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Keine Impfstoffe, keine Termine: Bundesländer zeigen sich vor „Impfgipfel“ frustriert

Specht, Frank
·Lesedauer: 4 Min.

Die Impfkampagne sollte eigentlich auf Hochtouren laufen. Doch in vielen Bundesländern ist die Vergabe weiterer Termine teils über Wochen nicht möglich.

Gut 2,2 Millionen Impfdosen sind seit Beginn der Impfkampagne an Weihnachten verabreicht worden, bisher vor allem in den Senioren- und Pflegeheimen. Seit wenigen Tagen hat in den meisten Bundesländern auch die Terminvergabe für die über 80-Jährigen begonnen. Doch der anfängliche Schwung dürfte bald erlahmen, weil der Impfstoff fehlt.

Wie eine Umfrage des Handelsblatts unter den für die Impfungen zuständigen Ministerien, Kassenärztlichen Vereinigungen oder Organisationen zeigt, fahren die Länder auf Sicht. Die Vergabe weiterer Impftermine ist teils über Wochen nicht möglich. Auf die Frage, mit wie vielen Impfungen bis Ende März gerechnet wird, heißt es fast unisono: Das hängt von der Menge der bis dahin gelieferten Impfdosen ab.

In einer Videokonferenz wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Ministerpräsidenten der Länder, Impfstoffhersteller und Vertreter der EU-Kommission deshalb am Montag nach Wegen suchen, die Impfstofflieferungen zu beschleunigen. Regierungssprecher Steffen Seibert dämpfte aber am Freitag die Erwartungen. Konkrete Beschlüsse seien beim „Impfgipfel“ nicht zu erwarten.

Derzeit wünschten sich alle mehr Impfstoff, und die Bundesregierung tue alles dafür, um positive Rahmenbedingungen zu schaffen. Es sei aber auch nie gesagt worden, dass bereits im Januar oder Februar so viel Impfstoff vorhanden sei, dass man schon große Schritte erwarten könne, betonte Seibert.

„Nationaler Impfplan“ wird gefordert

Die Bundesländer stellt das nicht zufrieden. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte einen „nationalen Impfplan“. Dieser müsse „verlässlich bis Ende September jedem Impfwilligen eine Impfung“ ermöglichen, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Bundeskanzlerin Merkel hatte kürzlich versichert, dass jeder Impfwillige bis Ende des Sommers, also kalendarisch bis zum 21. September, ein Impfangebot erhalten werde – wenn die Zulassungen alle so erteilt würden wie erhofft.

Dreyer kritisierte, dass die aufgebauten Impfzentren „im Leerlauf“ seien, weil nicht genügend Impfstoff vorhanden sei. Beispiel Bayern: Knapp 71.000 Impftermine wurden dort bis Anfang dieser Woche vergeben. In den 100 bayerischen Impfzentren wären aber 40.000 Impfungen täglich möglich. Wie viele Impfungen bis Ende März tatsächlich durchgeführt werden können, „hängt entscheidend von der Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffs ab“, teilte das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit.

In Nordrhein-Westfalen, wo das Terminbuchungssystem anfangs unter dem Ansturm zusammengebrochen war, sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) für die Terminvergabe zuständig. Die KV Nordrhein hatte bis Dienstag 240.000 Termine für Erst- und Zweitimpfungen vergeben, die KV Westfalen-Lippe 471.000.

Im Rheinland stünden wöchentlich 37.000 Impftermine zur Verfügung, teilte die KV Nordrhein auf Anfrage mit. Der Run auf die Termine sei aber weiter so groß, dass es zeitweilig zu Überlastungen komme und Störungsmeldungen auftauchten. Die vom Land Nordrhein-Westfalen zugesagte Impfstoffmenge soll 452.000 Erst- und Zweitimpfungen bis Anfang April ermöglichen – wenn sie denn rechtzeitig geliefert wird.

Neue Impftermine erst wieder ab März

In Niedersachsen, wo die Terminvergabe für die über 80-Jährigen am Donnerstag begann, liefert das Land im Laufe der nächsten Woche alle 31.590 aktuell für die Erstimpfung zur Verfügung stehenden Impfdosen aus. Zunächst können deshalb maximal rund 15.000 Termine in bis zu 30 der 50 Impfzentren angeboten werden.

Baden-Württemberg stochert weitgehend im Nebel. Das Land habe derzeit keine Kenntnis darüber, wie die Impfstofflieferungen über die Kalenderwoche sieben hinaus, also ab dem 22. Februar, ausfallen werden, teilt das Sozialministerium mit. Momentan würden die wenigen zur Verfügung stehenden Impftermine schnell „weggebucht“.

In Thüringen, dem Land mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz, wurden bisher gut 90.000 Termine vergeben. Aufgrund der Lieferschwierigkeiten von Biontech-Pfizer kann die zuständige KV nach eigenen Angaben derzeit aber keine neuen Impftermine mehr anbieten. „Deshalb ist das Terminvergabeportal bis auf Weiteres, jedoch mindestens bis zum 08.02.2021, geschlossen.“

In Sachsen, dem Land mit dem vierthöchsten Inzidenzwert, erwartet das zuständige Deutsche Rote Kreuz, erst ab März „wieder regelmäßig Termine in Größenordnungen“ anbieten zu können. Von den am 25. Januar gelieferten rund 22.000 Impfdosen kamen nur 615 in den 13 Impfzentren an, der Rest war für die Alten- und Pflegeheime reserviert. Am 1. Februar soll die nächste Lieferung von Biontech-Pfizer kommen, aber in reduziertem Umfang.

Kanzleramtschef rechnet mit gut 20 Millionen Impfdosen bis Ende März

Auch in Brandenburg werden aktuell keine neuen Impftermine vergeben. „Die Terminvergabe startet wieder, wenn wir wissen, wie viel Impfstoff gesichert ins Land kommt und für die Impfzentren zur Verfügung steht“, teilt die Kassenärztliche Vereinigung mit.

Es wird also viel zu besprechen geben beim „Impfgipfel“ am Montag. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagte „t-online“, er rechne bis Ende März mit bis zu 20,3 Millionen Impfdosen. Dies sei abhängig von den Zulassungen weiterer Impfstoffe. „Wenn diese erfolgreich verlaufen, können wir auf bis zu neun Millionen Dosen von den weiteren Herstellern hoffen.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Bürger in dieser Woche noch auf „mindestens zehn harte Wochen“ eingeschworen.