Werbung
Deutsche Märkte öffnen in 3 Stunden 2 Minuten
  • Nikkei 225

    39.098,68
    +836,48 (+2,19%)
     
  • Dow Jones 30

    39.069,11
    +456,87 (+1,18%)
     
  • Bitcoin EUR

    47.305,72
    -191,50 (-0,40%)
     
  • CMC Crypto 200

    885,54
    0,00 (0,00%)
     
  • Nasdaq Compositive

    16.041,62
    +460,72 (+2,96%)
     
  • S&P 500

    5.087,03
    +105,23 (+2,11%)
     

Russland wollte den Ölpreis hochtreiben, doch die meisten Opec-Staaten ließen Putin abblitzen – jetzt wird Öl sogar billiger

Russland und Saudi-Arabien wollen höhere Ölpreise, doch die meisten Opec-Länder machen bei einer Drosselung der Produktion nicht mit.  - Copyright: Getty Images
Russland und Saudi-Arabien wollen höhere Ölpreise, doch die meisten Opec-Länder machen bei einer Drosselung der Produktion nicht mit. - Copyright: Getty Images

Russland und Saudi-Arabien sind mit dem Versuch, den Ölpreis wieder nach oben zu treiben, vorerst gescheitert. Ihrer Forderung, die Ölproduktion deutlich zu verringern, schlossen sich nur sechs Staaten aus dem erweiterten Ölkartell Opec+ an. Das Ergebnis einer Online-Konferenz Opec+ wurde an den Märkten als Beleg gewertet, dass das Kartell zerstritten ist. Der Preis für Rohöl fiel unmittelbar nach der Konferenz deutlich.

Russland und Saudi-Arabien hatten ihre Ölförderung bereits seit einigen Monaten reduziert. Dies hatte den Ölpreis im September spürbar steigen lassen. Mittlerweile sinkt der Ölpreis jedoch, trotz der Sorgen um eine Ausweitung des Krieges zwischen Israel und der Hamas auf wichtige Ölländer im Nahen Osten.

Die Opec+ 20 Öl-exportierenden Ländern. Nur acht von ihnen reduzieren ihre Fördermenge. Russland  und die Opec+ bezifferten die geplante Kürzung auf insgesamt 2,2 Millionen Barrel pro Tag. Darin ist jedoch die Verlängerung bereits bestehenden Drosselungen um 1,3 Millionen Barrel durch Saudi-Arabien und Russland enthalten, sowie eine geplante Export-Reduktion russischer Raffinerieprodukte. Zusätzlich wollen Opec+-Staaten die Rohöl-Produktion im ersten Quartal 2024 nur um weitere 700.000 Fasspro Tag reduzieren. Zum Vergleich: Täglich kommen weltweit rund 102 Millionen Fass Rohöl auf den Markt.

Die Ölpreise fielen als Reaktion auf die Uneinigkeit der Opec de. Ein Barrel der für Deutschland maßgeblichen Nordseesorte Brent kostete am Freitagmorgen 80,50 US-Dollar. Das waren rund 2,50 Dollar weniger als vor der Opec-Konferenz. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel in ähnlichem Ausmaß auf 75,80 Dollar.

Russland hatte bereits einmal mit Einschränkungen beim Export von Diesel, den Preis für Diesel stark steigen lassen, dies aber nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen. Russland steht außerdem im Verdacht, mehr Öl auf den Markt zu bringen, als es offiziell ankündigt. Das Land ist seit dem Überfall auf die Ukraine mit Sanktionen belegt. Frühere westliche Kunden kaufen Öl aus Russland gar nicht mehr oder nur noch bis zu einem Höchstpreis von 60 Dollar pro Fass. Diese Preisgrenze hatten die G-7-Staaten und Australien beschlossen. Russland umgeht die Preisgrenze mit einer eigenen Schattenflotte mit alten Öltankern. Seine Exportmengen sind daher nur schwer einzuschätzen.

Die Opec+ teilte außerdem mit, dass Brasilien Anfang des kommenden Jahres dem Kartell beitreten soll. Brasilien gilt als aufstrebender Ölproduzenten und hat seine der Produktion in den vergangenen Jahren ausgeweitet.

Zuletzt stimmten zehn Staaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), sowie zehn weitere Länder der Opec+ ihre Förderziele ab, um die Preise zu steuern. Die Gruppierung wird von Russland und Saudi-Arabien dominiert. Die Mitglieder stehen für rund 40 Prozent des weltweiten Öl-Angebots.

Die Ölproduktion liegt aktuell auf Rekordniveau. Das hält den Ölpreis relativ niedrig und hilft daher dem Wirtschaftswachstum und dem weltweiten Wohlstand – erschwert aber Bemühungen um den Klimaschutz. Die Sitzung des Öl-Kartells fand am Eröffnungstag der Weltklimakonferenz (COP28) statt. Das UN-Umweltprogramm hatte in Dubai darauf hingewiesen, dass die Fördermengen an Öl, Gas und Kohle weit höher seien als es mit der Eindämmung des Klimawandels vereinbar wäre.

Die Internationale Energieagentur (IEA) kritisierte, dass der Öl- und Gassektor „bei der Energiewende von der Seitenlinie aus zuschaut“. Die IEA forderte, nicht mehr nach neuen Fördergebieten zu suchen, und Emissionen bei Transport und Förderung von Rohstoffen drastisch zu reduzieren.

OPEC-Generalsekretär Haitham Al Ghais reagierte verärgert. „In einer Welt, in der wir mehr Dialog brauchen, ist es nicht konstruktiv, mit dem Finger auf Andere zu zeigen“ sagt er. Globale CO2-Emissionen sollten zwar reduziert werden, gleichzeitig müsse aber Wirtschaftswachstum, sozialer Aufstieg und Energieversorgung gesichert sein, betonte Al Ghais.

Die Ölpreise sind am Freitag im frühen Handel weiter gesunken. Im Vergleich zum Vortag war der Rückgang aber moderat. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete am Morgen 80,58 US-Dollar. Das waren 28 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um neun Cent auf 75,87 Dollar.

Am Donnerstag war der Preis für Rohöl aus der Nordsee noch deutlich stärker gefallen, um etwa zwei Dollar je Barrel. Zwar hatte die Opec+ nach einem Treffen der Mitgliedsstaaten eine weitere Kürzung der Fördermenge angekündigt. Der Beschluss sieht allerdings eine freiwillige Beschränkung vor, und mit Angola hat ein Mitgliedsland seine Quote bereits abgelehnt.

Schon in den vergangenen Monaten wurde die bestehende Förderkürzung immer wieder von einzelnen Mitgliedsstaaten der Opec+ unterlaufen, was einer vom Ölverbund gewünschten Stützung der Ölpreise entgegenwirkt. Immerhin hatte das führende Opec-Land Saudi-Arabien deutlich gemacht, dass es seine separate Produktionskürzung um eine Million Barrel pro Tag bis zum ersten Quartal des kommenden Jahres verlängern werde.

Mit Material von dpa