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„Banken können sehr viel für den Umbau der Wirtschaft tun“ – Deutsche-Bank-CEO fordert konzertierte Aktion

Maisch, Michael
·Lesedauer: 3 Min.

Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank, sieht bei der Finanzierung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit den Staat in zentraler Rolle.

Das Rezept zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise eignet sich nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing auch für den Umbau der heimischen Wirtschaft in Richtung Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die „sehr erfolgreiche Kooperation zwischen Regierung, Förderbanken und Banken“ sollte deshalb nach Sewings Meinung genutzt werden, um den Strukturwandel zu finanzieren. Denn der Innovationsdruck habe sich durch die Pandemie noch einmal deutlich verstärkt.

In einem Whitepaper forderte die Deutsche Bank vor Kurzem eine neue Industriepolitik für Schlüsselindustrien. Eine der zentralen Thesen: Der Umbau der Wirtschaft in Richtung Digitalisierung und Nachhaltigkeit kann nur funktionieren, wenn der Staat seine Förderprogramme besser fokussiert.

Außerdem argumentiert die Bank, dass der Finanzierungsaufwand für den Reformprozess so gewaltig ist, dass die Risiken für private Kapitalgeber allein zu groß seien. Deshalb soll der Staat ähnlich wie bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie einen Teil der Haftung für Kredite übernehmen.

„Wir rufen nicht nach mehr Staat“, stellte Sewing auf der Veranstaltung „Europe 2021“ klar, einem gemeinsamen Projekt von „Tagesspiegel“, „Wirtschaftswoche“, Handelsblatt und „Zeit“. Es gehe vielmehr um eine Konzentrierung und Optimierung bereits vorhandener Fördermittel auf die für den Umbau zentralen Schlüsselbranchen. Aber der Vorstandschef räumte auch ein: „Die Banken können sehr viel für den Umbau der Wirtschaft tun, aber sie können nicht alles abdecken.“

Die Deutsche Bank selbst habe sich bei der Förderung von nachhaltigen Investments und Finanzierungen „mutige“ Ziele gegeben, betonte Sewing. Zwar sei das Geldhaus bei den Themen Ökologie, Sozialverträglichkeit und gute Governance (ESG) wegen der wirtschaftlichen Probleme der vergangenen fünf bis sechs Jahre später gestartet als einige Konkurrenten. Inzwischen sei man aber auf einem sehr guten Weg.

Pünktlich zur Hauptversammlung im vergangenen Jahr haben die Frankfurter versprochen, dass sie bis Ende 2025 das Volumen an Finanzierungen und Anlagen, die ESG-Kriterien erfüllen, auf mehr als 200 Milliarden Euro steigern werden. Damit gab sich die Bank erstmals messbare Ziele in Sachen Nachhaltigkeit.

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Ein paar Monate später setzte sich das Institut engere Grenzen für Engagements im Bereich Kohle, Gas und Öl. Dazu gehört unter anderem das Versprechen, bei der Finanzierung des Kohleabbaus weltweit bis spätestens 2025 die Kreditvergabe und Kapitalmarkttransaktionen zu beenden. Energieerzeugern, die zu mehr als 50 Prozent von Kohle abhängig sind, will das Institut künftig nur noch dann Finanzdienstleistungen anbieten, wenn glaubwürdige Diversifizierungspläne vorliegen.

Diese Entscheidung würdigte damals auch die Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisation Urgewald als „Schritt nach vorne“. Allerdings kritisierten die Umweltschützer auch, dass andere Banken schon weiter sind als das größte deutsche Geldhaus. Denn große, aber diversifizierte Kohleproduzenten wie BHP Billiton, Anglo American und Glencore sind laut Urgewald von der Regelung nicht betroffen, weil ihr Kohleanteil unter der Schwelle von 50 Prozent liegt.

Sewing rechtfertigte bei seinem Videoauftritt bei „Europe 2021“ die langen Übergangsfristen bis 2025. Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bank sei so gestaltet, dass sie „ehrgeizige Ziele setzt und wir gleichzeitig unsere langjährigen Kunden bei ihrer Transformation begleiten können“, betonte der Bankchef.