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Die deutschen Banken sprechen über eine Verschmelzung von Paydirekt und Giropay

Die Geldhäuser verhandeln über ein Zusammengehen der beiden Onlinebezahldienste, um Marktführer Paypal Paroli zu bieten. Es wäre ein erster konkreter Schritt von #DK.

Die deutschen Banken und Sparkassen verfolgen in der Coronakrise ihr Vorhaben zur Bündelung aller Zahlungsangebote für Privatkunden weiter. Nach Handelsblatt-Informationen sprechen sie dabei derzeit auch über eine Fusion ihrer beiden Onlinebezahlverfahren, Paydirekt und Giropay. Daneben geht es bei dem Projekt „#DK“ um eine Anbindung von Handy-zu-Handy-Zahlungen (Kwitt) und der Girocard, besser bekannt unter ihrem alten Namen „EC-Karte“.

Ein Zusammengehen von Paydirekt und Giropay wäre ein erster konkreter Schritt von #DK, was für „digitale Kreditwirtschaft“ steht. Dass die Branche eine Neuaufstellung der Zahlungsangebote auslotet, wurde vor fast einem Jahr bekannt.

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), die gemeinsame Interessenvertretung der deutschen Bankenverbände, wollte sich zu Gesprächen über eine Fusion der beiden Onlinebezahldienste nicht äußern. Sie erklärte, die Arbeiten an dem Projekt #DK seien während der Coronakrise weiter vorangeschritten. „Dabei sollen die derzeit bestehenden Bezahlverfahren Paydirekt, Giropay und Kwitt unter einer Marke zusammengeführt werden.“

Ein Beteiligter sagte, die Coronakrise habe anders als befürchtet nicht zu einer Verlangsamung bei #DK geführt. Über den Weg zu einer Verschmelzung von Paydirekt und Giropay wird aber noch verhandelt. Das sei eines der Themen, die man lösen müsse, so der Insider.

Der Zahlungsverkehr, bisher vor allem Kartenzahlungen, ist eine wichtige und stabile Einnahmequelle deutscher Banken. Doch neue Wettbewerber machen ihnen einen Teil der Gebühren streitig. Das gilt besonders für das Onlineshopping, das weltweit boomt – und durch die Coronakrise noch einen Schub bekommen könnte.

Kräftiges Wachstum durch Onlinehandel

Die deutschen Onlinehändler verzeichneten im April einen Umsatz von 6,8 Milliarden Euro, 18 Prozent mehr als im gleichen Vorjahresmonat. Der US-Bezahldienst Paypal teilte gerade mit, er habe am 1. Mai weltweit die höchste Zahl an Transaktionen in seiner Geschichte registriert.

Die deutschen Geldhäuser spielen beim Onlinebezahlen mit ihren eigenen beiden Bezahlverfahren jedoch nur eine kleine Rolle. Die Verbraucher zahlen einen erheblichen Teil ihrer Onlineeinkäufe per Rechnung. Auch Lastschrift, die ans Girokonto geknüpft ist, Paypal und die Kreditkarte werden relativ viel genutzt.

Paydirekt und Giropay indes führen ein Nischendasein und können mit dem großen Konkurrenten Paypal, der in Deutschland inzwischen 25,6 Millionen Nutzer zählt, nicht mithalten. Paydirekt, 2015 gestartet, kommt zwar auf 3,2 Millionen Registrierungen deutscher Bankkunden, gilt aber aus Sicht der Kreditinstitute als Enttäuschung.

Die Zahl der Transaktionen ist gering. Auch Giropay, lange vor Paydirekt an den Markt gekommen, wird vergleichsweise wenig genutzt.

Zu Beginn dieses Jahres hatte die Deutsche Kreditwirtschaft bereits überlegt, ob sich die beiden Bezahlverfahren wechselseitig nutzen lassen. Während Kunden sich bei Paydirekt registrieren müssen und dies ähnlich wie der US-Bezahldienst Paypal funktioniert, legitimiert man sich bei Giropay über die Kontodaten.

Der Arbeitstitel für eine übergreifende Marke aller Zahlungsangebote oder sogar eine komplette Zusammenführung lautet „X-Pay“. Seit Herbst bereits ist geplant, dafür auch eine neue Gesellschaft aufzusetzen.

Die beiden Onlinebezahldienste sind bei den Sparkassen sowie bei den genossenschaftlichen und privaten Banken verankert. Ihre Eigentümerstrukturen sind ähnlich, aber nicht komplett deckungsgleich. An Paydirekt sind die Sparkassen über ihren Zahlungsdienstleister DSV sowie über die Landesbanken Helaba und LBBW beteiligt, das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank sowie die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Giropay gehört dem Sparkassen-IT-Dienstleister Finanz Informatik, dem genossenschaftlichen Pendant Fiducia GAD und der Postbank, die Teil der Deutschen Bank ist. Die Commerzbank hält keine Anteile an Giropay.

Verbraucher und Händler im Fokus

Die Deutsche Kreditwirtschaft erklärte weiter, sie wolle das Angebot von Bezahlverfahren für Kunden und Händler weiter verbessern. „Ziel ist es, Verbrauchern und Händlern sowohl im stationären Handel als auch im E-Commerce noch mehr Vorteile und Wiedererkennbarkeit zu bieten. Gleichzeitig sollen sich gewohnte Funktionen nicht ändern und eine Umstellung für die Händler mit möglichst geringem technischen Aufwand verbunden sein.“

Am populärsten unter den Zahlungsangeboten der deutschen Geldhäuser ist die Girocard. Mehr als 100 Millionen Karten sind im Umlauf.

Die Transaktionszahlen dürften im Zuge der Coronakrise noch weiter steigen, weil viele Verbraucher Bargeld meiden – in der Annahme es sei unhygienisch. Das Handy-zu-Handy-Zahlsystem Kwitt steht bisher Kunden von Sparkassen sowie von Volks- und Raiffeisenbanken offen.