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Firmenchefs warnen Johnson: No-Deal-Szenario wäre „enorm schädlich“ für die Wirtschaft

Die Verhandlungen zwischen London und Brüssel über ein Anschlussabkommen kommen nicht voran. Nun warnen britische Unternehmern vor drohenden Folgen für die Wirtschaft.

Mehr als hundert britische Firmenchefs, Unternehmer und Konzerne sollen Premierminister Boris Johnson in einem Schreiben vor einem „No-Deal-Szenario“ gewarnt haben. Das wäre für die Wirtschaft dass es „enorm schädlich“ wäre, wenn Großbritannien bis Ende des Jahres kein Abkommen mit der Europäischen Union (EU) abschließt, berichtet die „Financial Times“.

Nach dem EU-Austritt im Januar laufen die bisherigen Regeln mit der EU zum Jahresende aus. Nun zeigen sich die Unternehmen über die mangelnden Fortschritte bei den EU-Handelsgesprächen besorgt: Es bleiben nur noch sechs Monate, bis die Übergangsperiode ohne ein Abkommen endet. Ein solcher „No-Deal“ führe zu „mehr Arbeitslosen und einem niedrigeren Lebensstandard“. Zudem hätten Unternehmen angesichts der Coronakrise kaum Zeit, sich auf mögliche neue Handelsregeln einzustellen.

Zu den Unterzeichnern gehören Vertreter von Unternehmen wie die Buchungsplattform Ebookers oder das Immobilienunternehmen Zoopla. „Dies ist kein Aufruf, alte Spaltungen über das Verbleiben oder Verlassen wieder zu öffnen“, wird Jürgen Maier, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Siemens UK, in dem Bericht zitiert. Die Regierung müsse ihr Versprechen einhalten, „einen guten Deal zu bekommen“. Ein schlechtes Abkommen oder eine No-Deal-Lösung dürfe es nicht geben.

Keine Lösung in Sicht

Mit dem Schreiben wollen die Unternehmen nun Druck auf die britische Regierung ausüben, um ein unternehmensfreundliches EU-Handelsabkommen zu erreichen. Die Unterhändler der EU und Großbritanniens treffen sich diese Woche in Brüssel zu einer weiteren Gesprächsrunde. Bislang verliefen die Verhandlungen ergebnislos.

Zwar zeigte sich EU-Brexit-Unterhändler Michel Barnier jüngst offen für Kompromisse bei den Wettbewerbsregeln für Unternehmen. Doch Vorschläge aus London zum künftigen Zugang britischer Banken zum EU-Binnenmarkt wies Barnier zurück. Die Vorlagen seien inakzeptabel, sagte Barnier am Dienstag in der britischen Hauptstadt.

Großbritannien versuche, die Vorzüge des EU-Binnenmarkts für den Finanzplatz London zu erhalten, ohne den damit verbundenen Verpflichtungen nachzukommen. „Es gibt keinen Weg, dass die Mitgliedsstaaten oder das Europäische Parlament das akzeptieren.“

Mit Agenturmaterial