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Illegale Geschäfte auf dem Pausenhof: Wie der Gostudent-CEO zum Gründen kam

·Lesedauer: 6 Min.
Mit 18 Jahren hatte er seinen Bachelortitel und ging für zwei Semester an die Cambridge University: Gostudent-CEO Felix Ohswald.
Mit 18 Jahren hatte er seinen Bachelortitel und ging für zwei Semester an die Cambridge University: Gostudent-CEO Felix Ohswald.

Als er 14 Jahre alt war, begann Felix Ohswald neben der Schule ein Studium an der Universität Wien: Schwerpunkt Finanzmathematik. Zusätzlich wurde er bei seinen Klassenkameraden und deren Freunden bekannt als die Anlaufstelle Nummer Eins für Nachhilfeunterricht. Um den enormen Bedarf an solchen Nachhilfeanfragen zu decken, gründete er eine Whatsapp-Gruppe, die hilfesuchende Schüler mit Lehrern verknüpfte. Daraus entwickelte Ohswald die Idee für eine Online-Learning-Plattform: Heute vermittelt sein 2017 gegründetes Gostudent über 400.000 Online-Nachhilfestunden im Monat und zählt sowohl als das wertvollste Startup Österreichs als auch das wertvollste Ed-Tech-Unternehmen Europas.

Im neuen Gründerszene-Format „Flashback“ wollen wir vom 26-jährigen Ohswald wissen: Wie hat seine Gründerkarriere begonnen? Was waren die Schlüsselmomente auf dem Weg zum Unternehmer? Und wie hat ihn der Erfolg persönlich verändert? Hier findet ihr die Antworten.

Felix, wie würde deine beste Freundin oder dein bester Freund dich in einem Satz beschreiben?

Viel zu beschäftigt, oft schlecht erreichbar, aber immer für sie da, wenn es um die wichtigen Themen geht. Und jemand, der manchmal einen Schritt zu weit geht, ganz nach dem Motto: be fast or be last.

Wer war als Kind dein Vorbild und warum?

Meine Eltern und Großeltern waren in meiner Kindheit Vorbilder für mich. Meine Eltern haben mich immer in allem unterstützt, meinem jüngeren Bruder Moritz und mir ihre Werte vorgelebt. Mein Großvater, der ein leidenschaftlicher Naturwissenschaftler war, hat mir beigebracht, wie man theoretische Formeln im echten Leben anwendet. Er war es, der mich dazu inspirierte, Mathematik zu studieren.

Inwiefern haben dich Menschen oder Erlebnisse geprägt, seien es Eltern, Familie, Schule, Freunde … Und wer davon am meisten?

Wenn meine Eltern gesehen haben, dass ich eine neue Begeisterung habe, haben sie mich immer darin unterstützt. Von Legotechnik bis Schach – ich durfte wirklich alles ausprobieren. Kindliche Begeisterung zu erzeugen und dann zu fördern, ist etwas, dass wir bei Gostudent jeden Tag versuchen zu erreichen.

Gab es in deiner Kindheit oder deiner Jugend bestimmte Momente, die sehr prägend waren, positiv oder negativ? Kannst du einen oder zwei davon nennen?

Als ich die ersten Computerspiele ausprobiert habe! Das war ungefähr um das Jahr 2000. Für mich war das sehr inspirierend und ich war direkt hooked. Das führte auch dazu, dass ich früh mit dem Internet in Berührung gekommen bin und schon damals vieles ausprobierte. In der Grundschule habe ich dann zum Beispiel die DVDs genommen, die mein Vater sich aus der Videothek ausgeborgt hatte, habe sie gebrannt und auf dem Pausenhof verkauft. Das Internet war also auch der Auslöser für meine ersten Schritte in die Geschäftswelt.

Was wolltest du als Kind von Beruf werden und wieso?

Den ersten Beruf, den ich spannend fand, war Banker, weil das der Beruf meines Vaters ist. Geldanlagen haben mich früh interessiert. Die Erkenntnis, dass ich ein Risikomensch bin, hat dann dazu geführt, dass ich selbst etwas aufbauen wollte.

Kannst du den genauen Moment beschreiben, in dem du dich für die Gründung von Gostudent entschieden hast? Wo warst du dann und was genau führte zu der Entscheidung in dem Moment?

Ich habe mich schon immer für Bildung begeistert. Im Jahr 2015, als ich meinen Master in Quantitative Finance an der ETH Zürich absolvierte, wurde mir klar, dass es viel mehr Lehrer wie meinen Großvater braucht. Mein jüngerer Bruder Moritz begann, seine Klassenkameraden an mich zu verweisen, um ihnen bei ihren Mathe-Hausaufgaben zu helfen. Ich habe gerne geholfen, und das hat sich herumgesprochen. Schnell war ich überrascht, wie viele Schüler sich an mich wandten. Es hatte den Anschein, als fehlte ihnen allen die Unterstützung und sie hatten die Begeisterung für das Fach verloren. Mir war klar, dass dies ein großes Problem war, und ich wollte einen Weg finden, dieses Problem zu lösen.

Ich kontaktierte meinen Freund und Mitbegründer von Gostudent, Gregor Müller, und wir besprachen die Entwicklung einer speziellen App zur Hausaufgabenhilfe, in der die Nutzer mit motivierten und inspirierenden Tutoren verbunden werden und hochwertige Unterstützung erhalten. Unser Ziel war es, bei unseren Nutzern die Liebe zum Lernen neu zu entfachen. Gostudent wurde daraufhin 2016 gegründet, und die App ging im Sommer desselben Jahres an den Start.

Wer hat dich mental dabei unterstützt, dich selbstständig zu machen?

Bei den meisten Gründern ist beim allerersten Schritt in das eigene Startup meist noch alles in Ordnung. Mentale Unterstützung wird dann wichtig, wenn sich alle Dinge gleichzeitig bewegen und etwas mal nicht das Ergebnis liefert, wie geplant.

Mein Mitgründer Gregor Müller, mit seiner ruhigen und analytischen Art, geht immer an alle Schwierigkeiten mit kühlem Kopf heran. Egal, wie groß der Druck ist, unter dem wir stehen. Er lässt nie zu, dass der Druck uns auffrisst. Es gab Momente, in denen wir nicht wussten, ob am Ende des Monats genug Cash in der Bank sein würde, um unser Team zu bezahlen. Es gab und gibt schlaflose Nächte. Glücklicherweise haben wir komplementäre Fähigkeiten. Wir haben von Anfang an viel Wert darauf gelegt, uns als Gründungsteam weiterzuentwickeln – man lernt eben nie aus.

Welche Hürden musstest du auf dem Weg zur Selbstständigkeit überwinden?

Erstens: Die erste Investorensuche. Bei uns hat damals keiner daran geglaubt, dass man im Bildungsbereich eine so große Firma aufbauen kann. Ich musste wirklich viel Überzeugungsarbeit leisten. Zweitens: Früh gute Leute zu rekrutieren, denen man zu 100 Prozent vertrauen kann. Und drittens: Die Erkenntnis, sich auch von Leuten zu trennen, die mit der Wachstumsphase und der Entwicklung des Unternehmens nicht mehr zusammenpassen.

Wie unterscheidet sich dein heutiger Charakter von deinem früheren?

Ich bin sicherlich weniger blauäugig und naiv als noch vor sechs bis sieben Jahren. Immerhin waren wir damals Anfang 20 und first time founders. Man entwickelt eine gewisse Abgebrühtheit. Gleich geblieben ist aber, dass ich mir selbst gegenüber immer ehrlich bin und bodenständig bleibe. Und natürlich, dass ich den Anspruch nie verloren habe unseren Kunden treu zu sein und das beste Produkt für sie zu bauen.

Basierend auf deinem Hintergrund, welchen Rat würdest du anderen Gründern und solchen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Fokussiere dich auf ein relevantes Problem. Ist das, was du lösen möchtest, wirklich ein Problem oder nur ein „nice to have”?

Sei klar darin, wie du das Thema monetarisieren willst. Bei Gostudent hatten wir in unseren ersten drei Jahren die Schüler im Fokus. Erst als wir erkannten, dass die Eltern unsere eigentliche Zielgruppe sind, konnten wir unser Geschäftsmodell endlich monetarisieren.

Bilde ein starkes Gründerteam, in dem sich Fähigkeiten ergänzen. Es braucht keine drei Wirtschaftswissenschaftler, sondern Personen mit unterschiedlichen Expertisen zum Beispiel in den Bereichen Technik, Marketing und Business.

Würdest du alles auf dem Weg zur Gründung von Gostudent nochmal genauso machen? Bitte begründe deine Antwort.

Ich würde noch früher genau auf die Zielgruppe hören. Was brauchen sie? Wie suchen sie Nachhilfe? Wie nehmen sie Nachhilfe in Anspruch. Da waren wir initial zu naiv. Aber man lernt ja nie aus!

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