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Aktien Frankfurt: Dax dampft Minus ein - EZB entschlossen gegen hohe Inflation

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einer unerwartet deutlichen Erhöhung der Leitzinsen in der Eurozone hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstagnachmittag seine Verluste wettgemacht. Davor hatte eine neuerliche Regierungskrise in Italien belastet. Positive Impulse lieferte hingegen die Nachricht, dass wieder russisches Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 fließt.

Der Dax <DE0008469008> schwankte direkt nach der Zinsentscheidung etwas stärker, pendelte sich aber danach über dem Niveau unmittelbar vor der Zinserhöhung ein. Zuletzt notierte der Leitindex nur noch 0,05 Prozent tiefer bei 13 274,91 Punkten. Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Börsenunternehmen stieg um 0,37 Prozent auf 26 796,40 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> ging es um rund 0,6 Prozent nach oben.

Die Rekordinflation zwang die Europäische Zentralbank (EZB) zu einem höheren Tempo bei ihrer ersten Zinserhöhung seit elf Jahren. Die Zinsen steigen um jeweils 0,50 Prozentpunkte, der Leitzins, zu dem sich Kreditinstitute bei der EZB Geld leihen können, klettert damit von null Prozent auf 0,50 Prozent. Für die nächsten Sitzungen kündigte die EZB weitere Zinserhöhungen an.

"Die Zinserhöhung der EZB um 50 Basispunkte ist angesichts der Inflation von über 8 Prozent und der Schwäche des Euro sehr angemessen", kommentierte Volkswirt Michael Heise von HQ Trust. Eine einigermaßen neutrale Geldpolitik dürfte allerdings erst bei einem Zinsniveau um die 2 Prozent erreicht sein, glaubt er.

Mit dem deutlichen Zinsschritt mache die EZB klar, dass die Bekämpfung der zu hohen Inflationsrate oberste Priorität habe und dass sie ihrer Rolle als Hüterin der Preisstabilität gerecht werden wolle, bemerkte Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Dagegen droht Italien im politischen Chaos zu versinken, nachdem Staatschef Sergio Mattarella den Rücktritt von Ministerpräsident Mario Draghi angenommen hat. Die Regierung bleibe für die Abwicklung der laufenden Geschäfte aber noch im Amt, hieß es. Nun muss Mattarella entscheiden, ob er die Parlamentskammern auflöst und damit den Weg für eine vorgezogene Wahl ebnet oder ob er jemand sucht, um eine neue Regierungsmehrheit aus dem bestehenden Parlament zu formen. Das hoch verschuldete Land könnte damit zu einer Gefahr für die Europäische Union und den Euro werden.

Europas größter Softwarehersteller SAP <DE0007164600> verzeichnete im zweiten Quartal einen deutlichen Ergebnisrückgang wegen Kosten in der Ukraine und einem schwachen Lizenzgeschäft. Für das Gesamtjahr strich das Management beim operativen Ergebnis auch die Prognose zusammen. Die Aktien fielen als einer der schwächsten Dax-Werte um 5,2 Prozent. Goldman-Sachs-Analyst Mohammed Moawalla monierte enttäuschende Lizenzerlöse und den mäßigen Ausblick.

Der Pharma- und Laborausrüster Sartorius <DE0007165631> bleibt weiter auf Wachstumskurs. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten auch dank Übernahmen im Jahresvergleich um knapp 27 Prozent und übertraf die Erwartungen der Analysten. Das Unternehmen bestätigte zudem den Jahresausblick. Die Sartorius-Papiere stiegen als Dax-Spitzenreiter um 8,2 Prozent. Berenberg-Analyst Odysseas Manesiotis sprach von einem starken Zahlenwerk. Weiterhin beeindruckend sei vor allem die Sparte BPS.

Die Aktien von Hellofresh <DE000A161408> setzten nach einer negativen Analystenstudie ihren Kurseinbruch vom Mittwoch fort. Zuletzt verloren die Papiere des Kochboxenlieferanten 11,4 Prozent und waren damit erneut klares Schlusslicht im Dax. Tags zuvor waren die Anteilsscheine nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung des Unternehmens um mehr als 9 Prozent abgesackt. Unterdessen stufte die Investmentbank Kepler Cheuvreux die Hellofresh-Titel von "Buy" auf "Hold" ab.

Die Aktien der Norma Group <DE000A1H8BV3> gerieten nach einem gesenkten Margenausblick unter Druck und büßten am SDax-Ende 9,6 Prozent ein. Wegen weiter steigender Materialkosten reduzierte der Verbindungstechnikspezialist den Ausblick für die bereinigte operative Gewinnmarge sowie für den operativen Netto-Mittelzufluss.

Der Euro <EU0009652759> legte nach dem Zinsentscheid merklich zu und kostete zuletzt 1,0268 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,0199 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen von 1,09 Prozent am Mittwoch auf 1,15 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> fiel um 0,29 Prozent auf 134,47 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> verlor 1,14 Prozent auf 150,16 Zähler./edh/mis

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---

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