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Das essen die Deutschen am liebsten: Fünf Erkenntnisse des Ernährungsreports

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Das essen die Deutschen am liebsten: Fünf Erkenntnisse des Ernährungsreports

Die Deutschen mögen ihr Essen schnell, mit wenig Fett und dafür mit viel Obst. Das zeigt der heute erschienene Ernährungsreport der Bundesregierung.


Die Haupterkenntnis klingt banal: Die Deutschen wollen lecker essen – und gleichzeitig gesund. Das zeigt der Ernährungsreport 2019, eine jährliche repräsentative Umfrage im Auftrag der Bundesregierung über Vorlieben, Ess- und Einkaufsgewohnheiten in Deutschland.

1. Erkenntnis: Fertigprodukte sind begehrt, sollen aber gesünder werden

Für Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ist diese Erkenntnis alles andere als banal. Im Gegenteil: Sie fühlt sich in ihrem Kurs bestätigt, Anreize zu schaffen, damit Hersteller von Fertiggerichten gesündere Produkte entwickeln.

71 Prozent der Deutschen sei es wichtig, dass Fertigprodukte weniger Zucker enthielten, sagte die Ministerin bei der Vorstellung des Reports. 68 Prozent wollten weniger ungesunde Fette und 38 Prozent weniger Salz. Über allem stehe jedoch der Geschmack. Der Staat solle deswegen keine Produktrezepte vorschreiben, die im Alltag zu Ladenhütern würden.

Fertigprodukte liegen im Trend, enthalten jedoch relativ viel Zucker, Fette und Salz. Das will die Bundesregierung mittelfristig ändern. Vor Weihnachten wurde darum das Vorhaben „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertignahrungsmitteln“ beschlossen, dem eine Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie zugrunde liegt. So hat sich die Wirtschaft beispielsweise dazu verpflichtet, bis 2025 insbesondere Kinderlebensmittel weniger zu süßen.

Dabei, das zeigt der Ernährungsreport, reicht es den Verbrauchern nicht, dass Zucker durch künstliche Süßstoffe ersetzt wird. Nur sieben Prozent der Befragten hält das für sinnvoll. Vielmehr geht es darum, grundsätzlich auf Süßungsmittel zu verzichten.

2. Erkenntnis: Lieber selbst kochen als liefern lassen

Trotz des Trends zu Fertiggerichten, wird in privaten Haushalten nach wie vor häufig gekocht. Das allerdings nicht täglich. 40 Prozent der Befragten stehen jeden Tag am Herd, außerdem kochen 37 Prozent zwei- bis dreimal pro Woche selbst. Insgesamt handelt es sich zu 51 Prozent um Frauen, 16 Prozent sind Männer.


Folglich gehen Männer häufiger auswärts essen. 24 Prozent der Männer, gegenüber 14 Prozent der Frauen, essen mindestens einmal pro Woche im Restaurant. In der Kantine essen 25 Prozent der Männer mindestens einmal pro Woche, nur 13 Prozent der Frauen.

Lieferdienste für fertige Gerichte sind in Deutschland weniger gefragt. Nur sechs Prozent der Befragten nehmen mindestens einmal pro Woche einen Lieferdienst in Anspruch. Bei den 14- bis 29-Jährigen lässt sich jeder Zehnte mindestens einmal pro Woche etwas liefern.

Auch Lieferdienste für Lebensmittel werden bislang unterdurchschnittlich genutzt, gewinnen aber an Bedeutung. Etwa zehn Prozent hat in den vergangenen zwölf Monaten einen solchen Lieferservice in Anspruch genommen, vor allem jüngere Menschen in Großstädten.

60 Prozent aller Befragten geht indes mehrmals pro Woche selbst einkaufen, neun Prozent sogar täglich. Dabei herrscht weitgehende Gleichberechtigung: Zwischen Frauen und Männern lassen sich nahezu keine Unterschiede im Einkaufsverhalten feststellen.

3. Erkenntnis: Der Vegetarismus ist nach wie vor Randerscheinung

Unter den Lebensmitteln sind weiterhin Obst und Gemüse die Favoriten, trotz eines leichten Rückgangs seit 2015. 71 Prozent der Befragten essen täglich Obst und Gemüse, 64 Prozent nehmen täglich Milchprodukte zu sich. Gerade einmal 28 Prozent der Befragten essen täglich Fleisch. Fleischgerichte wie Braten, Schnitzel oder Gulasch werden von 33 Prozent der Befragten als Lieblingsgericht genannt.

Komplett auf Fleisch verzichten aber auch nicht allzu viele. Dabei gilt: Je jünger, desto größer ist der Anteil an Vegetariern. Unter den 14- bis 29-Jährigen ernähren sich mit elf Prozent überdurchschnittlich viele Menschen vegetarisch, unter allen Befragten sind es sechs Prozent.


4. Erkenntnis: Den Deutschen liegt das Tierwohl am Herzen

Interessant ist die Antwort auf die Frage nach einem staatlichen Tierwohlkennzeichen, das die Bundesregierung derzeit vorbereitet. 81 Prozent der Befragten wünschen sich ein solches Kennzeichen, aus dem glaubhaft hervorgehen soll, ob das Fleisch aus besonders tiergerechter Haltung stammt.

Die größte Beachtung bekommt das Bio-Siegel, das Produkte kennzeichnet, die nach den EU-Normen für den ökologischen Landbau hergestellt werden. Jeder zweite Befragte gibt an, beim Einkauf „immer“ oder „meistens“ auf das Bio-Siegel zu achten. Laut Ernährungsreport achtet knapp die Hälfte der Befragten grundsätzlich auf entsprechende Siegel.

5. Erkenntnis: Insekten könnten immer häufiger auf den Teller kommen

Und was essen die Menschen in Zukunft? 2050 werden nach Berechnungen der Vereinten Nationen voraussichtlich 9,8 Milliarden Menschen die Erde bewohnen – 2,2 Milliarden mehr als heute. Ein knappes Drittel ist sich deshalb sicher, dass alternative Fleischarten, beispielsweise aus Insekten, einen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten werden.

Dabei sind vor allem die Männer bereit, neue Wege zu gehen: 40 Prozent der Befragten können sich vorstellen, aus Insekten hergestellte Lebensmittel zu kaufen, bei den Frauen sind es 22 Prozent.