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„Insgesamt keine Meisterleistung“ – Wie die früheren Flughafenchefs das BER-Debakel erklären

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Erst dem vierten Geschäftsführer gelang es, den Hauptstadtflughafen nach jahrelangen Verzögerungen an den Start zu bringen. Was seine Vorgänger kurz vor der Eröffnung sagen.

Der frühere BER-Chef hatte noch mit einer Eröffnung 2017 geplant. Foto: dpa
Der frühere BER-Chef hatte noch mit einer Eröffnung 2017 geplant. Foto: dpa

Nach einem jahrelangen Kampf gegen Baumängel geht der neue Hauptstadtflughafen am Samstag ans Netz. „Es gibt keine Party. Wir machen einfach auf“, sagte unlängst Engelbert Lütke Daldrup. Der 63-Jährige ist Chef der Berliner Flughäfen. Vor ihm hatten sich drei andere Geschäftsführer an dem Großprojekt versucht und waren gescheitert.

Rainer Schwarz, der heute den Flughafen Münster-Osnabrück leitet, wurde wegen der geplatzten Eröffnung 2012 und des Krisenmanagements 2013 nach sieben Jahren im Unternehmen gekündigt.

Auf Schwarz folgte der ehemalige Bahn- und Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn, der allerdings nur zwei Jahre die Fäden in der Hand hielt. Im März 2015 zog er selbst die Reißleine. Es heißt, Mehdorn sei nach Konflikten mit dem Aufsichtsrat damit womöglich seinem Rauswurf zuvorgekommen.

Danach kam Karsten Mühlenfeld vom Triebwerksbauer Rolls-Royce. Als er den BER-Bauleiter eigenmächtig wechselte, weil es ihm zu langsam ging, verlor er das Vertrauen des Aufsichtsrats – und musste im März 2017 gehen.

Heute ziehen die einstigen BER-Macher selbstkritisch Bilanz. Mehdorn glaubte etwa, es wäre schneller möglich gewesen, den Flughafen zu eröffnen. Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren sechs Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen geplatzt. Planungsfehler, Baumängel, technische Probleme und Personalwechsel warfen das Projekt immer wieder zurück.

„Das war insgesamt keine Meisterleistung von allen Beteiligten“, sagte Mehdorn. Er hatte noch mit einer Eröffnung 2017 geplant. Dieses Ziel musste sein Nachfolger, Karsten Mühlenfeld, kassieren.

Hartmut Mehdorn: „Viele Köche verderben den Brei“

Rund sechs Milliarden Euro wurden am BER verbaut, dreimal so viel wie geplant. „Der BER wurde von Beginn an zu klein konzipiert“, erklärte Mehdorn die Ursache der vielen Probleme. „Berlin und Brandenburg nach der Wende waren arm und hatten sehr viele andere Prioritäten. Sie mussten und wollten sparen.“

Deshalb hätten sie keinen Generalunternehmer engagiert, seien aber selbst auch nicht in der Lage gewesen, ein Großprojekt wirksam zu steuern und zu kontrollieren. Verheerend seien die ständigen Planänderungen gewesen. „Wer ein Einfamilienhaus plant und es heimlich in ein Dreifamilienhaus ändert, darf sich am Ende nicht über Zeit- und Terminüberschreitungen wundern.“

Hinzu komme das komplexe Baurecht, das alle Großprojekte erschwere. Termin- und Kostenprobleme hatten und haben auch andere Vorhaben wie etwa das Bahnprojekt Stuttgart 21 und die Elbphilharmonie in Hamburg. Eine Kommission im Bundesverkehrsministerium hatte deshalb bis 2015 viele Vorschläge gemacht, damit es bei künftigen Vorhaben besser läuft. „In diesem Bericht ist alles zum Thema Bau gesagt, aber leider ist er folgenlos geblieben“, kritisierte Mehdorn.

Problematisch am BER sei auch die Struktur mit drei Eigentümern gewesen. Berlin, Brandenburg und der Bund hätten über die Jahre unterschiedliche Interessen, Behörden und Parteienkonstellationen gehabt. „Viele Köche verderben den Brei“, bilanzierte Mehdorn.

Neuorganisation der Baustelle

Auch Mühlenfeld kritisierte, dass die Verantwortlichen die Pläne für den Flughafen zu häufig geändert haben, ohne auf bautechnische Themen zu achten. Er verwies darauf, dass ins Terminal noch nach Baubeginn 2006 ein zusätzliches Geschoss eingezogen wurde sowie Seitenflügel und Gates für das Riesenflugzeug A380 angedockt wurden.

„Ein havariertes Projekt auf Kurs zu bringen ist immer schwer“, sagte Mühlenfeld, der heute für die Fluggesellschaft Ryanair arbeitet. Die Neuorganisation der Baustelle nach seinem Weggang 2017 habe das Projekt ein weiteres Jahr gekostet. Mühlenfeld selbst hatte die Neuaufstellung angestrebt, verlor darüber aber das Vertrauen des Aufsichtsrats. Nachfolger wurde der heutige Flughafenchef Lütke Daldrup.

Mühlenfeld hofft, dass der neue Flughafen auch unter hoher Auslastung so gut wie Tegel funktioniere, um die Investitionen wieder hereinzuholen. Er wünsche dem Projekt, dass nicht noch nachträglich Baumängel auftauchen.

Und Rainer Schwarz? Der Manager, immerhin sieben Jahre lang BER-Chef, hält sich heute bedeckt, wenn er auf den Flughafen angesprochen wird. Auf Anfrage teilte er lediglich mit, er freue sich, dass der Airport nach so langer Zeit nun endlich den Betrieb aufnehme. Näher wollte er sich aber nicht äußern.
Mit Agenturmaterial

Rund sechs Milliarden Euro wurden am BER verbaut, drei Mal so viel wie geplant. Foto: dpa
Rund sechs Milliarden Euro wurden am BER verbaut, drei Mal so viel wie geplant. Foto: dpa