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Jörg Asmussen wird neuer GDV-Hauptgeschäftsführer

Der frühere EZB-Direktor wechselt zum Lobbyverband der Versicherer. Die Debatte um die Zukunft der Altersvorsorge dürfte sein erste Herausforderung werden.

Der ehemalige EZB-Direktor Jörg Asmussen wechselt zum Versicherungsverband GDV. Foto: dpa

Es ist eine Personalie, mit der kaum jemand gerechnet hatte. Der frühere EZB-Direktor Jörg Asmussen steigt als neuer Hauptgeschäftsführer bei der Versicherer-Lobby ein. Das Präsidium des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft hat den 52-Jährigen Banker mit Wirkung zum 1. April 2020 in die Geschäftsführung des Gesamtverbandes berufen und ihn zugleich zum 1. Oktober 2020 zum Vorsitzenden der Geschäftsführung und zum geschäftsführenden Präsidiumsmitglied des GDV bestellt, teilte der Verband am Donnerstag mit. Asmussen, der zuletzt in führender Position als Leiter Fusionen und Übernahmen Europa bei der deutschen Niederlassung der Investmentbank Lazard tätig war, folgt auf Jörg von Fürstenwerth, der nach fast 25 Jahren aus Altersgründen ausscheidet.

Asmussen gilt als sehr gut vernetzt und hat enge Drähte in Politik und Wirtschaft. Der 52 Jahre alte Ökonom galt in der Berliner Politik lange als Ausnahmetalent. Getragen von Förderern wie Sigmar Gabriel, Wolfgang Schäuble und Angela Merkel absolvierte er eine Blitzkarriere. Er stieg im Bundesfinanzministerium zum Staatssekretär auf, schrieb an den Gesetzen zur Finanzmarktregulierung maßgeblich mit und vertrat Bundesfinanzminister Schäuble während der Griechenland-Krise. Im Jahr 2012 wurde er dann ins Direktorium der Europäischen Zentralbank berufen.

Doch nach knapp zwei Jahren verließ er überraschend den prestigeträchtigen Posten bei der EZB, um als Staatssekretär der damaligen Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles in Berlin anzuheuern – doch die Verbindung hielt nicht lange. Bei dem daraufhin angepeilten Wechsel zur staatlichen Förderbank KfW pokerte Asmussen nach Ansicht von Beobachtern deutlich zu hoch - und verlor. Er bekam den Posten nicht und wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Danach fiel es Asmussen schwer, wieder Fuß zu fassen.

Er beriet die irakische Regierung bei Reformen, arbeitete in einer Denkfabrik an deutsch-französischen Ideen zur Reform der Eurozone mit und fing als Berater bei der amerikanischen Investmentbank Lazard in Frankfurt an.
Mit dem GDV-Hauptgeschäftsführerposten ist Asmussen nun jedoch zurück im politischen Geschäft.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Jörg Asmussen einen versierten Kenner des deutschen und des europäischen Finanzsektors gewinnen konnten“, erklärte Weiler. „Mit seiner umfangreichen Erfahrung wird Herr Asmussen der deutschen Versicherungswirtschaft als zukünftiger Hauptgeschäftsführer eine gewichtige Stimme geben.“ Asmussen betonte, dass die Versicherer einen großen Beitrag bei der privaten Altersvorsorge und im Umgang mit Risiken wie dem Klimawandel und der Cybersicherheit leisten könnten.

Asmussen wird auch in der politischen Debatte gefragt sein. „Zur Reform der privaten Vorsorge braucht es keinen Staatsfonds“, hatte Weiler am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes betont. Die Koalition will noch vor der Wahl im kommenden Jahr ein einfaches standardisiertes Altersvorsorgeprodukt einführen und hat sich noch nicht festgelegt, in welcher Form dies geschehen soll. So ist auch ein staatlich geführter Deutschlandfonds in der Diskussion, der sich an dem Modell von Norwegen orientieren soll.

Der GDV präferiert dagegen eine private Lösung über die eigenen Mitgliedsunternehmen. Es wird wohl Asmussens erster wichtiger Job sein, in der Debatte die Argumente der Versicherer gegen die Einführung eines Staatsfonds zu Gehör zu bringen. Besonders schwer sollte ihm das nicht fallen: Asmussen gilt in Berlin als versierter Strippenzieher.