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Aufschlag auf Toilettenpapier: Supermarkt-Leiter startet kreative Aktion gegen das Hamstern

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Die erste Toilettenpapier-Packung kostet regulär. Auf die zweite Packung aber verlangt ein Rewe im rheinland-pfälzischen Rengsdorf seit kurzem einen Aufschlag von fünf Euro. Auf die dritte und jede weitere kommen zehn Euro auf den Preis drauf. Die zusätzlichen Einnahmen aus dieser kreativen Anti-Hamster-Aktion sollen an Helfer und Helferinnen, die gegen die Corona-Pandemie kämpfen, gespendet werden.

Mehr, mehr, mehr: Trotz der Hinweise, dass der Nachschub gesichert ist, hamstern Menschen noch immer Toilettenpapier. (Symbolbild: Getty)
Mehr, mehr, mehr: Trotz der Hinweise, dass der Nachschub gesichert ist, hamstern Menschen noch immer Toilettenpapier. (Symbolbild: Getty)

Nudeln, Konserven, Toilettenpapier: Viele Deutsche hamstern. Obwohl die Politik beruhigt, dass ein Waren-Nachschub gesichert sei, obwohl Supermärkte verlauten lassen, dass die zeitweise leeren Regale immer wieder aufgefüllt würden und sich nichts geändert habe, außer dem Einkaufsverhalten ihrer Kunden und Kundinnen, packen viele ihre Einkaufswagen dennoch voll mit besonders hamsterbaren Produkten.

Die Sozialpsychologin Janina Steinmetz erklärt dazu im Deutschlandfunk: „Wenn wir beispielsweise im Supermarkt eine Person sehen, die zehn Packungen Klopapier einkauft, dann löst das ein Gedankenspiel bei uns aus: ‚Moment mal, habe ich etwas verpasst? Weiß diese Person etwa mehr als ich?‘. Und dann wollen wir auch kaufen.“ Sobald das mehrere Leute machten, führt sie weiter aus, sei dann alles weg. Deshalb rät Steinmetz vor dem Einkauf dazu, einmal tief durchzuatmen und dass sich jede und jeder vergegenwärtigen sollte, wie lange die eigenen Vorräte zuhause noch reichten – vermutlich sei das länger als gedacht.

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Kaum noch Pfandflaschen und weniger Lebensmittel für Tafeln

Denn das Hamstern aufgrund des neuartigen Coronavirus hat durchaus negative Folgen: So befinden sich mittlerweile zu wenig Pfandflaschen im Umlauf, weil die Keller und Vorratsräume voll sind mit Getränkekisten. Auch die Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige spenden, haben laut Verbandsvorsitzenden Jochen Brühl ein Problem. Weil, so erklärt er in der Neuen Osnabrücker Zeitung, die Supermärkte viel weniger Waren am Geschäftsende hätten, könnten sie auch weniger an die Tafeln spenden. Die Tafeln würden mittlerweile weniger Lebensmittel an Bedürftige ausgeben.

Um das Hamstern einzudämmen, geben manche Supermärkte besonders nachgefragte Produkte nur noch in „haushaltsüblichen Mengen“ raus. Eine besonders kreative Aktion hat nun Einzelhändler Michael Glück, er leitet einen Rewe im rheinland-pfälzischen Rengsdorf, gestartet. Ein Video, das der Stern veröffentlicht hat, erklärt Glücks Idee: In dessen Rewe-Filiale kostet Toilettenpapier weiterhin den regulären Preis. Aber nur die erste Packung. Die zweite kostet den regulären Preis, obendrauf kommt allerdings ein fünf-Euro-Aufschlag. Ab der dritten Packung kostet jede zusätzlich zehn Euro. Die „zusätzlichen Einnahmen“ gingen laut Michael Glück an den Landkreis Neuwied, der das Geld an Coronavirus-Helfer und -Helferinnen weiterleite.

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Einkaufswagen voller Toilettenpapier

Damit Kunden und Kundinnen nicht an der Kasse überrascht werden, informiert Glück in seiner Toiletten-Papier-Abteilung mit einem gelben Aushang. Darauf steht neben der Preis-Staffelung noch ein zentraler Satz: „Vielleicht geht es ja so?!“ Damit meint Glück die „kriegsähnlichen“ Zustände beim Klopapier-Kauf, die er mittlerweile in seiner Filiale erlebe: „So blöd das klingt, aber die Kunden holen sich das gegenseitig aus dem Einkaufswagen und ich kriege es nicht mehr gebändigt. Und dann gibt es welche, die kaufen fünf, sechs, acht, zehn Pakete. Und das wollten wir hiermit eindämmen.“

Neue Lieferungen seien laut Glück innerhalb von fünf bis zehn Minuten ausverkauft. Er sagt: „Im Moment bin ich ganz stolz auf meine Mitarbeiter. Die volle Truppe arbeitet zwischen zwölf und fünfzehn Stunden und wir versuchen die Regale voll zu kriegen. Aber es gibt Dinge, die werden einfach gehamstert und das ist nicht mehr schön.“ Das habe ihn deshalb veranlasst, seine Aktion zu starten.

„Zieht es durch!“

Im Netz erhält Glück dafür viel Applaus. Auf der Facebook-Seite seiner Rewe-Filiale finden sich unter dem Aktions-Beitrag zahlreiche positive Kommentare. Etwa: „Kreativste Idee des Monats. Herzlichen Glückwunsch, zieht es durch.“ Oder: „Eine Spitzen-Ansage! Weiter so, viel Glück beim Spenden sammeln und bleibt gesund!“ Und: „Ich finde das Spitzenmäßig! Würde mir wünschen, dass es hier oben in Norddeutschland auch so wäre.“

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