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Digitalbank N26: Die Hälfte der Kunden nutzt ihr Konto kaum oder gar nicht

Atzler, Elisabeth
·Lesedauer: 3 Min.

Das Fintech gibt viel Geld für Marketing und Akquise aus, was 2019 in einem hohem Verlust resultierte. Doch „ertragsrelevant“ waren nur 2,3 von fünf Millionen Kunden.

Das Berliner Finanz-Start-up N26 schraubt die Zahl seiner Kunden auch dank hoher Marketingaufwendungen immer weiter nach oben. Aktuell liegt sie bei sieben Millionen, wie N26-Co-Chef Valentin Stalf dem Handelsblatt sagte. Vor einem Jahr waren es fünf Millionen, vor zwei Jahren etwa zwei Millionen.

Doch nur mit knapp der Hälfe der Kunden verdient das Fintech auch etwas. Im Lagebericht des N26-Konzerns für 2019, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, heißt es: „Die Zahl der ertragsrelevanten Kunden stieg zum Jahresende auf circa 2,3 Millionen.“ Die Bank selbst ist Teil des Konzerns. Wie viele kleine Firmen publiziert N26 die Zahlen erst mit großer Verzögerung.

Damit gesteht N26 ein, dass zwar weiterhin viele Kunden ein Konto eröffnet haben, die Mehrheit die Dienstleistungen aber nur sporadisch oder gar nicht nutzt. Dieser Expansionskurs treibt zwar optisch die Kundenzahl nach oben, verschlingt jedoch viel Geld. Binnen drei Jahren hat die Firma einen Verlust von mehr als 400 Millionen Euro angehäuft.

Allein im Jahr 2019 schlug unterm Strich ein Minus von 217 Millionen Euro zu Buche, 165 Millionen Euro davon fielen in den europäischen Kernmärkten an. Daneben investierte N26 unter anderem in den Aufbau des US-Geschäfts. 2018 hatte der Verlust noch 73 Millionen Euro betragen.

Für 2020 sprach Stalf von einem Verlust von 110 Millionen Euro in den europäischen Kernmärkten. „Nimmt man das US-Geschäft hinzu, liegt der Verlust leicht höher“, erklärte ein N26-Sprecher. Die hohen Verluste kann man bislang verkraften. Insgesamt hat die Digitalbank 800 Millionen Dollar von Investoren erhalten. Zu den frühen Geldgebern gehört der Valar-Fonds von Paypal-Gründer Peter Thiel.

Überraschend hohe Abschreibungen

N26 gilt als großer Herausforderer etablierter Banken, denen es teils schwerfällt, junge Kunden zu gewinnen und zu halten. Mit einer Bewertung von 3,6 Milliarden Dollar ist N26 eines der teuersten deutschen Start-ups. Das Fintech, das mittlerweile 1500 Mitarbeiter zählt, ist im Jahr 2013 gestartet und in 25 Ländern aktiv. Gegründet wurde N26 von Stalf und Maximilian Tayenthal.

Stalf zufolge könnte bis Ende dieses Jahres „ein Gewinn in Griffweite sein“. Klar ist, dass das Fintech dafür seine Kosten stark drücken muss. 2019 betrugen die Verwaltungsaufwendungen insgesamt 245 Millionen Euro, ein Zuwachs von 170 Prozent gegenüber 2018. Der Großteil des Aufwands ging auf „Marketing, Kosten für Kundenbetreuung und Kosten für die Kartenproduktion“ zurück.

Daneben stiegen auch die Personalkosten deutlich, weil N26 die Mitarbeiterzahl im Jahr 2019 verdreifachte. Sie dürfte künftig noch höher ausfallen. So will Stalf dieses Jahr 200 Mitarbeiter im Tech- und Produktbereich einstellen. „Wir zahlen im Schnitt wahrscheinlich die höchsten Gehälter in Berlin“, sagte er. Profitabel werden will N26 in erster Linie durch Erträge aus Kontogebühren sowie aus dem Zahlungsverkehr, wobei rund 70 Prozent der Kunden nach wie vor ein Gratiskonto haben.

Im Jahr 2019 stieg der Provisionsüberschuss um 150 Prozent auf knapp 48 Millionen Euro und damit mehr, als N26 erwartet hatte. Für das Unternehmen sind dabei die „Erbringung von Zahlungsverkehrsdienstleistungen und das Kartengeschäft“ entscheidend. Die Kunden nutzen also vielfach ihre Karte zum Bezahlen, die Bank kassiert dafür von den Händlern eine Gebühr.

Problematisch war für die Smartphone-Bank 2019, dass die Abschreibungen „deutlich über den Erwartungen“ lagen. Abschreibungen und Wertberichtigungen im Kundengeschäft betrugen gut 23 Millionen Euro, fast viermal so viel wie ein Jahr zuvor. Das ist viel angesichts der Tatsache, dass N26 nur in geringem Maß Kredite an Verbraucher ausgereicht hat und es vielfach um Überziehungskredite geht.