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Karriere-Tinder für Studenten

·Lesedauer: 3 Min.

Das Portal Talentbay will Jobs genauso einfach vermitteln wie ein Date. Hinter dem Projekt stehen NFON-Gründer Marcus Otto und Tech-Investor Michael Wenglein.

Onlinedating-Portale wie Tinder und Parship haben vorgemacht, wie Algorithmen Menschen zusammenbringen können. Was sich in Liebesangelegenheiten bewährt hat, scheint nun auch in Personalabteilungen Einzug zu halten: Studierende können mittels einer Künstlichen Intelligenz entsprechend ihrem Studium mit dem für sie geeigneten Job gematcht werden. Das Tinder für die Karriere.

Das neue Portal für High-Potentials heißt Talentbay – dahinter stehen bekannte Namen. NFON-Gründer Marcus Otto, 55, und Tech-Investor Michael Wenglein, 46, haben gemeinsam Talentbay gegründet. Als CEO steigt ab dem kommenden Jahr der bisherige Europa-Chef des Karriereportals Monster, Marc Irmisch-Petit, 52, ein.

Über einen selbst entwickelten Algorithmus gleicht Talentbay die Studierenden und Doktoranden mit den Fachabteilungen von Unternehmen ab, die auf der Suche nach entsprechenden Talenten sind. Die Datenbasis für das Match ist beispielsweise die Auswahl von Universität, Studiengang, Seminaren, Studienarbeiten, Interessen und Professoren. Dies seien „deutlich mehr Kriterien als ein Standard-Lebenslauf oder Profile auf Business-Netzwerken“, sagen die Gründer.

Talentbay kooperiert mit Open-Campus, über deren Software Universitäten ihre Prozesse verwalten und Hochschüler ihr Studium organisieren können. Die Technische Universität München, die Humboldt-Universität zu Berlin und die Charité-Universitätsmedizin Berlin nutzen beispielsweise Open-Campus.

Die Unternehmen, die nach Talenten suchen, präsentieren sich auf Talentbay und beschreiben die Stellen, die sie besetzen wollen. Mithilfe von Machine Learning findet das neue Recruiting-Portal Matches zwischen Unternehmen und High Potentials – und lernt mit jeder Nutzung dazu.

Bislang verfügt Talentbay nach eigenen Angaben über Profile von rund 600.000 Studierenden – darunter etwa 100.000 Doktoranden. Schwerpunkte bilden Branchen wie IT, Biotech, Ingenieurwesen, Medizintechnik und Medizin. Für Studierende ist Talentbay kostenlos, Unternehmen zahlen pro bestätigtem Match 50 Euro.

Früher im Recruiting-Prozess ansetzen

Die Idee, Künstliche Intelligenz in der Jobvermittlung einzusetzen, ist nicht neu. Auch etablierte Player wie die Springer-Tochter Stepstone nutzen Algorithmen für den Datenabgleich. „Wir setzen im Recruiting-Prozess deutlich früher an“, wirbt Mitgründer Otto für das neue Start-up, das seinen Sitz in München hat.

„Talentbay bringt High Potentials und Unternehmen zusammen, lange bevor die Personalabteilung eine konkrete Stelle ausgeschrieben hat. In der Regel sind die Studierenden dabei noch an den Hochschulen eingeschrieben – das gibt ausreichend Zeit, sich gegenseitig kennen zu lernen.“ Das Match basiere dabei auf einem selbst entwickelten Algorithmus.

Die Coronakrise trifft das junge Unternehmen nach Angaben der Gründer nicht. „Für Absolventen aus den Bereichen Medizin und IT dürften die Berufschancen kurzfristig sogar steigen“, meint Otto. „Vor allem, wenn die sich auf Themen wie Biotech und Medizintechnik spezialisiert haben. Genau solche Wachstumssegmente sind wesentliche Schwerpunkte in unserer Datenbank.“

Otto gründete einst den Cloud-Telefonie-Anbieter NFON und ist seit 2016 Investor, unter anderem bei der Plattform Open-Campus. Sein Mitgründer, der Tech-Unternehmer Wenglein, ist langjähriger Seed-Investor und war Mitgründer des Immobilien-Start-ups Propertybase.

Die beiden Gesellschafter wollen das Jungunternehmen, in dem zwölf Mitarbeiter beschäftigt sind, nur übergangsweise führen. Ab Januar 2021 soll Karriere-Experte Irmisch-Petit die Leitung übernehmen.

„KI, Robotics und Automation, Synthetic Biology, 5G und IoT, Quanten-Computing, autonomes Fahren, FlyTaxi, Hyperloops, New Food – all das und noch viel mehr steht vor dem Durchbruch in den kommenden Jahren und muss weiter vorangetrieben werden, damit Deutschland international wettbewerbsfähig bleibt“, findet Irmisch-Petit. Mit dem neuen Portal will er nicht weniger als eine Bremse in der Abwanderung von High Potentials ins Silicon Valley verhindern.

Aktuell ist Talentbay in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten. Die Ziele der Gründer sind ambitioniert. Otto meint: „Spätestens in 2022 werden wir nach derzeitiger Planung in den wichtigsten europäischen Märkten vertreten sein. Dazu zählen wir UK, Frankreich, Italien, Polen, Spanien.“