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Früherer Trump-Berater berät EU bei ihrer Impfstrategie

Siebenhaar, Hans-Peter
·Lesedauer: 3 Min.

Moncef Mohamed Slaoui war beim Pharmariesen Glaxo-Smithkline und Berater von Donald Trump. Nun hilft er in Brüssel, die Beziehungen zwischen der EU-Kommission und den Impfherstellern zu verbessern.

Beim EU-Videogipfel von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit sechs Pharmaunternehmen – darunter Pfizer, Astra-Zeneca und Johnson & Johnson – am vergangenen Sonntag spielte Moncef Mohamed Slaoui bereits eine wichtige Rolle. Denn der frühere Manager des Pharmariesen Glaxo-Smithkline berät als Sonderberater die EU-Kommission neuerdings bei ihrer Impfstoffstrategie.

Die Unterstützung des Belgiers können von der Leyen und ihre Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides gut gebrauchen. Denn der Streit mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern Astra-Zeneca um die Lieferung von Impfstoffen offenbarte die Schwächen von Brüssel im Kampf gegen die Pandemie. Slaoui soll als „Scharnier zwischen der Kommission und der Pharmabranche dienen“, wie ein hoher Kommissionsbeamter dem Handelsblatt sagte.

Slaoui ist nicht nur nach drei Jahrzehnten im Dienst für Glaxo-Smithkline ein Pharmamanager, der sich in der Branche bestens auskennt. Der 61-Jährige bringt auch Erfahrung als Politikberater mit. Unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump leitete Slaoui die Operation „Warp Speed“ – die Entwicklung und Auslieferung des Impfstoffs gegen Covid-19.

Der frühere Leiter der Impfstoffabteilung von Glaxo-Smithkline hatte im Mai 2020 die Rolle des wissenschaftlichen Chefberaters unter Trump übernommen. Seine Bedingungen: volle Befugnisse und keine Einmischung. „Ich kenne die Bürokratie nicht. Ich weiß nicht, wie diese Welt funktioniert, und ich werde auch nicht lernen, wie sie funktioniert“, sagte er offenherzig. Das kam unter Trump gut an.

Doch das Engagement im Weißen Haus ist zu Ende. Im Januar trat Slaoui auf Wunsch des neuen Präsidenten Joe Biden zurück. Der Jobverlust ist für den promovierten Immunologen aber kein Problem. Denn seine Fähigkeiten als Berater für die Strategie gegen Covid-19 werden von der EU dringend gebraucht.

Slaouis Aufgabe ist es, die bislang schwierige Zusammenarbeit zwischen den Pharmaunternehmen und der EU-Behörde schnellstens zu verbessern. „Wir unterstützen jede Art der Zusammenarbeit durch die Industrie“, sagte ein Kommissionssprecher am Dienstag.

Impfversprechen der EU wackelt

Kommissionspräsidentin von der Leyen verspricht, bis zum Ende des Sommers 70 Prozent aller Bürger in den 27 Mitgliedstaaten impfen zu lassen. Doch dieses Impfversprechen wackelt längst. „Es reicht nicht aus, einfach nur auf mehr Lieferungen und Zulassungen im zweiten Quartal zu hoffen“, kritisierte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Rasmus Andresen, am Dienstag.

Berater Slaoui muss daher neue Wege suchen. Auf dem Tisch liegt der Vorschlag von EU-Ratspräsident Charles Michel. Er will die Freigabe von Patenten notfalls erzwingen, damit alle Möglichkeiten zur Herstellung der Impfstoffe ausgeschöpft werden können.

Bei allen Rückschlägen im Kampf gegen die Pandemie auch unter seiner Regie in den USA blickt der gebürtige Marokkaner Slaoui positiv auf die Entwicklungen. „Was die Entdeckung von Impfstoffen, ihre Entwicklung und Herstellung betrifft, sind wir schneller als je zuvor“, sagte der Immunologe vor Kurzem der Nachrichtenagentur Bloomberg. Jetzt muss dieser Erfolg nur noch bei allen EU-Bürgern ankommen.