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Johnson sieht Corona-Höhepunkt überschritten, Beschränkungen bleiben bestehen

Der britische Premier gibt erstmals nach seiner Covid-19-Erkrankung ein öffentliches Statement ab. Oppositionsführer Starmer bemängelt eine langsame Exit-Strategie.

Zum ersten Mal seit seiner Erkrankung an Covid-19 ist der britische Premierminister am Donnerstagnachmittag wieder öffentlich aufgetreten. „Wir haben den Höhepunkt (der Corona-Pandemie) überschritten“, sagte Boris Johnson bei dem alltäglichen Pressebriefing der Regierung in London.

Er lobte die Bevölkerung dafür, dass sie sich an die Ende März eingeführten Einschränkungen halte. Diese Opfer seien nicht umsonst, betonte der Premier, die Maßnahmen würden wirken. In der kommenden Woche werde er einen „umfassenden Plan“ vorstellen, wie man die Einschränkungen wieder reduzieren könne.

Aber bevor der Zeitpunkt dafür gekommen sei, müssten fünf Kriterien erfüllt werden: Der britischen Gesundheitsdienst NHS müsse ausreichend Kapazitäten zur Behandlung haben, die tägliche Zahl der Toten müsse nachhaltig sinken, die Infektionsrate „R“ müsse auf ein „beherrschbares Niveau“ fallen und die Anzahl der Tests und die Versorgung mit Schutzkleidung ein angemessenes Niveau erreichen. Zudem müsse man sich sicher sein, dass eine Lockerung nicht zu einer zweiten Infektionswelle führe.

Aktuell gehe man davon aus, dass die R-Rate zwischen 0,6 und 0,9 liege. Bislang ist in Großbritannien keine Lockerung der am 23. März verhängten Einschränkungen in Sicht. Doch der britische Rechnungshof etwa hatte gewarnt dass bei einem mehr als dreimonatigen Lockdown die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 13 Prozent zurückgehen könnte. Angesichts der Folgen für die Wirtschaft werden zunehmend Forderungen laut, die Regierung solle zumindest ihre Überlegungen für die nächsten Wochen verkünden.

Oppositionsführer Keir Starmer von der Labour-Partei kritisierte in einem TV-Interview mit ITV News, dass die Regierung bei vielen Themen rund um Corona langsam sei. Sowohl beim Verkünden der Einschränkungen, beim Testen, beim Beschaffen von Schutzkleidung und -hilfsmitteln, „und jetzt möglicherweise auch bei unserer Exit-Strategie“.

Boris Johnson hatte offenbar einen Sinneswandel erlebt, als er selbst infiziert wurde: Mittlerweile gilt der Premier als einer derjenigen, die vor einer zu frühen Lockerung der Maßnahmen warnen.

Der 55-Jährige war vor gut vier Wochen in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert worden und wurde zeitweise auf der Intensivstation behandelt. Nachdem es ihm besser ging, wurde er am 12. April entlassen, kurierte sich dann aber auf seinem Landsitz aus. Am Mittwoch war er wieder im Krankenhaus, allerdings aus einem erfreulicherem Grund, wie er nun selbst sagte: Seine Verlobte brachte einen Jungen zur Welt.