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Ein Banker enthüllt die Bonuskultur hinter dem Danske-Skandal

Irina Reznik und Ott Ummelas
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Ein Banker enthüllt die Bonuskultur hinter dem Danske-Skandal

(Bloomberg) -- Zwischen 2009 und 2015 hat Mihhail Murnikov seine Zeit damit verbracht, so viele Transaktionen wie möglich in der auf Gebietsfremde fokussierten Sparte von Danske Bank A/S in Estland abzuwickeln.

Vor etwa einem Jahr hatte Danske zugegeben, dass diese Transaktionen Teil eines 220 Milliarden Dollar schweren Geldwäscheskandals waren. Aber immer noch versuchen Staatsanwälte von Tallinn bis Washington D.C. den tatsächlichen Ereignissen auf den Grund zu gehen. Der Fall Danske sorgte kürzlich erneut für Schlagzeilen, nachdem der Ex-Leiter der estnischen Geschäfte Selbstmord begangen hat.

Murnikov hat wie die meisten der 14 Mitarbeiter der internationalen Bankabteilung von Danske in Tallinn gearbeitet und ist inzwischen ein Verdächtiger. Er habe seine Zeit damit verbracht, die von seinen Chefs gesetzten Ziele zu erreichen, um einen Bonus zu verdienen, berichtet er.

“Das gesamte Geschäft mit Gebietsfremden war nach einem Prinzip aufgebaut: Alle haben mit grenzüberschreitenden Transaktionen Geld verdient, weil Ausländer 90 Dollar pro Transaktion zahlen mussten“, sagt der nun 37-jährige Murnikov in einem Bloomberg-Interview in Tallinn. Die mit jeder Transaktion verbundenen Kosten für Danske betrugen seiner Aussage nach 1 Dollar.

Bis 2013, als die Gewinne ihren Höhepunkt erreichten, wurde den estnischen Bankern von Danske gesagt, dass sie fast eine halbe Million Transaktionen für 4.000 gebietsfremde Kunden - hauptsächlich aus der ehemaligen Sowjetunion - abwickeln sollen, berichtet Murnikov. In dem Jahr beliefen sich die Renditen der Sparte für Gebietsfremde auf 402%, verglichen mit rund 7% für die gesamte Danske Bank-Gruppe.

“Ich hatte einen klaren Plan”, sagt Murnikov. Mit seinen 300 Kunden musste er “40.000 Transaktionen pro Jahr schaffen, damit ich einen Bonus erhielt“, so der ehemalige Banker. Er sagt, die einzige Metrik für die Bestimmung der Höhe eines Bonus für eine/n Danske-Mitarbeiter/in sei die Anzahl der von ihm oder ihr abgewickelten Transaktionen gewesen.

“Man war direkt motiviert, möglichst viele Kunden zu gewinnen. Alles andere war unwichtig“, sagt er.

In einer Stellungnahme erklärt ein Sprecher der Danske Bank: “Da die Behörden die Angelegenheit noch untersuchen, können wir keine weitere Stellungnahme über die Äußerungen aus dem Bericht vom September 2018 hinaus abgeben. Wie wir bereits gesagt haben, hätten wir das mittlerweile geschlossene Portfolio gebietsfremder Kunden in Estland niemals haben dürfen.” Die Bank hat die Sparte für Gebietsfremde im Jahr 2015 geschlossen und wiederholt erklärt, dass sie mit den Behörden zusammen arbeite.

Das von Murnikov gezeichnete Bild der Kultur in der Sparte für Gebietsfremde entspricht weitgehend den Schilderungen des Danske-Whistle-Blowers Howard Wilkinson. Als Leiter des Geschäftsbereichs Baltische Märkte bei Danske in Tallinn hatte er die Geschäftsleitung in Kopenhagen wiederholt vor verdächtig erscheinenden Transaktionen gewarnt.

Danske gab im September letzten Jahres zu, dass ein „großer Teil“ der 220 Milliarden Dollar, die zwischen 2007 und 2015 über die estnische Einheit flossen, verdächtig war. Die Bank ist Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen in Dänemark, Estland, Frankreich und den USA.

Überschrift des Artikels im Original:A Banker Reveals the Bonus Culture Behind a $220 Billion Scandal

--Mit Hilfe von Frances Schwartzkopff.

Kontakt Reporter: Irina Reznik in Moscow ireznik@bloomberg.net;Ott Ummelas in Tallinn oummelas@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Andrea Dudik adudik@bloomberg.net, ;Gregory White gwhite64@bloomberg.net, Tasneem Brogger, Alan Katz

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