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Insiderbericht: Lieferdienst Getir jetzt kurz vor der Übernahme von Flink?

Fährt der pinke Lebensmitteldienst Flink bald unter anderer Flagge? Geht es nach Insidern, könnte ein Verkauf an Getir kurz bevorstehen. - Copyright: picture alliance/dpa | Andreas Arnold
Fährt der pinke Lebensmitteldienst Flink bald unter anderer Flagge? Geht es nach Insidern, könnte ein Verkauf an Getir kurz bevorstehen. - Copyright: picture alliance/dpa | Andreas Arnold

Schon einmal stand Getir kurz davor, den Schnelllieferdienst Flink zu übernehmen. Im letzten Moment sprang dann aber doch Rewe zusammen mit anderen Investoren ein, um Geld nachzuschieben. Die steckten im Mai 2023 insgesamt 150 Millionen Euro in das Startup, das weiterhin rote Zahlen schreibt. Im Management des Handelskonzerns, der allein ein Drittel der Summe beisteuerte und 12 Prozent der Anteile hält, soll es geteilte Meinungen darüber geben. Flink sah zuletzt jedoch keine Anzeichen dafür, dass Rewe als Investor aussteigt.

Nun liefern Insider aber neuen Stoff: Wie das Manager Magazin zuerst berichtete, sollen Quellen aus dem Unternehmensumfeld bestätigt haben, dass Getir über eine Übernahme mit Flink verhandelt. Die Gespräche seien bereits weit fortgeschritten und es könnte nicht mehr lange dauern, bis der Deal abgeschlossen würde. Dennoch erklärte Flink gegenüber dem Magazin, dass ihnen „mehrere attraktive Kaufangebote von Lieferdiensten“ vorliegen würden. Demnach hätten auch Just Eat Takeaway, der Mutterkonzern hinter Lieferando, sowie Uber Eats Interesse an Flink gezeigt. Ein Verkauf an den türkischen Anbieter gelte dabei aber als wahrscheinlichste Option.

Wohl auch, weil der Staatsfonds Mubadala aus Abu-Dhabi, der sowohl Anteile an Flink als auch am Konkurrenten Getir hält, von einem Zusammengehen seiner Investments profitieren würde. Bereits bei den Finanzierungsgesprächen im vergangenen Jahr hatte Mubadala nach Informationen von Gründerszene hinter den Kulissen stark auf einen Verkauf an Getir gedrängt. Die Investmentrunde war der Fonds daher auch nicht mehr mitgegangen.

Getir würde durch Flink-Übernahme zum deutschen Marktführer aufsteigen

Auf Nachfrage von Gründerszene will Getir die Marktgerüchte nicht kommentieren. Ebenso will sich Rewe zu den Spekulationen nicht äußern. Von Flink heißt es, der rosfarbene Lieferdienst habe zum Jahresbeginn eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, die das Unternehmen bis zur Profitabilität bringen könne. Operativ wirtschafte Flink in den großen Märkten bereits gewinnbringend, allerdings sorge die Konzernzentrale noch für einen Kostenüberschuss, der firmenweit zu einem Minus führe. Offiziell stellungnehmen, wie weit etwaige Gesprächsangebote fortgeschritten sind, wolle Flink zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht.

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Nachdem Getir im Dezember 2022 bereits den Berliner Schnelllieferdienst Gorillas übernommen hat, könnte sich der türkische Anbieter durch den Kauf von Flink die Marktführerschaft in Deutschland einverleiben. Hier soll Flink rund 80 Prozent des Marktes dominieren. Zudem ist das Startup in den Niederlanden und Frankreich aktiv. Im Jahr 2022 machte der pinke Schnelllieferdienst einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro.

Seit längerem findet in der Lieferdienst-Branche dabei eine Konsolidierung statt, der Markt konzentriert sich zunehmend auf wenige, mächtige Player. Branchen-Beobachter sprechen daher auch von einem „Winner-takes-all-Markt“.

Knuspr, Picnic, Wolt: Expansionsvorhaben der Konkurrenz setzen Getir unter Druck

Der Anbieter Knuspr hat etwa im September 2023 den Lieferdienst Bringmeister in München geschluckt. Zudem hat das Tochterunternehmen des tschechischen Online-Lebensmittelhändlers Rohlik Group angekündigt, im Frühling 2024 nach Berlin zu expandieren. Bis 2023 sollen insgesamt 15 weitere deutsche Städte folgen. Am Standort München wirtschafte Knuspr eigenen Angaben zufolge bereits profitabel. Generell schafft es bisher kaum einer der Anbieter, flächendeckend schwarze Zahlen zu schreiben.

Das niederländische Unternehmen Picnic, das Lebensmittel in Elektro-Vans per „Milchmann-Prinzip“ ausliefert, verbuchte 2022 für das Deutschland-Geschäft noch einen Verlust in Höhe von über 60 Millionen Euro. Trotzdem expandiert Picnic derzeit in 40 deutsche Städte und will seine Präsenz auch in Frankreich ausbauen. Kürzlich sammelte das Startup dafür rund 355 Millionen Euro von Investoren ein. Dass Bringdienst Wolt sein Geschäftsmodell von reinen Essens-Lieferungen von Restaurants inzwischen auf Lebensmittel und Non-Food-Produkte ausweitet, setzt Wettbewerber Getir zusätzlich unter Druck. Durch eine Partnerschaft mit Flink sollen in der Wolt-App künftig etwa Produkte der Rewe-Eigenmarken gekauft werden. Eine Übernahme von Flink würde die Karten wieder neu mischen.

Flink wohl weniger als eine Milliarde Euro wert

So oder so sind die Marktausssichten für Lieferdienste eher düster: Infolge der Inflation ist die Nachfrage nach Bestellungen stark zurückgegangen. Nach dem Boom in den Coronajahren sind inzwischen weniger Kunden bereit, hohe Liefergebühren und vergleichsweise höhere Preise für Lebensmittel zu bezahlen, wenn sie ebenso gut selbst in den Supermarkt laufen können. Hinzu kommt, dass die Startups hohe Kosten für den Betrieb von Lagerhallen („Dark Stores“) und für die Gehälter von Mitarbeitern schultern müssen. Flink und Getir mussten in den vergangenen Monaten daher schon große Teile der Belegschaft entlassen.

Nachdem Flink durch die Notfinanzierung bereits eine massiv gesunkene Unternehmensbewertung in Kauf nehmen musste – von 2,5 Milliarden auf rund eine Milliarde Euro –, dürfte die Kaufsumme jetzt noch darunter liegen.