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Europapark-Chef Roland Mack: „Unsere Rücklagen schmelzen dramatisch“

·Lesedauer: 4 Min.

Aus der verlängerten Saison im November ist für die Freizeitparks nichts geworden. Die Hoffnungen ruhen nun auf der Weihnachtszeit – und 2021.

Hygienemaßnahmen wie hier im Europapark in Rust haben nicht gereicht, die Behörden umzustimmen: Viele Freizeitparks weltweit sind momentan wegen Corona geschlossen. Foto: dpa
Hygienemaßnahmen wie hier im Europapark in Rust haben nicht gereicht, die Behörden umzustimmen: Viele Freizeitparks weltweit sind momentan wegen Corona geschlossen. Foto: dpa

Die Geisterbahnen stehen still. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist es gerade eine gruselige Zeit für die Betreiber von Freizeitparks. Eigentlich wollten die Unternehmen ihre Attraktionen dieses Jahr bis weit in den Winter hinein öffnen, um die Umsatzausfälle aus dem Frühjahr auszugleichen. Daraus wird nun nichts: Überall in Europa mussten die Resorts wegen der Corona-Pandemie vorzeitig schließen.

„Das ist ein harter Schlag für die Parks“, sagt Jakob Wahl, Executive Director des Weltverbands der Freizeitparks IAAPA, dem Handelsblatt. „Die verlängerte Öffnung im Herbst war für so manchen Park eine Perspektive, vor allem für diejenigen mit eigenen Hotels.“

Vor Anfang Dezember aber dürfte nun kaum ein Park in Europa wieder Besucher empfangen – und selbst das ist höchst unsicher. Dabei wäre es enorm wichtig, wenigstens über die Feiertage Tickets zu verkaufen. „Das ist für einige Betreiber eine umsatzstarke Zeit“, betont Wahl.

Die neuen Lockdowns in ganz Europa zehren an der Substanz vieler bislang kerngesunder Betriebe. „Unsere Rücklagen schmelzen dramatisch“, klagt Roland Mack, Chef und Gesellschafter des Europaparks im badischen Rust. Der Unternehmer beziffert den Umsatzausfall des größten deutschen Freizeitparks auf 100 Millionen Euro. Mack: „Wirtschaftlich können wir das als mittelständisches Unternehmen nur durchstehen, weil wir über Jahrzehnte gut gewirtschaftet haben.“

Branche macht normalerweise Milliardenumsätze

Die Freizeitindustrie ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftszweig. Dem IAAPA zufolge verkaufen die Betreiber in Europa normalerweise jedes Jahr mehr als 270 Millionen Tickets. Der Verband erfasst dabei mehr als 300 Freizeitparks, über 500 Unterhaltungseinrichtungen für Familien sowie 235 Wasserparks. Sie erzielen einen Umsatz von fast zehn Milliarden Euro pro Jahr und beschäftigen knapp 90.000 Mitarbeiter.

In Deutschland kamen die 71 Betreiber laut IAAPA 2018 auf 46 Millionen Besucher. Sie verbuchten Einnahmen von knapp 1,2 Milliarden Euro und beschäftigten rund 15.000 Mitarbeiter.

Die meisten deutschen Freizeitparks sind Familienbetriebe, die sich nicht in die Zahlen schauen lassen. In den USA ist das anders, da sind viele Betreiber börsennotiert. Die jüngsten Ergebnisse der Konzerne offenbaren das ganze Elend der Branche.

So ist der Umsatz von Six Flags zwischen Juli und Ende September um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Die Parkauslastung habe nur bei 35 Prozent der im Vorjahr erreichten Besucherzahlen gelegen, teilte der US-Konzern mit. Neun der 26 Vergnügungsstätten seien im dritten Quartal komplett geschlossen gewesen.

Disney hat jüngst 28.000 Stellen in seiner Parksparte gestrichen – das ist rund ein Viertel der Belegschaft. Die Disneyland-Achterbahnen in der kalifornischen Heimat des Unterhaltungskonzerns parken seit dem Frühjahr in den Depots. Auch alle anderen Parks in dem Bundesstaat, etwa das Legoland, haben die Behörden seit März lahmgelegt.

Das führt zu tiefroten Zahlen bei den Betreibern: Comcast musste mit seinen Universal-Parks im dritten Quartal einen operativen Verlust von 200 Millionen Dollar hinnehmen – bei lediglich gut 300 Millionen Dollar Einnahmen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war das Geschäft noch hochprofitabel, und der Umsatz erreichte gut 1,6 Milliarden Dollar.

In Europa hat die Corona-Pandemie die Parks dieses Jahr ganz unterschiedlich getroffen. Am stärksten mussten die Betreiber im Süden Europas leiden, denn sie leben von ausländischen Gästen – und die blieben angesichts der Reisewarnungen meist aus.

Parks mit regionalem Einzugsgebiet taten sich dagegen leichter als jene, die von Touristen abhängen. Noch etwas half so manchem Unternehmen mit großem, regionalem Einzugsgebiet: „Es waren weniger Gäste in den Parks. Aber die, die gekommen sind, haben mehr ausgegeben“, sagt Wahl.

Schwedische Parks mussten besonders leiden

Die Besucherzahlen waren überall begrenzt, damit die Gäste Abstand halten konnten. Daher lohnte sich das Geschäft alles in allem nicht so recht. „Wir machen beim Betrieb auf derzeitigem Niveau bestenfalls eine schwarze Null“, hatte Europapark-Chef Mack im Sommer geklagt.

Am übelsten erging es den Parks in Schweden: In dem skandinavischen Land blieben die Tore das ganze Jahr über verrammelt. Ausgerechnet in jenem Land, in dem es die geringsten Beschränkungen für die Bevölkerung gab. Achterbahnfahren allerdings durften die Menschen dort während der Pandemie zu keiner Zeit.

Ob sich die Fahrgeschäfte nächstes Jahr bewegen werden? Das hängt von den Behörden ab – und von den Gästen. Verbandsvertreter Wahl sagt dazu: „Eine zentrale Frage ist, ob die Menschen nächstes Jahr wieder reisen dürfen und wollen.“

Momentan steht nur eines fest: Noch ein Jahr wie 2020 und viele Betreiber werden aufgeben müssen.

Der Gründer und Inhaber des Europaparks hofft auf ein baldiges Ende der Pandemie. Foto: dpa
Der Gründer und Inhaber des Europaparks hofft auf ein baldiges Ende der Pandemie. Foto: dpa