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Brisanter Immobilien-Deal mit negativem Kaufpreis: Wie die Deutsche Bahn die ehemalige Stasi-Zentrale an einen 20-Jährigen verramscht hat

·Lesedauer: 4 Min.
Deutsche Bahn Unternehmenssitz in der ehemaligen Stasizentrale Normannenstraße in Berlin Lichtenberg, Deutschland, Europa
Deutsche Bahn Unternehmenssitz in der ehemaligen Stasizentrale Normannenstraße in Berlin Lichtenberg, Deutschland, Europa

Die ehemalige Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg, Haus 15. Von hier aus lenkte Markus Wolf die berüchtigte DDR-Auslandsspionage, seine Romeo-Agenten mit der Lizenz, westliche Sekretärinnen zu verführen. Lange Flure mit billigem Teppich führen durch den dreizehnstockigen Waschbetonriegel. Im Neunten hatte Wolf sein Ein-Mann-Großraumbüro mit Dusche und Küche. Im Keller schwitzten die Spione in der Dienstsauna. Noch heute wabert der Duft der DDR durch das Gebäude – das Desinfektionsmittel Wofasept.

Nach der Wende nutzte die Reichsbahn die Immobilie an der Frankfurter Allee, ab 1993 drehte sich dann das Logo der Deutschen Bahn (DB) auf dem Dach von Haus 15. Nach Informationen von Business Insider gehört der ehemalige Geheimdienstblock mittlerweile einem 20-jährigen Berliner. Wie aus Geschäftsakten hervorgeht, hat der junge Mann vor einigen Monaten die Firma übernommen, die vor zehn Jahren mehr als die Hälfte der Stasi-Zentrale erworben hatte. Im März 2011 hatte die DB insgesamt zehn Teilgebäude mit einer Gesamtfläche von fast 80.000 Quadratmetern überraschend an die Aris Immobilien GmbH verkauft. Ein bemerkenswerter Deal.

Aus dem notariellen Kaufvertrag, der Business Insider exklusiv vorliegt, geht hervor, dass die Bahn dem Kaufinteressenten außerordentlich entgegen gekommen ist, die Stasi-Büros für einen negativen Kaufpreis abgegeben hat. Die Parteien einigten sich auf einen Verkaufspreis von 1 Euro, allerdings verpflichtete sich der Staatskonzern zu einer Ausgleichszahlung von 550.000 Euro an den Käufer. Im Klartext: Die Bahn zahlte mehr als eine halbe Million Euro, um den Stasi-Bau loszuwerden. Heute schätzen Experten den Wert des Immobilienpakets auf einen hohen zweistelligen Millionen-Betrag.

Den stets klammen Staatskonzern, der regelmäßig Zuschüsse aus Steuermitteln benötigt, bringt das damalige Geschäft in Erklärungsnot. Auf Anfrage sagt eine Bahnsprecherin: "Es ist nicht Teil der Verwertungsstrategie der DB AG, Immobilien zu Spekulationszwecken im Portfolio zu halten. In diesem Fall sprach nichts für einen Verbleib des Objektes bei der DB AG, auch aufgrund der damaligen Marktsituation." Ein Wertgutachten habe damals ergeben, dass Millionen-Investitionen nötig gewesen wären, um die Immobilie wieder zukunftsfähig zu machen, so die Sprecherin. Verkäufe mit einem negativen Kaufpreis würden aber "die Ausnahme" darstellen.

Dennoch halten fachkundige Kritiker den damaligen Deal für zu schön, um legal zu sein. "Es wäre nicht das erste Mal, dass bei der Bahn etwas schief läuft", sagt ein Berliner Immobilienexperte, der aber anonym bleiben möchte. Tatsächlich stellte die Bahn in der Vergangenheit im Rahmen von Immobilienverkäufen bei einzelnen Mitarbeitern Compliance-Verstöße fest. Bei dem Verkauf der ehemaligen Stasi-Gebäude habe es aber bislang "keinen Anhaltspunkt für eine Unregelmäßigkeit" gegeben. Nach Bahnangaben habe es eine ordentliche Ausschreibung gegeben. Dabei habe sich die Firma Aris gegen zwei weitere Interessenten durchgesetzt. "Es war ein sauberes Geschäft", sagt Milan Kostic, der Vater des heutigen Unternehmenseigentümer. "Das Land Berlin wollte damals die Häuser nicht kaufen, wir sind das Risiko eingegangen."

Eigentlich wollte Kostic schon längst eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe auf dem Areal realisiert haben. Doch bislang standen Senats- und Bezirksverwaltung in Berlin-Lichtenberg im Weg. "Als Begründung sagte man mir, dass Berlin Ghettobildung befürchte", sagt Kostic. Und so passierte in den vergangenen zehn Jahren nicht viel. Zeitweise zogen 1300 Flüchtlinge in die Stasi-Festung ein. Aber auch hier gerieten Eigentümer und Land schnell aneinander. "Wir haben Klage eingereicht, weil das Land sich nicht an die finanziellen Zusagen gehalten hat", so Kostic. So sei er auf den sehr hohen Betriebskosten sitzen geblieben. Was das konkret bedeutet, möchte er nicht sagen. Er rede nicht gerne über Zahlen. Nur soviel: "Die Flüchtlinge haben die Temperatur im Raum mit dem Fenster und nicht mir dem Thermostat geregelt."

Es seinen "Unsummen", die Kostic in den vergangenen Jahren in die Immobilie, die größtenteils leer steht, gesteckt habe. Alleine die Grundsteuer koste den Abrissunternehmer jedes Jahr rund 250.000 Euro. Irgendwann soll sich die Spekulation mit der Stasi-Zentrale für die Familie des Berliners aber lohnen. Mittlerweile hat er die Immobilie an seinen Sohn übergeben, auch um frühzeitig seine Nachfolge zu regeln. "Ein Verkauf kommt nicht infrage, er wird das Objekt selbst entwickeln", sagt Kostic. Aufgrund der behördlichen Situation sind derzeit nur Büros möglich. Daher will die Familie warten. "Vielleicht ändert sich etwas nach der Wahl in Berlin."

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