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„Wir fordern den Rücktritt von Markus Braun“

Die Deka fordert als erste große deutsche Fondsgesellschaft die Ablösung von Markus Braun als Wirecard-Chef. Das in der vergangenen Woche veröffentlichte KPMG-Sondergutachten habe sie „schockiert“.

Die Deka fordert als erste große deutsche Fondsgesellschaft die Ablösung von Markus Braun als Wirecard-Chef. Foto: dpa

Die Deka drängt als erste große deutsche Fondsgesellschaft auf die Ablösung von Markus Braun als Chef des Dax-Konzerns Wirecard. „Wir fordern den Rücktritt von Markus Braun. Das haben wir dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Wirecard, Thomas Eichelmann, im Laufe dieser Woche mitgeteilt“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, der WirtschaftsWoche. Markus Braun sei der Hauptverantwortliche für den Vertrauensverlust am Kapitalmarkt. „Dieser lässt sich nur reparieren, indem ein anderer den Chefposten übernimmt“, sagte Speich.

Der Hintergrund für die Forderung der Deka ist ein Sondergutachten von KPMG zu Wirecard, das vergangene Woche veröffentlicht worden ist. Darin sollte der Wirtschaftsprüfer klären, ob Wirecard seine Bilanz geschönt hat. KPMG konnte die Frage aber nicht eindeutig beantworten – während das Gutachten zahlreiche neue Fragen aufgeworfen hat, etwa warum bestimmte Dokumente nicht vorhanden sind.

Seit der Veröffentlichung hat die Wirecard-Aktie mehr als 30 Prozent an Wert verloren. „Der KPMG-Bericht hat uns schockiert. Wir hätten nicht gedacht, dass so etwas bei einem Dax-Unternehmen möglich ist“, sagte Speich. Die Deka ist einer der größeren Wirecard-Aktionäre, gehört aber nach Angaben von Wirecard derzeit nicht zu den zehn größten.

„Wir wurden mehrfach enttäuscht“

Der Deka sei bewusst, dass Wirecard mit dem Weggang von Markus Braun viel Wissen verlöre. „So sehr Herr Braun auch ein Visionär sein mag, aber er scheint nicht in der Lage zu sein, den Konzern auf die nächste Stufe zu heben. Wirecard hat unter seiner Ägide nicht die Qualität eines Dax-Konzerns erlangt“, sagte Speich. Die Deka habe viele Gespräche mit Markus Braun geführt und habe dem Unternehmen mehrfach die Hand gereicht. „Aber vielen Ankündigungen, Prozesse und Compliance zu verbessern, sind zu wenig Taten gefolgt. Wir wurden mehrfach enttäuscht“, sagte der Deka-Experte.

Zwar glaube die Deka weiterhin an das Geschäftsmodell des Konzerns, es sei hochattraktiv. „Wirecard muss jetzt aber erst seine Hausaufgaben machen, muss sich stabilisieren, danach können wir wieder über Visionen reden. Markus Braun gebührt Dank dafür, dass er das Unternehmen soweit gebracht hat“, sagte Speich.

Gleichzeitig appellierte Speich an den Aufsichtsrat, der jetzt handeln müsse. „Die Zeit drängt. Es muss sichergestellt werden, dass der Vertrauensverlust nicht noch vom Kapitalmarkt auf die Kunden überschlägt und damit das Geschäftsmodell bedroht“, sagte Speich.

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