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Kleinaktionäre fordern Sonderprüfung bei Wirecard

Die Bilanzen von Partnern des Zahlungsdienstleisters sollen ein weiteres Mal durchleuchtet werden. Eine außerordentliche Hauptversammlung müsste das beschließen.

Eine Gruppe von Kleinaktionären will eine unabhängige Sonderprüfung beim Zahlungsdienstleister Wirecard durchsetzen. „Wir wollen schnellstmöglich Klarheit haben, was bei Wirecard los ist“, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Schirp am Montag.

Ein von der Hauptversammlung beauftragter Sonderprüfer solle die Bilanzen von Partnerunternehmen an Orten wie Dubai und Singapur durchleuchten und die in Berichten der Wirtschaftszeitung „Financial Times“ aufgekommenen Vorwürfe der Bilanzfälschung untersuchen. Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über die Pläne des Anwalts berichtet.

Die im Herbst einberufene, noch laufende Sonderprüfung durch die Gesellschaft KPMG reiche nicht aus, erklärte Schirp dem Handelsblatt. Diese sei vom Wirecard-Aufsichtsrat in Auftrag gegeben worden. Die Prüfer seien in der Folge nur diesem verpflichtet, ihr Prüfbericht gehe nur an ihn und gegebenenfalls den Vorstand.

„Ich befürchte, dass wir ein ähnliches Ergebnis wie beim R & T-Bericht sehen werden und den Aktionären wichtige Informationen vorenthalten werden“, sagte Schirp. Die Kanzlei R & T hatte im Auftrag Wirecards die Unregelmäßigkeiten in den Geschäftsbereichen n Singapur untersucht. Veröffentlicht wurde 2019 nur eine kurze Zusammenfassung.

Um eine autonome Sonderprüfung durchzusetzen, will Schirp eine außerordentliche Hauptversammlung beantragen. Dafür braucht er fünf Prozent des Grundkapitals. Nach eigenen Aussagen vertritt er aktuell 2,5 Prozent der Anteile und mehr als 120 Anteilseigner. Die nächste ordentliche Hauptversammlung (HV) von Wirecard findet erst am 2. Juli statt.

Geht es nach Schirp, soll die außerordentliche HV nicht nur die Sonderprüfung beschließen und damit die Caperium Forensic Services von Rosemarie Helwig in Hamburg beauftragen. Zudem soll auch ein besonderer Vertreter bestimmt werden, an den Helwig berichtet. Hierfür schlägt Schirp den Berliner Rechtsanwalt Marc Liebscher vor.

Ob der Plan auf einer eventuellen außerordentlichen HV die erforderliche einfache Mehrheit erhält, ist offen. „Wir führen eine Vielzahl von Gesprächen mit unterschiedlichen Investoren“, sagt Schirp. Zu den größten Wirecard-Aktionären gehören die US-Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley, die vor allem im Kundenauftrag eingestiegen sind, sowie die deutsche DWS.

Ein Wirecard-Sprecher wies auf die bereits laufende Sonderprüfung hin. „Selbstverständlich schränkt dies nicht das Recht der Aktionäre ein, bei entsprechenden Mehrheiten Anträge zu stellen“, hieß es auf Anfrage.

Der am späten Freitagabend verkündete Wechsel an der Spitze des Wirecard-Aufsichtsrats kommt laut Schirp „überraschend, gerade angesichts des noch laufenden Prüfauftrages an KPMG.“ Nachfolger des bisherigen Chefkontrolleurs Wulf Matthias ist der frühere Deutsche-Börse-Vorstand Thomas Eichelmann. Dieser gilt als sehr direkt, aber auch als unabhängig von der Konzernführung um Vorstandschef Markus Braun.

Eichelmann hat mit seinem Aufstieg zum Aufsichtsratschef sein Gehalt verdoppelt, wie ein Blick in den letzten Geschäftsbericht zeigt. Demnach beträgt die erfolgsunabhängige feste Vergütung für ein normales Ratsmitglied 120.000 Euro pro Jahr. Der Vorsitzende erhält 240.000 Euro. Damit liegt Wirecard etwa auf Höhe des Versicherers Allianz. Diese gewährte einfachen Mitgliedern 125.000 Euro und dem Vorsitzenden 250.000 Euro an Grundvergütung.

Hinzu kommt bei Wirecard ein Sitzungsgeld von jeweils 1250 Euro pro Tag und ein Gehalt als Aufsichtsrat der Wirecard-Bank. Der bisherige Vorsitzende Matthias bekam von dort 65.000 Euro, so dass er 2018 insgesamt 316.000 Euro einstrich.

Konzern-Sonderprüfung läuft

Wirecard hatte im vergangenen Jahr eine Prüfung durch KPMG gestartet. Wohl auch angesichts der starken Aktienkursabstürze, die Wirecard infolge verschiedener Berichte der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ (FT) verzeichnete. In einer Artikelserie hatte die FT dem Zahlungsdienstleister wiederholt über angebliche Unregelmäßigkeiten in Singapur und Dubai berichtet.

Wirecard weist alle Vorwürfe zurück. Der langjährige Wirtschaftsprüfer EY hatte den Konzernabschluss für alle vergangenen Jahre uneingeschränkt testiert. Aufgrund der FT-Berichte gab Wirecard-Cmuss EO Markus Braun aber eine Sonderprüfung in Auftrag. Diese sollte zunächst Anfang des Jahres abgeschlossen sein, wie Braun im Interview mit dem Handelsblatt erklärte. Zuletzt sprach der Konzern vom Ende des ersten Quartals.

An der Börse wurde der Wechsel im Wirecard-Aufsichtsrat am Montag begrüßt. Unter den Dax-Einzelwerten gehörten die Aktien von Wirecard mit einem Plus von bis zu drei Prozent zu den größten Gewinnern.

Mit Material von Reuters.