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Dieser Deal bringt Bayer Milliarden

Am Freitag fließen Bayer vier Milliarden Euro frisches Eigenkapital zu. Die neuen Aktionäre zahlen zwangsweise einen satten Aufschlag – für den Konzern ein gutes Geschäft.

Vor drei Jahren hatten Bayer-Aktionäre noch Hoffnung. Sie setzten auf gute Geschäfte von Bayer durch die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto. Die Aktie kostete damals 90 Euro und stieg bis zum Sommer um mehr als ein Drittel.

Doch inzwischen sieht die Welt ganz anders aus. Die Bayer-Aktie kostet nur noch 70 Euro. Hauptgrund dafür ist die Mitgift von Monsanto. 42.700 Klagen sind wegen der angeblichen Krebsgefahr durch den von Monsanto produzierten Unkrautvernichter Glyphosat vor US-Gerichten gegen Bayer anhängig.

Trotzdem wird Bayer an diesem Freitag neue Aktionäre bekommen, die für jede Aktie 80,15 Euro zahlen. Möglich macht das ein Deal, den die Leverkusener vor drei Jahren eingefädelt haben. Bayer begab damals eine sogenannte Zwangswandelanleihe über vier Milliarden Euro. Bis heute ist es der größte Zwangswandler, den jemals ein europäischer Industriekonzern platziert hat. Verzinst wird das Papier mit 5,625 Prozent pro Jahr. Das lockte viele Investoren an.

Bei Zwangs- oder Pflichtwandelanleihen – in der Fachsprache Mandatory Convertibles genannt – zahlen Unternehmen am Ende der Laufzeit den Investoren ihr Geld nicht in bar zurück, sondern in Aktien. Damit erhöht sich das Eigenkapital der Unternehmen um den Nominalwert der Zwangswandelanleihe – bei Bayer also um vier Milliarden Euro.

Wie viel Geld Besitzer von Pflichtwandelanleihen am Ende für die Aktien zahlen müssen, wird bei der Platzierung grob festgelegt. Dabei gibt es Unter- und Obergrenzen für die Tauschkurse, je nachdem wie sich die zugrunde liegende Aktie entwickelt.

Aufschlag von über 14 Prozent

Bei Bayer greift nach dem Kursverfall der Aktie die Untergrenze. Ursprünglich lag sie sogar bei 90 Euro, wurde jedoch nach drei Dividendenzahlungen und einer Kapitalerhöhung über eine Bezugsrechtsemission gesenkt. Deshalb gilt: Bei einem Aktienkurs unter 80,15 Euro bekommen die Investoren ihre Anleiheanteile in Aktien zum Kurs von 80,15 Euro zurückbezahlt. Für die Aktien, die derzeit gut 70 Euro wert sind, zahlen die Investoren der Pflichtwandelanleihe also einen Aufschlag von mehr als 14 Prozent.

Günstiger als über den Kauf an der Börse hätten die Besitzer der speziellen Anleihen die Aktie bekommen, wenn sie über 96,18 Euro notierte. Das ist die aktuelle Obergrenze für den Tausch – doch die ist weit entfernt.

Die Kursverluste der Aktie schlagen auch auf den Kurs der Pflichtwandelanleihe voll durch. Sie notiert nur noch bei gut 88 Prozent des Nominalwertes von 100 Prozent.

Zwangswandelanleihen sind riskanter als herkömmliche Wandelanleihen, bei denen die Investoren während der Laufzeit die Anleihen in Aktien wandeln können, aber ansonsten am Ende der Laufzeit ihr Geld in bar zurückbekommen.

Dafür zahlen die Zwangswandler hohe Zinsen. Bei Bayer liegt der Zinsschein bei 5,625 Prozent. Zum Vergleich: Eine herkömmliche drei Jahre laufende Wandelanleihe, die Bayer im Juni 2017 begeben hat, verzinst sich mit gerade mal 0,05 Prozent. Ihr Kurs liegt nur knapp unter dem Nennwert von 100 Prozent.

Die Bayer-Aktie hat sich aber zumindest von ihrem Siebenjahrestief von unter 53 Euro vom Juni dieses Jahres erholt. Die Glyphosat-Risiken überschatten den Konzern zwar nach wie vor, aber das Pharmageschäft hält Kurs.

Bayer-Chef Werner Baumann ist zuversichtlich, dass der Konzern die selbst gesteckten Ziele für dieses Jahr erreichen wird. Der Umsatz soll auf 43,5 Milliarden Euro steigen, beim bereinigten Gewinn peilt Baumann 11,5 Milliarden Euro an. Beim Thema Glyphosat rechnen viele Analysten mit außergerichtlichen Einigungen. Die Schätzungen dafür variieren zwischen fünf Milliarden und 20 Milliarden Dollar.

Die Wandlung wird die Aktie wohl nicht belasten

Wichtig für Aktionäre ist auch zu wissen, ob die indirekte Kapitalerhöhung die Aktie belasten wird. Experten geben Entwarnung: „Die meisten Broker am Markt sagen, dass fast nur noch Hedgefonds in der Pflichtwandelanleihe investiert sind“, sagt Stefan Schauer, Fondsmanager für Wandelanleihen bei Lupus Alpha.

Die meisten dieser Hedgefonds hätten keinen Grund, die Aktien nach der Zwangswandlung der Anleihe sofort zu verkaufen, weil sie das Aktienrisiko vorher abgesichert hätten. „Deswegen gehe ich davon aus, dass die Wandlung keinen großen Einfluss auf die Aktie haben wird“, erklärt Schauer.

Auch Volker Braun, Aktienanalyst beim Bankhaus Lampe, erwartet durch die Zwangswandlung keinen Druck auf die Bayer-Aktie. Der Nettogewinn je Aktie wird zwar verwässert, aber nicht in nennenswertem Umfang. Gewandelt wird die Anleihe in 49,9 Millionen Aktien. Braun sieht das gelassen: „Gemessen an der ausstehenden Zahl von 982 Millionen Aktien ist das nicht viel.“

Zwangswandelanleihen sind in Europa relativ selten. Aufsehen erregte außer Bayer auch Volkswagen mit einem solchen Zinspapier. Auch damit hatten Investoren nicht viel Glück.

Volkswagen hatte im November 2012 eine drei Jahre laufende Zwangswandelanleihe über 2,5 Milliarden Euro platziert und sieben Monate später auf 3,7 Milliarden Euro aufgestockt. Kurz vor Laufzeitende kochte jedoch der Dieselskandal hoch und schickte die VW-Aktie auf Talfahrt. Die VW-Pflichtwandelanleihe wurde damals zum Kurs von 144,50 Euro umgetauscht. Das lag sogar zu mehr als 50 Prozent über dem damaligen Kurs.

Schauer warnt daher: „Für Investoren abseits von Hedgefonds sind Pflichtwandelanleihen riskanter als herkömmliche Wandelanleihen, weil die garantierte Rückzahlung der Anleihe fehlt.“