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Continental peilt Gewinn an – doch das Kerngeschäft bleibt ein Problem

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Trotz Coronakrise rechnet Conti mit schwarzen Zahlen, doch der Gewinn fällt mager aus. Die größten Probleme des Zulieferers sind derweil hausgemacht.

Der Autozulieferer traut sich wieder einen Ausblick zu. Foto: dpa
Der Autozulieferer traut sich wieder einen Ausblick zu. Foto: dpa

Es ist eine Prognose, die auch Diagnose ist: Continentals Ausblick auf das zu Ende gehende Geschäftsjahr zeigt, wie schwer die Coronakrise den Autozulieferer aus Hannover getroffen hat. Im Vergleich zu 2019 wird der Umsatz 2020 mit 37,5 Milliarden Euro über sechs Milliarden Euro niedriger ausfallen – vorausgesetzt, die in Teilen der Welt wieder stärker werdende Pandemie hat keine weiteren Auswirkungen auf Produktion und Lieferketten. Die Gewinnausbeute fällt mager aus. Die bereinigte Ebit-Marge wird von über sieben Prozent im vergangenen Jahr auf voraussichtlich drei Prozent fallen.

Ausschlaggebend ist der Corona-bedingte Rückgang der weltweiten Pkw-Produktion – aber eben nicht nur. Ein Blick auf das nach wie vor lahmende Kerngeschäft offenbart, dass Continentals interne Strukturprobleme den Konzern stärker ausbremsen als die Konkurrenz.

So rutscht der Automotive-Sektor, der das Geschäft mit Fahrzeugkomponenten, Sensorik und Software umfasst, bei einem Umsatz von 22 Milliarden Euro in die Verlustzone. Das bereinigte Ebit wird bei minus 1,5 Prozent liegen.

Wolfgang Schäfer, Finanzchef von Continental, nennt drei Gründe für die schwache Gewinnausbeute: „Erstens liegt der Umsatz coronabedingt deutlich unter dem Vorjahr. Zweitens sind die Kosten nach wie vor zu hoch, weshalb wir die Kostenstruktur weiterhin optimieren. Und drittens sind in Folge der technologischen Disruption in diesem Bereich sehr hohe Investitionen in neue Technologien erforderlich.“

So werden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Sparte höher ausfallen als erwartet. Schäfer zufolge fließe ein Großteil der Ausgaben in den Software-Bereich. Auf der anderen Seite plant der Vorstand offenbar den Verkauf seines Turbolader-Geschäfts. Zum aktuellen Stand der Verhandlungen wollte sich Schäfer nicht äußern.

Erfreulich für Conti hingegen ist die Entwicklung beim Free Cashflow. Das sind die Mittel, die ein Unternehmen aus dem operativen Geschäft generiert, abzüglich der notwendigen Sachinvestitionen. Hier stieg der Wert auf 1,8 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor lag er im dritten Quartal noch bei 343 Millionen Euro. Ausschlaggebend dafür waren Einsparungen bei den Investitionen von fast einer Milliarde Euro. „Wir haben sowohl bei Gebäuden, neuen Standorten als auch einzelnen Produktionslinien gespart. Außerdem haben wir Erneuerungsinvestitionen verschoben“, sagt CFO Schäfer.

Reifen- und Industriegeschäft retten Konzernbilanz

Der scheidende Conti-Chef Elmar Degenhart gibt sich optimistisch. „Wir haben uns im dritten Quartal operativ beachtlich gut geschlagen“, sagte er laut Konzernmitteilung. „Für das Gesamtjahr sind wir zuversichtlich, einen positiven Free Cashflow vor Akquisitionen und Carve-out-Effekten zu erzielen.“ Der aber wird voraussichtlich unter dem Wert aus dem Vorjahr liegen.

Der 61-jährige Konzernchef hatte nach mehr als elf Jahren an der Spitze des Zulieferers Ende Oktober völlig überraschend seinen Rücktritt eingereicht. Gesundheitliche Gründe zwingen Degenhart dazu. Am 30. November wird er offiziell seinen Posten räumen. Bereits am Donnerstag wird der Aufsichtsrat über seine Nachfolge abstimmen. Beste Chancen werden Nikolai Setzer, Sprecher des für die Restrukturierung des Kerngeschäfts zuständigen Automotive Boards, zugerechnet.

Die Mitteilung zu den Quartalszahlen offenbart, welches Problem Setzer lösen muss. Dort heißt es, dass Conti allein für seinen zentralen Hochleistungsrechner – der unter anderem im neuen Elektro-VW ID. 3 verbaut ist – Aufträge im Gesamtwert von über vier Milliarden Euro einsammeln konnte. Doch diese spiegeln sich nicht im operativen Geschäft wider. Seit mehreren Quartalen wirft die Automotive-Sparte nur sehr geringe Gewinne ab. Auf Neunmonatssicht steht sogar ein Verlust in Höhe von fast 290 Millionen Euro in den Büchern.

Das bereinigte operative Ergebnis des Gesamtkonzerns rutschte im selben Zeitraum um über 73 Prozent auf 629 Millionen Euro ab. Dass der Gesamtkonzern kein negatives Ergebnis vorweist, ist vor allem dem starken Reifen- und Industriegeschäft, der „Rubber“-Sparte, zu verdanken. Im schwierigen Corona-Umfeld kam der Sektor immerhin auf eine bereinigte Ebit-Marge von 9,5 Prozent.

Auch die Antriebssparte schlug sich etwas besser. „Das Geschäft mit der Elektromobilität hat in den vergangenen Monaten das stärkste Wachstum innerhalb des Konzerns erfahren“, sagt Finanzchef Schäfer. Daran hatte die Kaufprämie auf elektrifizierte Fahrzeuge in Deutschland und viele anderen Ländern einen nennenswerten Anteil gehabt.

Allerdings musste Conti im dritten Quartal, wie bereits im Vorjahr, eine Wertminderung auf seinen Goodwill in Höhe von 649 Millionen Euro vornehmen. Für Restrukturierungen wiederum fielen Kosten in Höhe von 687 Millionen Euro an. Die Folge: Die berichtete Ebit-Marge lag im dritten Quartal bei minus 6,5 Prozent.

Ein Blick auf die Mitarbeiterzahl zeigt auch, was der Aufwand für die Restrukturierungen für das Personal bedeutet: Zum Ende des dritten Quartals beschäftigte Conti etwas mehr als 233.000 Mitarbeiter – mehr als 7700 weniger als ein Jahr zuvor.

Contis Sparprogramm, das der Vorstand Ende September verschärft hatte, stellt weltweit 30.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Wie viele Arbeitsplätze davon konkret wegfallen werden, teilt Conti nicht mit. Allerdings dürfte es ein Großteil sein. Denn Schäfer zufolge seien von den 30.000 Stellen bereits 3500 transformiert. Rund 80 Prozent der Mitarbeiter, die diese 3500 Stellen besetzt hatten, haben das Unternehmen verlassen.