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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Deutsche Bank glänzt im Handel, Auto1 krempelt Gebrauchtwagengeschäft um, europäische Aktien geben Gewinne ab, Koalition versüßt Folgen ihrer Lockdown-Politik, und Bund-Hilfen für Lufthansa gehen zulasten von Condor. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Deutsche Bank glänzt im Handel

Die Deutsche Bank hat im Handelsbereich 2020 ein Ergebnis erzielt, das die meisten Wettbewerber an der Wall Street hinter sich ließ, und CEO Christian Sewing konnte den ersten Jahresgewinn seit sechs Jahren berichten. Die Dynamik im Handel habe sich seit Jahresbeginn fortgesetzt, sagte CFO James von Moltke in einem Bloomberg-Interview, nannte aber keine Details. Die Aktien der deutschen Großbank, die sich seit Ende März mehr als verdoppelt haben, gehörten am Donnerstag trotzdem zu den Verlierern. Stärker gebeutelt wurde Finanzplatz-Nachbar Commerzbank, die aufgrund von Pandemie-Abschreibungen und Restrukturierungsbelastungen für das vergangene Jahr einen Verlust von fast 2,9 Milliarden Euro auswies. Für Aktienhandel, -vertrieb und -research prüft sie Kooperationen.

Auto1 krempelt Gebrauchtwagengeschäft um

Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 Group legte bei seinem Debüt in Frankfurt 49% zu, nachdem der Börsengang 1,8 Milliarden Euro eingebracht hatte. Die gleichnamige Händlermarke des deutschen Unternehmens verkauft Autos über Online-Auktionen an mehr als 60.000 gewerbliche Händler. “Dies ist ein weiteres Unternehmen, das eine Branche umkrempelt”, sagte Guillermo Hernandez Sampere von MPPM EK. “Autohändler, wie wir sie kennen, werden verschwinden”. Im Kraftfahrzeugbereich stehen in diesem Jahr weitere Börsengänge an. Daimler plant, sich in den weltgrößten Hersteller von Luxusautos und Nutzfahrzeugen aufzuspalten, sich in Mercedes-Benz umzubenennen und die Lkw-Sparte bis zum Jahresende separat zu listen. Oddo BHF stuften die Aktien auf Outperform herauf, der Kurs legte zu.

Europäische Aktien geben Gewinne ab

Die europäischen Aktien haben ihre Gewinne im Verlauf des Vormittags fast vollständig wieder abgegeben. Inmitten der Berichtssaison lag der Stoxx 600 Index gegen Mittag knapp im Plus, Reise- und Freizeitwerte sowie Energieaktien führten die Gewinne an.“Insgesamt sind die Gewinne besser als erwartet, mit positiven Prognosen für das Jahr, aber die Investoren nutzen die Gelegenheit zum Verkauf, so dass wir keine dauerhaften Anstiege sehen”, sagte Ricardo Gil von Trea Asset Management in Madrid. In Deutschland legten Bayer bis zu 5,9% zu, nachdem das Unternehmen einen Plan zur Beilegung künftiger Rechtsstreitigkeiten angekündigt hatte. Fresenius SE und Fresenius Medical Care verloren nach einer Herabstufung bei der Deutschen Bank.

Koalition versüßt Folgen ihrer Lockdown-Politik

In ihrer ersten Klausursitzung 2021 hat die Regierungskoalition in Berlin weitere Finanzhilfen für Unternehmen, Gaststätten, Familien und Arme beschlossen, um die negativen Folgen ihrer Corona-Politik zu dämpfen. Dies geht aus einem Bloomberg vorliegenden Papier von Union und SPD hervor. Unternehmen erhalten eine Ausweitung des Verlustrücktrags, die Gastronomie profitiert länger als bisher geplant von einem verringerten Mehrwertsteuersatz. Deutschland hat 784 neue Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet, die 4-Tage-Reproduktionsrate fiel auf 0,75. Das Land liegt bei Impfungen je 100 Einwohner auf Platz 21 weltweit. Wohlstand, Ordnungssinn und eine starke heimische Pharmaindustrie sind keine Garanten für eine erfolgreiche Impfkampagne, zeigt auch das Beispiel Schweiz.

Bund-Hilfen für Lufthansa gehen zulasten von Condor

Die Deutsche Lufthansa unternimmt einen Vorstoß ins Ferienflugsegment. Das bringt den mit Staatshilfe aufgepäppelten deutschen Branchenprimus auf Kollisionskurs mit Condor, die ebenfalls am Tropf der Regierung hängt. Lufthansa schickt seine zur Zeit überzähligen Langstreckenjets neuerdings nach Mauritius, die Dominikanische Republik oder Namibia, also zu Sonnenzielen, die sich nachfragseitig früher erholen dürften als das Geschäftsreisesegment. Im Zuge dessen hat die Kranichlinie auch eine Vereinbarung mit Condor gekündigt, die dem kleineren Wettbewerber über 50 Jahre lang Passagiere per Lufthansas Kurzstreckennetz zugeführt hat. In Berlin wächst der Unmut, dass der Strategieschwenk der Lufthansa auf Kosten der Condor stattzufinden scheint - und die Sorge, dass der Staatskredit über 550 Millionen Euro bei einer Condor-Pleite futsch sein könnte.

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