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AKTIEN IM FOKUS/US-Einreisestopp: Anleger suchen bei Luftfahrtwerten das Weite

FRANKFURT/PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Der Einreisestopp für Europäer in die USA hat die Anleger am Donnerstag aus Luftfahrt-Aktien getrieben. Der entsprechende Branchenindex <CH0019112744> für Reise- und Freizeitwerte brach bis zum späten Vormittag am Ende des Stoxx-600-Sektortableaus um 9,4 Prozent ein und bewegte sich damit auf dem Niveau von 2013.

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus schließen die Vereinigten Staaten ihre Grenzen für Ausländer aus Europa. "Wir werden alle Reisen von Europa in die USA für die nächsten 30 Tage aussetzen", sagte US-Präsident Donald Trump in einer Ansprache an die Nation. Ausgenommen seien Reisende aus Großbritannien. Aus Europa kommende Amerikaner müssten sich entsprechenden Tests unterziehen. Die Maßnahme gilt nach Angaben des Weißen Hauses ab dem Wochenende.

Die Nachricht versetzte dem bereits seit Tagen wegen der Coronavirus-Krise unter großem Stress stehenden Gesamtmarkt <EU0009658145> einen weiteren Tiefschlag und traf die besonders belastete Luftfahrtbranche einmal mehr umso härter. "Wenn Trump mit seiner Rede den Märkten versichern wollte, dass die US-Regierung beim Umgang mit dem Virus in den USA die Lage im Griff hat, hat er das Ziel weit verfehlt", schrieb Marktanalyst Michael Hewson vom Handelshaus CMC Marktes UK. Mit der Rede von Trump bekomme der Luftfahrtsektor jetzt erneut die Rechnung für seine globale Ausrichtung präsentiert.

Die Entscheidung von Trump betreffe 3500 wöchentliche Flugverbindungen und bis zu 800 000 Passagiere, schrieb der Experte Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research. Sie sei weitreichender als die Aussetzung des China-Verkehrs. Besonders stark betroffen seien Lufthansa <DE0008232125>, Delta <US2473617023> und United Airlines <US9100471096>. IAG <ES0177542018> dagegen weniger, da Großbritannien in der Sperre ausgespart werde.

Dementsprechend trennten sich die Anleger am Donnerstag von Aktien aus der Luftfahrtbranche. So waren die Papiere der Lufthansa zwischenzeitlich um 13 Prozent eingeknickt und hatten sich damit auf dem tiefsten Stand seit Sommer 2012 wiedergefunden. Zuletzt verloren die Papiere unter den schwächsten Werten im deutschen Leitindex Dax <DE0008469008> 9 Prozent. Die Anteilsscheine von IAG <ES0177542018> büßten ebenfalls 9 Prozent und die von Air-France KLM 11 Prozent ein.

Im EuroStoxx waren die Anteile des Luftfahrtzulieferers Safran <FR0000073272> und des Flugzeugbauers Airbus <NL0000235190> mit einem Minus von mehr als 6 Prozent beziehungsweise rund 8 Prozent sehr schwach.

Nicht ganz so hart traf es erneut die Aktien der Billigflieger, die sich schon zu Wochenbeginn als etwas weniger anfällig erwiesen hatten. So gaben die Papiere von Ryanair <IE00BYTBXV33> zuletzt um 4 Prozent und die von Easyjet <GB00B7KR2P84> um 6 Prozent nach. Easyjet und Ryanair fliegen nicht auf den Nordatlantikstrecken. Analyst Neil Glynn von der Schweizer Bank Credit Suisse hatte zudem am Montag Ryanair als einen möglichen Profiteur einer weiteren Sektorkonsolidierung ausgemacht. Die Iren könnten zudem Rückenwind von fallenden Treibstoffpreisen erhalten. Die Ölpreise waren in dieser Woche aus Sorge vor einem Preiskampf auf Talfahrt gegangen.

Stark unter Druck waren auch die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport <DE0005773303>, die um mehr als 6 Prozent in die Tiefe rauschten. Die Angst vor dem neuartigen Coronavirus schlägt am Frankfurter Flughafen immer stärker durch. Die Passagierzahl ging zurück, vor allem in der letzten Februarwoche. Zudem habe sich die negative Dynamik in der ersten Märzwoche sogar verstärkt, warnte Fraport.

Die Monate März und April würden für Fraport wohl zu einem Desaster, schrieb der Fachmann Hans-Peter Wodniok vom Analysehaus Alphavalue. Der nun von den USA verhängte Einreisestopp für Reisende aus Europa werde ab sofort seine Spuren hinterlassen - hoffentlich nur für einen Monat.