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Facebook übernimmt Fayteq

Facebook übernimmt das Erfurter Unternehmen Fayteq. Das bestätigt der Tech-Konzern auf Handelsblatt-Anfrage. Fayteq hat ein System entwickelt, mit dem es möglich ist, reale Gegenstände aus Live-Videos zu entfernen.


Der Internetriese Facebook hat die Erfurter Firma Fayteq übernommen. Das Start-up war 2011 als Ausgründung der Technischen Universität Ilmenau an den Start gegangen, wie es am Freitag hieß. Der Schwerpunkt der Firma liegt auf Videobearbeitung. Mit einem von Fayteq patentierten System sei es etwa möglich, reale Gegenstände aus Live-Videostreams zu entfernen. In Echtzeit seien so Veränderungen von Film- und Videomaterial möglich, etwa um darin Werbung zu platzieren.

Das Thüringer Unternehmen wurde bislang von André Münnich, Jan Herling und Wolfgang Broll geführt. Es war zuvor unter anderem vom Beteiligungsmanagement Thüringen finanziell unterstützt worden. Dass das Unternehmen verkauft wurde, war am Freitag auch auf dessen Homepage zu lesen – der Käufer wurde allerdings nicht genannt. Nun bestätigte Facebook die Akquisition gegenüber dem Handelsblatt, zuvor hatte der Branchendienst deutsche-startups.de über den Kauf berichtet..

Der Zukauf unterstützt die Strategie von Mark Zuckerbergs Milliardenkonzern: Verstärkt setzt das soziale Netzwerk auf Videoinhalte, die der Unternehmenschef selbst Anfang des Jahres als Megatrend bezeichnete. Man wolle dafür sorgen, dass Menschen das soziale Netzwerk als Ort für interessante und relevante Videos begreifen, sagte Zuckerberg. Mit denen will Facebook zum einen eine höhere Verweildauer erreichen, denn die entspricht mehr Daten. Zum anderen jedoch steigt damit auch die potenzielle Erreichbarkeit für Werbung – und die ist Facebooks Haupteinnahmequelle.

Zuckerberg weiß dabei auch um die niedrige Toleranz der Nutzer für Werbeinhalte: Überlastet das Netzwerk den Newsfeed mit Anzeigen, besteht die Gefahr, dass die Nutzer dem Netzwerk entnervt den Rücken kehren. Experten sahen diese Entwicklung als einen der Gründe für den Niedergang des Social-Media-Urgesteins Myspace, das zu sehr auf Werbeinhalte setzte und damit die Nutzerfreundlichkeit vernachlässigte. Es braucht also neue Formen der Werbevermarktung. Videoeinspieler, sogenannte Ad-Breaks, sind eine davon.

Es ist ein gewinnversprechender Markt: Laut Digital Market Outlook der Datenbank Statista beträgt der Umsatz im Segment Videowerbung 2017 etwa 23 Milliarden Dollar. Im Jahr 2021 prognostiziert Statista ein Marktvolumen von rund 41 Milliarden Dollar.

Um von diesem Budget zu profitieren, baut Facebook seine Videoinhalte kontinuierlich aus. Facebook arbeitet mit Agenturen und Filmproduzenten zusammen, die eigene Inhalte für die Plattform produzieren. Der Anreiz: Facebook beteiligt die Macher an den Werbeeinnahmen.

Einen geeigneten Ort zur Präsentation führte Facebook am Donnerstag in den USA mit der Sparte „Facebook Watch“ ein, in der Nutzer exklusive Inhalte präsentiert bekommen. Nach und nach soll die Funktion auch in anderen Ländern ausgerollt werden. Mit dem Zukauf von Fayteq könnten sich völlig neue Vermarktungschancen ergeben.