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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Mensch schlägt Maschine im Hedgefondsgeschäft, die Folgen von Covid überleben Covid, europäische Aktien wenig verändert, Deutsche zeigen sich ausgabefreudig, und Russland triumphiert bei Nord Stream 2. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Mensch schlägt Maschine im Hedgefondsgeschäft

Es zeigt sich, dass die Maschinen die Haudegen der Hedgefonds-Branche doch noch nicht überflüssig gemacht haben. Nachdem sie jahrelang von computergesteuerten quantitativen Strategien deklassiert wurden, kletterten die menschlichen Stockpicker 2020 wieder zurück an die Spitze. Die schwindelerregenden Turbulenzen des Pandemiejahres haben selbst die ausgeklügeltsten Quants gedemütigt - insbesondere die Giganten Renaissance Technologies und Two Sigma. Deren Modelle beruhen auf der Suche nach Mustern in historischen Daten - und mussten vor einer Pandemie kapitulieren, wie sie nur einmal im Jahrhundert auftritt. “Dieses Jahr sollte einige Quant-Strategien in Frage stellen”, sagte Andrew Beer, Gründer von Dynamic Beta. “Strategien zu entwickeln, die auf Zahlen aus fünf Jahrzehnten basieren, die heute keine Rolle mehr spielen, könnte sich als Irrweg erweisen.”

Die Folgen von Covid überleben Covid

Wirtschaftliche Schocks wie die Corona-Pandemie kommen nur alle paar Generationen vor und ziehen dauerhafte und tiefgreifende Veränderungen nach sich. Auch nach der wirtschaftlichen Erholung dank Massenimpfung werden die Hinterlassenschaften von Covid-19 das globale Wachstum in den kommenden Jahren prägen. Die Übernahme von Fabrik- und Dienstleistungsjobs durch Roboter wird voranschreiten, während Home-Office-Arbeit zunimmt und Lieferketten verkürzt werden. Es wird mehr Ungleichheit zwischen und innerhalb von Ländern geben. Die Regierungen werden mehr Einfluss auf das Leben der Bürger beanspruchen und mehr Geld ausgeben - und schulden. Die Zentralbanken schaffen den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nicht und sichern gemeinsam mit den Regierungen die Existenz von Zombie-Firmen.

Europäische Aktien wenig verändert

Am letzten vollen Handelstag in Europa haben die europäische Aktien leicht zugelegt. Der Stoxx Europe 600 Index lag zuletzt rund 0,2% im Plus, was einen Rückgang seit Jahresbeginn von mehr als 3% bedeutet. Die Sektoren Reisen und Freizeit sowie Technologie führten den Index an, während Nahrungsmittel, Getränke und Tabak sowie Autos zurückgingen. Der Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford erhielt die britische Zulassung. Premierminister Boris Johnson will das Brexit-Handelsabkommen heute im Eiltempo durch das Parlament bringen, sowohl die Hardliner in der konservativen Partei als auch die oppositionelle Labour-Partei dürften das Abkommen unterstützen.

Deutsche zeigen sich ausgabefreudig

Die vermeintlich sparsamen Deutschen scheinen weniger besorgt zu sein über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise als ihre Pendants in anderen großen Volkswirtschaften der Welt. Der Anteil in der Bevölkerung, der ein geschenktes Monatseinkommen für Konsum ausgeben würde, ist größer als beispielsweise in den USA, Frankreich oder Italien, wie aus einer weltweiten YouGov-Umfrage hervorgeht, die Bloomberg exklusiv vorliegt. Die Sparbereitschaft ist mit am geringsten, ebenso wie Sorgen über das verfügbare Einkommen. Auch wenn nach dem jüngst sprunghaften Anstieg der Infektionen in Deutschland erstmals mehr als tausend Menschen binnen 24 Stunden im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben sind, gibt es Grund zum Optimismus. Der 4-Tage-Reproduktionswert hat sich weiter von der kritischen Marke von 1 entfernt und lag zuletzt bei 0,54.

Russland triumphiert bei Nord Stream 2

Der Bau der 1.230 Kilometer langen Nord Stream 2-Gaspipeline hat mit der Fertigstellung der Verlegung in deutschen Hoheitsgewässern am Montag einen Meilenstein erreicht. Nun sollen die Arbeiten im dänischen Teil der Ostsee wiederaufgenommen werden, wo sich der Großteil der verbleibenden Abschnitte befindet. Der Fortschritt ist ein Sieg für den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Energiegiganten Gazprom, der die Arbeiten vorantreibt, bevor die USA ihre Sanktionen gegen das umstrittene Projekt verschärfen. Die Arbeiten an dem 9,5 Milliarden Euro teuren Projekt wurden vor einem Jahr durch US-Sanktionen gestoppt und erst Anfang des Monats wieder aufgenommen. “Ich gehe davon aus, dass Nord Stream die Pipeline nun zu Ende baut”, sagte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck gegenüber der Rheinischen Post.

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