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Schönheit als Karrierekiller

Gutaussehende Menschen haben es leichter im Job, so die allgemeine Überzeugung. Doch während das für Männer zutrifft, haben Frauen eher Nachteile durch gutes Aussehen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Ein Bewerbungsfoto soll kompetent wirken und den Kandidaten im besten Licht erscheinen lassen. Doch wie die israelischen Forscher Bradley J. Ruffle von der Ben-Gurion University und Ze'ev Shtudiner vom Ariel University Center herausgefunden haben, sind gutaussehende Frauen im Bewerbungsprozess eher benachteiligt. Die Forscher haben die Auswirkungen von physischer Attraktivität im Job-Recruiting unter die Lupe genommen.

Attraktive Männer kommen eine Runde weiter, schöne Frauen nicht
Sie verschickten jeweils zwei Lebensläufe an die Anbieter von insgesamt 2.656 ausgeschriebenen Jobs. Davon versahen sie einen mit einem entweder attraktiven oder neutralen Bewerberfoto, während sie den anderen, fast identischen Lebenslauf ohne Foto verschickten. Die Rückmeldungen der Arbeitgeber waren bei den attraktiven Männern fast um die Hälfte höher als bei den Bewerbungen von Männern ohne Bild. Bei Frauen war das nicht der Fall. Im Gegenteil: Weibliche Bewerber ohne Bild hatten eine höhere Erfolgsquote als attraktive oder neutral aussehende Frauen. Die israelischen Forscher erklären das unter anderem mit dem Neid von Frauen auf schöne Geschlechtsgenossinnen, aber auch mit der allgemeinen negativen Wahrnehmung gutaussehender Frauen in der Gesellschaft.

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Dr. Susanne Braun ist von diesen Studienergebnissen nicht überrascht. Die Psychologin ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin unter anderem im Forschungsprojekt „Auswahl und Beurteilung von Führungskräften in Wirtschaft und Wissenschaft“ tätig, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt der Münchner Unis TU und LMU. „Schon in den 80er-Jahren ist die Psychologin Madeline Heilman zu dem Ergebnis gekommen, dass Attraktivität bei Frauen unter bestimmten Bedingungen hinderlich für die Karriere ist, wohingegen bei Männern das Aussehen keine negativen Auswirkungen auf die Karriere hat“, sagt sie. „Beauty ist beastly“ nannte Heilman dieses Phänomen.

In Männer-Domänen haben schöne Frauen schlechte Chancen
„Einerseits gibt es zwar viele Belege dafür, dass es schöne Menschen einfacher haben, doch verschiedene Bedingungen relativieren diesen Effekt, zum Beispiel das Geschlecht und die Position, für die man sich bewirbt“, sagt Susanne Braun. Schönheit werde insbesondere mit sozialen Kompetenzen in Verbindung gebracht. Auf die Bewertung des geistigen Potentials und Intellekts von Personen habe Schönheit einen geringeren Einfluss. Wenn es um Integrität geht, dann hat sie fast keine Auswirkungen. „Studien zeigen zudem, dass Schönheit bei Frauen vor allem in männlich konnotierten Berufsfeldern hinderlich sein kann, für die Attraktivität als unwichtig empfunden wird “, so die Expertin. Dabei kommt es auch darauf an, wer den Bewerber beurteilt – und wie attraktiv der Beurteilende selbst ist. „Besonders Menschen, die selbst nicht so gut aussehen, haben attraktive Menschen abgewertet. Dieser Effekt trat nur zutage, wenn es sich um das eigene Geschlecht handelte“, erläutert Braun weiter. Frauen, denen man allgemein gerne Stutenbissigkeit unterstellt, hätten dabei jedoch nicht anders gehandelt als ihre männlichen Kollegen.

Bewerbungen ohne Foto wären nur bedingt eine Lösung
Sollte man als Konsequenz aus diesen Untersuchungen das Bewerbungsfoto weglassen? Keine gute Idee! Ganz abgesehen davon, dass eine Bewerbung ohne Bild hierzulande Gefahr läuft, sofort in den Mülleimer zu wandern - auf das Foto zu verzichten ist keine echte Lösung für das Beurteilungs-Problem. „Für den ersten Schritt des Auswahlprozesses wäre es sicher fairer“, meint Braun. „Man löst damit aber nicht das zugrunde liegende Problem, nämlich eine unsystematische Personalauswahl. All diese Studien deuten ja darauf hin, dass es keine faire Auswahl gibt, wenn das Geschlecht oder das Aussehen Auswirkungen auf die Karriere haben.“ Doch selbst, wenn das Aussehen des Bewerbers noch nicht durch ein Foto verraten wird - spätestens beim persönlichen Treffen wird es offenbar. Susanne Braun schlägt daher vor, die erste Auswahl neuer Mitarbeiter nicht ausschließlich Einzelpersonen in der Personalabteilung zu überlassen, sondern beispielsweise gleich die Fachabteilung hinzuzuziehen. „Der Bewerber sollte nicht nur anhand des Lebenslaufs – ob nun mit oder ohne Foto – beurteilt werden, sondern auch anhand von Arbeitsproben“, sagt Susanne Braun.

Sollten sich schöne Frauen also auf Bewerbungsfotos extra hässlich machen, um ihre Chancen zu erhöhen? Davon hält die Psychologin nichts. „Man sollte sich seiner Wirkung bewusst sein und als Frau weder auf dem Foto noch beim Vorstellungsgespräch zu sexy kleiden. Aber sich extra unattraktiv zu machen, davon würde ich abraten. Das setzt nicht da an, wo das Problem liegt.“