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Anke Engelke trauert bei Netflix

Eric Leimann
·Lesedauer: 3 Min.

In sechs Folgen der tragikomischen Netflix-Serie "Das letzte Wort" (ab 17. September) muss Anke Engelke nach dem überraschenden Tod ihres Mannes die Familie zusammenhalten und Geld verdienen. Sie beginnt eine Karriere als Trauerrednerin.

Dass Anke Engelke nicht nur eine begnadete Komödiantin ist, sondern auch tragischen Rollen Tiefe geben kann, hat die 54-Jährige schon öfter bewiesen. In der neuen deutschen Netflix-Serie "Das letzte Wort" ist diese Doppelbegabung nun quasi Pflicht, denn Engelke trägt - trotz vieler begabter Mitspieler - diese Miniserie von insgesamt viereinhalb Stunden Dauer. Als Zahnarztgattin Karla Fazius feiert die Mutter einer erwachsenen Tochter (Nina Gummich) und eines halbwüchsigen Sohnes (Juri Winkler) gerade noch ausgelassen den 25. Hochzeitstag mit Stefan (Johannes Winkler), da liegt der Lebensgefährte bereits tot am Tisch.

Aneurysma im Kopf, es ging schnell - ein idealer Tod, sagt der Arzt dem herbeieilenden Bestatter Andreas Borowski (Thorsten Merten). Dessen Familienbetrieb befindet sich in argen finanziellen Nöten, das Geschäft läuft nicht mehr. Borowskis etwas wunderlicher Sohn (Aaron Hilmer) und seine kaltherzige Gattin (Claudia Geisler-Bading) verbessern die triste Atmosphäre des Beerdigungsinstituts nicht wirklich.

Da passt es gut, dass Karla Fazius nach Aufdeckung einer finanziellen Schieflage des Familienvermögens dringend selbst einen Job braucht. Inspiriert und getrieben von eigener Trauer und dem Unverständnis für den Faktor Tod im Leben, erwirbt Karla ein Zertifikat als Trauerrednerin und heuert bei Borowski an. Einerseits bringt die Party-Löwin und mitunter grenzwertig geschmackvolle Entertainerin ein großes Talent mit, andererseits sorgt sie mit ungewöhnlichen Methoden auch immer wieder für Irritation in der Bestatterfamilie und bei Trauergemeinden.

Gleichzeitig muss Karla ihre Familie zusammenhalten: mit der die zuvor entfremdeten Tochter an einem Strang ziehen, den unter seinen Kopfhörern pubertierenden Sohn nicht vergessen und - ein besonders hartes Los - sich um ihre pflegebedürftige Katastrophen-Mutter (die Berliner Theaterlegende Gudrun Ritter) kümmern. Die ist schon aus mehreren Pflegeeinrichtungen herausgeflogen - zuletzt, weil sie unter den Heimbewohnern mit Medikamenten gedealt hat.

Serien-Entertainment oder die Suche nach Wahrheit?

Die Serienidee, eine ungewöhnliche Trauerrednerin zu porträtieren, geht auf Schauspieler Thorsten Merten (Nora Tschirners und Christian Ulmens Chef im Weimarer "Tatort") zurück, der selbst die Rolle des Bestatters übernahm. Als Autor und Regisseur der ersten drei Folgen hat sie der 1981 geborene Filmemacher Aron Lehmann ("Das schönste Mädchen der Welt") mit seinem Kreativpartner Carlos V. Irmscher umgesetzt. Lehmann, übrigens Ehemann von Schauspielerin Rosalie Thomass, hat sich bereits in früheren Arbeiten mit tragikomischen Sujets beschäftigt, unter anderem 2012 in seinem Abschlussfilm "Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel" über eine Filmcrew, die plötzlich ohne Geld weiterdrehen muss. Seit jener Arbeit kennen sich auch Lehmann und Thorsten Merten.

Die natürliche Tragikomik des Bestatterwesens in eine Serie zu überführen, ist für Filmschaffende nicht neu. Mal ging die Umsetzung in Richtung Drama mit Skurrilem, wie in der epochalen HBO-Serie "Six Feet Under", mal wurde das Unter-die-Erde-bringen zur knalligen Posse, wie bei der ZDFneo-Produktion "Diese Kaminskis - Wir legen Sie tiefer". "Das letzte Wort" versucht beides zu leisten - die Ernsthaftigkeit des Todes und der Trauer zu verstehen, dabei aber auch Raum für Albernes zu lassen.

Wenn sich Anke Engelke im Negligé erwartungsfroh im Bett positioniert und von Minute zu Minute saurer dreinschaut, während ihr Mann tot am Tisch liegt, ist das ebenso klassisches Komödiengut wie die Gags mit der untragbaren Mutter im Rollstuhl, um die man sich leider trotzdem kümmern muss. Nein, ganz klischeefrei ist diese Serie nicht. Bisweilen bewegen sich die Handlungsstränge rund um immer wieder neue Trauernde und familiäre Sorgen auf recht bekanntem Terrain. Was "Das letzte Wort" über den deutschen Serienschnitt rettet, sind die Schauspieler. Das Ensemble ist handverlesen und wandelt meist traumhaft sicher auf dem schmalen Pfad zwischen tragikomischem Serien-Entertainment und der Suche nach menschlichen Wahrheiten im Umgang mit dem Tod.