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Joe Biden will „diese düstere Ära der Dämonisierung hier und jetzt beenden“

·Lesedauer: 3 Min.

Der künftige US-Präsident und seine Vizin Kamala Harris setzen bei ihren Siegesreden auf Einheit und Kooperation. „Es ist Zeit, dass wir uns wieder zuhören“, so Biden.

Fans hupen und jubeln als Kamala Harris um 20.27 Uhr Ortszeit die Bühne betritt. Die künftige Vizepräsidentin der USA trägt eine weiße Bluse zum weißen Hosenanzug und schreitet langsam zum Podest. „Amerikas Demokratie ist nur so stark wie unser Wille dafür zu kämpfen“, sagt sie zur Einleitung. „Als unsere Demokratie auf dem Wahlzettel stand und die Seele der Amerikaner auf dem Spiel, habt ihr einen neuen Tag für Amerika eingeleitet.“

Es ist nicht selbstverständlich, dass der Gewinner der US-Präsidentschaftswahl bei seiner Siegesrede zuerst seinen „Runningmate“ sprechen lässt. Doch Harris schrieb am Samstag Geschichte. Als erste Frau, erste Schwarze und erste Amerikanerin mit indischen Wurzeln wird sie die nächste Vizepräsidentin der USA und sollte deshalb auf jeden Fall auch im Rampenlicht stehen.

„Ich werde die erste Frau in diesem Amt sein, aber ich werde nicht die letzte sein“, sagte Harris. „Denn jedes Mädchen, das heute Abend zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist.“

Wie schon im Wahlkampf setzten Joe Biden und Harris am Samstag auf eine „Drive-In“-Veranstaltung, bei der Fans mit ihren Autos auf einen großen Parkplatz in Bidens Heimatstadt Wilmington, im US-Bundesstaat Delaware fuhren und den beiden auf einer großen Bühne zuhören konnten. So sollen die Abstandsregeln in der Pandemie besser eingehalten werden.

Die Botschaft war eindeutig. Es ging um Hoffnung und um das Ziel, das Land zu einen und aus der Krise zu führen. Damit setzten sich die demokratischen Wahlgewinner deutlich von US-Präsident Donald Trump ab, dessen Reden bewusst die Fronten in der tief gespaltenen Bevölkerung verhärten.

„Es ist Zeit, dass wir uns eine Chance geben und uns wieder zuhören“, sagte Biden in seiner Siegesrede. „Lasst uns diese düstere Ära der Dämonisierung hier und jetzt beenden.“ Biden gab sich versöhnlich und voller Tatendrang.

Schon am Montag wird er eine Corona-Taskforce ins Leben rufen. Anders als Trump nahm der frühere Vizepräsident unter Barack Obama die Pandemie schon von Anfang an ernst und ließ sich seit März regelmäßig von Experten unterrichten.

Biden setzt dabei auf Kooperation zwischen Demokraten und Republikanern, was in den vergangenen vier Jahren unter Trump praktisch nicht möglich war. Biden war selbst jahrzehntelang Senator. Ihm werden daher gute Chancen nachgesagt, mit republikanischen Senatoren Kompromisse zu finden.

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Mitch McConnell, der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, und Biden kennen sich seit vielen Jahren. McConnell war der einzige republikanische Senator, der 2015 auf der Beerdigung von Bidens Sohn Beau erschien. Andererseits blockierte McConnell unter Barack Obama jede Initiative aus dem Weißen Haus.

„Wenn wir uns dazu entscheiden können, nicht miteinander zu arbeiten, dann können wir uns auch dazu entscheiden wieder zu kooperieren. Und ich glaube, dass das ein Teil unseres Auftrags ist“, stellte Biden klar.

Donald Trump weigert sich weiterhin, das Wahlergebnis anzuerkennen. Während Biden Glückwunsche von Staatsoberhäuptern aus aller Welt erhielt, herrscht aus dem Weißen Haus weiter Funkstille. Mitt Romney war der erste republikanische Senator der Biden gratulierte, viele andere hielten sich entgegen der politischen Tradition jedoch mit Glückwünschen zurück.

Trump hat seine Anwälte unterdessen angewiesen, neue Klagen einzureichen. Selbst wenn das das Wahlergebnis nicht ändert, könnte es immerhin die Machtübergabe verzögern, heißt es in Washington.

Biden und Harris haben ungeachtet dessen damit den Vorbereitungen für ihre Amtszeit begonnen. Nach dem Feuerwerk und der Lichtershow am Samstagabend gehe es zurück an die Arbeit, sagte Harris. „Der Weg der vor uns liegt, ist nicht einfach. Aber Amerika ist bereit und Joe und ich sind es auch.“