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Easyjet will CO2-Emissionen ausgleichen

Der Billigflieger Easyjet will künftig seine Emissionen ausgleichen. Das sei kein Marketinggag, betont Airline-Chef Lundgren. Er hat ambitioniertere Ziele.

Es war ein herausforderndes Jahr, räumte der Chef des britischen Billigfliegers Easyjet, Johan Lundgren, am Dienstag ein, als er den Investoren die Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr präsentierte. Das Ergebnis vor Steuern fiel um 26 Prozent auf 427 Millionen Pfund (499 Millionen Euro). Das bekommen auch die Aktionäre zu spüren: Die Dividende soll auf 43,9 Pence von 58,6 Pence gekürzt werden.

Zwar flogen im vergangenen Geschäftsjahr mehr Passagiere mit Easyjet – die Zahl der Kunden stieg um fast neun Prozent auf 96,1 Millionen – aber dafür musste die Fluggesellschaften auch mehr Flugzeuge bereitstellen, und auch die Rechnung für Treibstoff fiel höher aus als zuvor. Letztlich lag die Auslastung bei 91,5 Prozent und damit 1,4 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Auch zahlten die Passagiere im Schnitt weniger: Die Gesamteinnahmen pro Sitzplatz sanken um 1,8 Prozent auf 60,81 Pfund. Für das laufende Halbjahr gab sich Easyjet-Chef Lundgren zuversichtlich: Die Vorausbuchungen für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2020 seien „ermutigend“, sagte er. Die Buchungen lägen leicht über denen des Vorjahres.

Aber das erwartete Kapazitätswachstum im Jahr 2020 werde am unteren Ende der bisherigen Prognosen von drei bis acht Prozent pro Jahr liegen. Zugleich dürften die Kosten weiter steigen. Was die Ticketpreise angeht, bezeichnet Easyjet-Chef Lundgren den Markt als „sehr dynamisch und sehr wettbewerbsintensiv“.

50 Prozent der Easyjet-Tickets seien zuletzt für unter 50 Pfund verkauft worden, im Schnitt lag der Preise bei 52,15 Pfund. Das untermauere Lundgrens Erwartung, dass der Konkurrenzkampf der Billigflieger noch nicht zu Ende sei. „Wir rechnen damit, dass es auch in Zukunft ein sehr wettbewerbsintensiver Markt bleiben wird“.

Gleichwohl räumte der Airline-Chef ein, von Problemen der Konkurrenten profitiert zu haben: Streiks bei Ryanair und British Airways führten dazu, dass Easyjet mehr Kunden anlocken konnte. Zudem riss die Pleite von Thomas Cook ein Loch in den Markt – das Easyjet unter anderem auch mit einer neu gegründeten Firmensparte füllen will.

Ab diesem Winter können britische Kunden Paketreisen bei Easyjet buchen, im kommenden Jahr soll das Angebot auch „in einem weiteren großen Markt angeboten werden“, erklärte Easyjet-Chef Lundgren. Er glaube, dass es eine Marktlücke für ein solches Angebot gebe, zumal Easyjet angesichts seines dichten Streckennetzes flexibler als andere Anbieter sei. „Ob mit oder ohne Thomas Cook werden wir das Geschäft erfolgreich machen“.

Positive Reaktion auf Flüge mit Netto-Null-Emissionen

An der Börse fielen die Reaktionen positiv aus: Die in London notierte Aktie – die im vergangenen Sommer aus dem wichtigen Index FTSE-100 gefallen war – stieg am Morgen um über vier Prozent auf 13,33 Pfund. „Es ist beruhigend, dass die Ergebnisse genau den Zahlen entsprechen, welche das Unternehmen angekündigt hatte“, erklärte Marktexperte Russ Mould von der Investmentgesellschaft AJ Bell.

Zudem stellte eine Ankündigung die Zahlen in den Schatten: Ab dem heutigen Tag will Easyjet seine Emissionen ausgleichen. In dem laufenden Geschäftsjahr würden dadurch Kosten von rund 25 Millionen Pfund anfallen.Die CO2-Emissionen will Easyjet unter anderem mit forstwirtschaftlichen, erneuerbaren und kommunalen Klimaschutzprojekten ausgleichen.

Dass es sich dabei nur um einen Marketinggag handelt, wies der Airline-Chef zurück. Es sei die wirksamste Maßnahme, bis man langfristig bessere Methoden umsetzen könne, beteuerte er: „Wir sind uns bewusst, dass Kompensation nur eine Übergangsmaßnahme ist, aber wir wollen jetzt etwas gegen unsere CO2-Emissionen unternehmen“.

Weil Easyjet neuere und sparsame Flugzeuge einsetze, sei die Flugzeugflotte schon jetzt effizienter als andere aufgestellt. Langfristig setzt die Airline ohnehin auf neue Technologien: Easyjet arbeitet gemeinsam mit Wright Electric, einem Start-up-Unternehmen aus Los Angeles, an einem elektrisch betriebenen Passagierflugzeug.