Deutsche Märkte öffnen in 4 Stunden 45 Minuten

Fünf Themen des Tages: EZB-Monat Juli, Banker-Nemesis, Ölstopp

(Bloomberg) -- Russland zementiert Gewinne, Juli ist EZB-Monat, europäische Aktien fallen, Banker meist wieder im Büro, und die Nemesis der Banker sitzt in Köln. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Russland zementiert Gewinne

Nach fast 10 Wochen Krieg und nur geringen militärischen Fortschritten konzentriert sich Russland darauf, sowohl die militärische als auch die politische Kontrolle über das bisher eroberte Gebiet in der Ukraine zu festigen. In einigen Gebieten sind eilig organisierte Referenden in Planung, um den Weg für eine vollständige Annexion zu ebnen, wie zu hören ist. Die jüngsten Bemühungen stellen ein neues Hindernis für die bereits ins Stocken geratenen Friedensgespräche dar. Die EU-Kommission hat unterdessen ihr sechstes Sanktionspaket vorgestellt, das unter anderem den Import von Rohöl und Raffinerieprodukten aus Russland “in geordneter Weise” bis Jahresende stoppen soll. Indien will für seine seit Beginn der Invasion sprunghaft steigenden Käufe russischen Öls Kreisen zufolge einen Risikorabatt.

Juli ist EZB-Monat

Die von der tatsächlichen Inflationsentwicklung geläuterten EZB-Ratsmitglieder schießen sich auf den Juli als Endpunkt der Negativzinspolitik ein. “Jetzt reicht es nicht mehr zu reden, wir müssen handeln”, so Direktorin Isabel Schnabel gegenüber dem Handelsblatt. “Wir müssen verhindern, dass sich die hohe Inflation in den Erwartungen festsetzt.” Ende Juni könnten die Zukäufe im Rahmen des APP-Anleihekaufprogramms gestoppt werden und im Folgemonat die Zinsen steigen. Renditesprüngen bei Staatsanleihen, die die EZB als ungerechtfertigt ansieht, wird sie “entschieden gegensteuern”. Gleichlautende Kommentare zur Zinspolitik gab es vom estnischen EZB-Ratsmitglied Madis Müller. Während die EZB-Mitglieder noch reden, handelt heute wohl die Fed mit einer Zinsanhebung um einen halben Punkt.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Börsen fielen im Vorfeld der Fed-Entscheidung, der Stoxx 600 Europe Index lag gegen Mittag rund 0,6% im Minus. Einzelhandel und Immobilien belasteten den Index am stärksten, während der Reise- und Freizeitsektor sowie Energie eine Outperformance erzielten. “In Anbetracht der derzeit gedrückten technischen und Stimmungsniveaus dürfte es nicht viel guter Nachrichten bedürfen, damit sich die Aktien erholen, während in den Bonds viel Falkenhaftigkeit eingepreist ist”, schrieb Emmanuel Cau von Barclays Plc in einer Note. In Deutschland legte die Fresenius-Aktie um 3% zu, angesichts einer starken Ebit-Entwicklung im Bereich Kabi. Die Titel von Fresenius Medical indessen gaben mehr als 5% nach, wobei ein Analyst von Stifel beim Dialysespezialisten auf Kostenrisiken verwies.

Banker meist wieder im Büro

Viele Londoner Banker kehrten nach Ostern an ihre Schreibtische zurück und trieben die Umsätze von Pret A Manger in den Finanzbezirken City und Canary Wharf auf den höchsten Stand seit März. Der Pret-Index von Bloomberg zeigt, dass die Umsätze der Sandwich-Kette dort in der vergangenen Woche 88% des Niveaus vor der Pandemie erreichten. Die Bürobelegung könnte sich also fast wieder normalisiert haben. New York hinkt in der Gegend der Wall Street mit einem Umsatz von 60% des Vorkrisenniveaus hinterher. In den USA haben etwa 40% der Arbeitgeber irgendeine Art von Impfpflicht für ihre Mitarbeiter, wie aus einer Umfrage hervorgeht. Das ist ein Anstieg um das Achtfache im Vergleich zum August 2021. Aktien des Heimarbeitsprofiteurs Logitech fielen gestern nach einem reduzierten Ausblick.

Die Nemesis der Banker sitzt in Köln

Die gefürchtetste Frau im Finanzwesen ist keine Leerverkäuferin, bei keiner Regulierungsbehörde und kein Hedgefonds-Titan. Ihr Schreibtisch steht weder in der Londoner City noch in Washington oder an der Wall Street. Aber ihr Name hallt in den Fluren der Deutschen Bank, Bank of America, Morgan Stanley und zahlreichen anderen Unternehmen weltweit wider: Anne Brorhilker, die Kölner Staatsanwältin, die für den milliardenschweren Cum-Ex-Steuerbetrug Gerechtigkeit fordert. Im wohl größten Steuerbetrug der Geschichte hat die 48-Jährige in den letzten zwei Jahren vier Verurteilungen von Bankern erwirkt und damit die globale Finanzwelt in Aufruhr versetzt. In den nächsten Monaten könnte sie den ersten Topmanager anklagen, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten: Christian Olearius, einst Chef von M.M. Warburg & Co. und nach wie vor ein Großaktionär. Olearius hat jegliches Fehlverhalten bestritten.

More stories like this are available on bloomberg.com

©2022 Bloomberg L.P.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.