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KI-Software soll Ärzte entlasten: Münchener Saas-Startup bekommt 23 Millionen Euro

Wieland Sommer ist Professor für Radiologie und Mehrfach-Gründer. Seine Mission: Ärzten mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben verschaffen. - Copyright:  Jonas Nefzger / Smart Reporting GmbH
Wieland Sommer ist Professor für Radiologie und Mehrfach-Gründer. Seine Mission: Ärzten mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben verschaffen. - Copyright: Jonas Nefzger / Smart Reporting GmbH

Auch für Ärzte gehört sie zum Alltag dazu: die Büroarbeit. Einen großen Teil mache dabei die sogenannte medizinische Dokumentation aus, sagt Radiologe und Gründer Wieland Sommer. Dazu gehört beispielsweise, Befunde genau zu erfassen. Problematisch wird es dann, wenn diese Arbeit überhandnimmt – und Ärzte nicht nur davon abhält, sich direkt um ihre Patienten zu kümmern, sondern sie auch an die Grenzen des Leistbaren bringt. Sommer geht sogar so weit, zu sagen, dass der Workload der medizinischen Dokumentation mitverantwortlich für viele Burnouts unter Ärztinnen und Ärzten ist. 2014 hat er deshalb angefangen, an einer Lösung für dieses Problem zu arbeiten.

Sein Saas-Startup Smart Reporting hat eine Software entwickelt, die Ärzte bei ihren Dokumentationspflichten unterstützt. Die Idee: Wo Ärzte bisher mit reinen Transkription-Software-Lösungen arbeiteten (um Befunde zu verschriftlichen, die sie in ein Aufnahmegerät sprechen), soll stattdessen Smart Reporting zum Einsatz kommen. Die Software des Radiologen verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz. Beispielsweise ist darin eine Art Lexikon integriert, das sich laufend aktualisiert.

So haben Ärzte Zugriff auf neueste Forschungsergebnisse – passend zum jeweiligen Befund. Zudem kann die Software Befunde durch Grafiken ergänzen. Das sei unter anderem nützlich, um Chirurgen zu besser zu briefen, sagt Sommer. Die Software beinhalte aber auch explizit zeitsparende Features. So könne sie automatisiert Zusammenfassungen von Befunden erstellen oder Ergebnisse aus früheren Befunden übernehmen, wenn der jeweilige Arzt angibt, dass sich beim Patienten nichts geändert hat. Außerdem gibt die Software Hinweise, wenn beispielsweise Angaben fehlen.

Lead-Investor aus dem Life-Science-Bereich

Smart Reporting ist bereits seit einigen Jahren in Krankenhäusern und Praxen im Einsatz und arbeitet dafür unter anderem mit großen Herstellern wie Siemens Healthineers zusammen. Aktuell gehören laut Unternehmen 80 Mitarbeiter zum Team: darunter Ärzte und Experten für Künstliche Intelligenz, für Healthcare-IT und den sicheren Austausch medizinischer Daten.

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Ende 2023 ist das Münchener Startup außerdem expandiert – unter anderem in die USA, nach Kanada, Australien und Neuseeland. Jetzt gehe es darum, „den Footprint in diesen Ländern zu verstärken und den Markt zu durchdringen.“ Zusätzlich soll die Software weiterentwickelt werden, sagt Gründer und CEO Sommer und verrät, dass generative Künstliche Intelligenz dabei eine größere Rolle spielen wird.

Um Expansion und Entwicklung zu finanzieren, hat das Startup im Rahmen einer Series C-Finanzierungsrunde nun 23 Millionen Euro bekommen, wie das Unternehmen angibt. Angeführt wird die Runde demnach von dem international agierenden Life-Science-VC TVM Capital Life Science. Auch Bayern Kapital beteiligte sich und ist damit – genau wie TVM – neu im Cap Table von Smart Reporting.

Vom Arzt zum Unternehmer

Bereits in früheren Runden hatte das Startup insgesamt rund 25 Millionen Euro Eigenkapital von Investoren eingesammelt. Auch Bestandsinvestoren hätten sich an der aktuellen Runde wieder beteiligt, so das Unternehmen. Laut CEO und Gründer Wieland Sommer mache Smart Reporting zwar schon jetzt „signifikante Umsätze“, setze aber im Rahmen einer Wachstumsstrategie auf Investoren, um „das Produktportfolio zu erweitern und dann ein zukünftiger Marktführer in diesem wichtigen medizinischen Kernmarkt zu werden.“

Sommer ist selbst Arzt und Professor für Radiologie. Neben Smart Reportings gründete er 2016 noch ein weiteres Unternehmen: Planerio. Das Startup hat Personalmanagement-Prozesse im Gesundheitswesen digitalisiert. 2021 haben Sommer und Co-Gründer Stefan Klußmann Planerio an Doctari, einen Berliner Dienstleister für Gesundheitstechnologie, verkauft.

Aber auch hier ging es darum, Ärzten mehr Zeit für Patienten zu verschaffen. „Ich habe gesehen, dass der Bedarf für eine Verbesserung des Status Quo groß war. Deshalb habe ich die beiden Unternehmen gegründet“, sagt Sommer. Seinen Arztjob hat Sommer in der Zwischenzeit an den Nagel gehängt – genauso wie seine Frau, die ebenfalls Radiologin ist. Sie gründete 2021 selbst: Raya Diagnostics, ein Telemedizin-Startup.