriedigen. „Mittlerweile gibt es viele E-Auto-Modelle mit repräsentativem Charakter“, sagt Meyer.

Sprunghafter Anstieg

Lange spielten Fahrzeuge mit dem elektrischen Antrieb in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Auf einen Marktanteil von zusammen 3,6 Prozent kamen reine E-Autos und Pkws mit Plug-in-Hybrid bei den Neuzulassungen im Jahr 2019. Für das laufende Jahr erwartet das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach einen sprunghaften Anstieg auf zwölf Prozent – das würde 335.000 Fahrzeugen entsprechen.

Von Monat zu Monat hat das CAM zuletzt neue Rekorde beim Marktanteil dokumentiert. Auch die Zahlen für den Oktober zeigen mit 18,9 Prozent einen Höchstwert. Damit war schon fast jede fünfte Neuzulassung ein Elektrofahrzeug oder ein Plug-in-Hybrid. „Das Jahr 2020 markiert eine Zeitenwende hin zur Elektromobilität“, urteilt CAM-Leiter Stefan Bratzel.

An Attraktivität gewinnt E-Mobilität auch dadurch, dass die Hersteller ihre Modellpaletten zügig ausbauen. Volkswagen etwa setzt auf die „ID.-Familie“. Die Produktpalette reicht vom Stadtauto bis hin zum Kleinbus. Viel Bewegung gibt es derzeit im SUV-Segment. Noch in diesem Jahr will Volkswagen mit der Auslieferung des SUVs ID.4 beginnen – bis zu 520 Kilometer Reichweite verspricht der Hersteller. Im nächsten Jahr soll dann das SUV-Coupé ID.5 folgen.

In der SUV-Oberklasse angreifen will BMW mit seinem Modell iX, das ab Sommer 2021 in Dingolfing gebaut werden soll – mit einem neuartigen Innenraum-Konzept. „Wir haben uns eher von einem Wohnraum inspirieren lassen als vom Automobilbau“, sagte Chefdesigner Adrian van Hooydonk jüngst bei der Präsentation. Experten trauen BMW durchaus zu, die Platzhirsche herauszufordern.

Neben Teslas Model Y zählt dazu der E-Tron von Audi. Die Ingolstädter haben es mit dem E-Tron 55 Quattro bereits in eine besondere Dienstwagenflotte geschafft. Die Spieler des deutschen Fußballmeisters Bayern München fahren das Modell. In der SUV-Liga spielt auch Mercedes-Benz mit dem EQC.

Blick auf die Kosten

E-Mobilität für die Imagepflege – diese Zeiten sind vielerorts vorbei. „Früher haben es Firmen schick gefunden, ein E-Auto in der Flotte zu haben. Jetzt wird dies auch wirtschaftlich interessant“, sagt Leaseplan-Geschäftsführer Meyer. „In den Anschaffungskosten liegen Elektro-Fahrzeuge nur noch wenig über Verbrennern. Und die Unterhaltskosten einschließlich Treibstoff, Wertverlust, Steuern, Versicherung und Instandhaltung sind in etwa gleich.“ Einen besonderen Anreiz setzt der Staat, der den Kauf eines Elektroautos abhängig von Antriebsart und Modell mit bis zu 9000 Euro unterstützt.

Doch auch für die Nutzer bieten sich finanzielle Vorteile – besonders in den kleineren Wagenklassen. Wer einen E-Dienstwagen fährt, dessen Bruttolistenpreis unter 60.000 Euro liegt, muss nur noch 0,25 Prozent davon als geldwerten Vorteil versteuern – deutlich weniger als das eine Prozent, das bei den Firmenautos mit Verbrennungsmotoren anfällt. Doch auch bei einem teureren Auto mit E-Antrieb oder einem Plug-in-Hybrid fällt die Dienstwagensteuer mit 0,5 Prozent noch deutlich günstiger aus.

Die lange belächelten E-Autos machen nun tatsächlich Eindruck beim Geschäftspartner. Denn viele legen verstärkt Wert auf Umweltbewusstsein: „Kunden drängen ihre Geschäftspartner zu mehr Nachhaltigkeit als früher“, sagt Roland Albrecht, Geschäftsführer der Heidelberger Markenagentur Goya.

„Spätestens seit dem Dieselskandal haftet Verbrennern der Makel der Umweltsünde an.“ Albrecht sieht sogar den Trend, dass der Dienstwagen mit Verbrennungsmotor zunehmend altmodisch wirkt: „Manager wollen einen modernen und dynamischen Eindruck vermitteln. Mit einer Technik aus dem 19. Jahrhundert geht das nicht.“

Auch die fehlende Reichweite, die lange als K.-o.-Kriterium gegen das Elektrofahrzeug als Dienstwagen angeführt wurde, greift als Argument immer weniger. Die Batterietechnik hat zuletzt beträchtliche Fortschritte gemacht. Tesla etwa weist für sein Model S gut 650 Kilometer Reichweite aus. Mercedes-Benz peilt künftig mit dem EQS, der ins S-Klasse-Programm eingeordnet wird, 700 Kilometer an.

Im Schnitt schaffen E-Autos laut einer Studie der Managementberatung Horváth & Partners in diesem Jahr 375 Kilometer mit einer einzigen Ladung. „Dienstwagenfahrer stellen ihr Fahrverhalten darauf um“, sagt Meyer. „Wer alle 350 Kilometer eine Rast einplant und während des Ladens einen Kaffee trinkt, ist kaum länger unterwegs als mit einem Verbrenner.“ Schon 2025 allerdings rechnet Horváth & Partners mit 784 Kilometern im Schnitt.

Im Unternehmen komme der Schwenk hin zu E-Autos gut an, berichtet L‘Oréal-Manager Born. „Bedenkenträger findet man immer, aber grundsätzlich ist E-Mobilität für Dienstwagenfahrer nichts Ungewöhnliches mehr“, sagt er. „Für Fahrer ist in erster Linie Zuverlässigkeit wichtig. Mobilität muss funktionieren.“ Insgesamt gewinnt E-Mobilität mehr Fans: Auch Mitarbeiter, die keinen Dienstwagen haben, steigen laut Born häufiger auf ein E-Auto um.