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Ich habe drei Jahre lang Geld über einen Robo-Advisor angelegt – das Ergebnis war ernüchternd

Unsere Kolumnistin Margarethe Honisch. - Copyright: Marcus Witte
Unsere Kolumnistin Margarethe Honisch. - Copyright: Marcus Witte

Wir leben im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI), das uns unser Leben nun endlich erleichtern soll: Unsere persönliche Assistentin heißt Siri, unser Auto sorgt dafür, dass wir alle auch endlich seitlich einparken können und wenn unser Partner schläft, können wir dank Gesichtserkennung in Ruhe all seine privaten Nachrichten lesen. Nein, dies solltet ihr natürlich nicht tun.

Warum also unser Leben nicht auch mit KI bei der Geldanlage vereinfachen? Um dies herauszufinden, habe ich es ausprobiert und mein Geld mithilfe eines Robo-Advisors investiert.

Standardisierte Anlagestrategien und fehlende Individualität

Zunächst mal: Wie funktioniert KI bei Investitionen? Ein Robo-Advisor nutzt Algorithmen und KI-Modelle, um auf Basis historischer Daten und Markttrends Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen am Markt zu treffen. Auf Basis dieser Vorhersagen werden dann automatisch Anlageentscheidungen getroffen, die auf eure individuellen Bedürfnisse und Ziele abgestimmt sind.

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Was Robo-Advisor mit Anlageberatern gemein haben, ist, dass sie zunächst durch standardisierte Fragen herausfinden wollen, welcher Risikotyp ihr seid. Dazu beantwortet man die klassischen: Wie lange möchte ich mein Geld investieren? Welche Rendite will ich dabei erzielen? Welche Verluste bin ich bereit einzugehen, wenn dafür umso höhere Gewinnmöglichkeiten möglich sind?

Obwohl das Investieren in ihrer Kindheit kein Thema war, hat sie inzwischen über 300 Immobilien: Deutsch-Türkin Janina Ellen Sari.
Obwohl das Investieren in ihrer Kindheit kein Thema war, hat sie inzwischen über 300 Immobilien: Deutsch-Türkin Janina Ellen Sari.

Wer sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat, muss dabei verstehen, dass Rendite immer auch mit Risiko verbunden ist. Will ich die Chance auf mehr Wachstum haben, muss ich auch in Kauf nehmen, dass ich auch einen Teil des Geldes verlieren kann.

Drei Jahre zurückgespult: Bei meinem Test entscheide ich mich für volles Risiko. Ausgehend davon, ermittelt der Computer dann die passende Anlagestrategie. Hier sehe ich schon das erste Problem. Es gibt nur eine Handvoll vorgefertigter Anlagestrategien, und ich werde nun einer davon zugeordnet. An dieser Stelle hätte ich mir mehr Individualität gewünscht.

Ich kann mich aber noch einmal für eine Aktienquote entscheiden und wähle das Maximum, das möglich ist: 70 Prozent Aktienquote. Persönlich hätte ich sogar noch mehr genommen, aber das lässt die KI nicht zu.

Nach wenigen Augenblicken ist meine Anlagestrategie fertig und ich sehe nun, worin ich mein Geld in den nächsten Jahren investieren werde: 70 Prozent Aktien, 25 Prozent Anleihen und fünf Prozent Geldmarkt. Klingt soweit sehr vernünftig und immerhin werden risikofreudige Personen, die wie ich lieber komplett in Aktien gehen würden, daran erinnert, auf dem Teppich zu bleiben.

Eigentlich ganz gut, denke ich mir. Wie oft habe ich schon gesehen, dass Menschen ihr gesamtes Geld an der Börse investieren, ohne sich der Risiken bewusst zu sein. Wer einen Robo-Advisor nutzt, hat sich entweder noch nicht ausreichend mit Geldanlage beschäftigt, es nicht verstanden – oder hat keine Lust, die passenden Assets auszuwählen und das Depot einmal im Jahr zu pflegen.

Jetzt bin ich auf die Aufteilung gespannt: Was genau ist im Depot?

Und ganz ehrlich – an dieser Stelle kommt die Ernüchterung. Denn dafür bräuchte es wahrlich keine KI. Mein Depot besteht nun zum größten Teil aus einem MSCI World und einem MSCI Emerging Markets. Sozusagen die Gassenhauer der Finanzbranche. Daneben gibt es noch ein paar klassische Staats- und Unternehmensanleihen-ETFs. Okay, dafür hätte ich nun wirklich keine KI gebraucht.

Und selbst jede Person, die sich nur einen ganzen Tag lang Zeit nimmt und mit der Materie beschäftigt, wird schnell auf genau so eine ähnliche Anlagestrategie stoßen: 70 Prozent sollte man weltweit in Aktien investieren, 30 Prozent in Anleihen mit guter Bonität, vorzugsweise Europa.

Ich investiere meine ersten 50 Euro, die ich als monatlichen Sparplan aufgesetzt habe – und warte ab, was passiert.

Die Enttäuschung nach drei Jahren: die Rendite

Wir wissen alle, dass die letzten Jahre eine harte Zeit an der Börse waren. Trotzdem gab es auch viele Erholungen und eine KI ist ja auch dazu da, Abschwünge zu erkennen und rechtzeitig in die richtigen Papiere umzuschichten – oder?

Der Blick ins Depot ist nach drei Jahren ernüchternd: Meine gesamte Rendite liegt bei etwa einem Prozent! Denn obwohl ich keine Renditen erzielt habe, habe ich trotzdem weiterhin Gebühren auf meinen Depotwert bezahlt. Ziehe ich dabei noch die Inflation in Betracht, habe ich de facto einiges an Geld verloren. Im Vergleich dazu: Allein mit dem MSCI World hätte ich im gleichen Zeitraum inflationsbereinigt sieben Prozent Rendite erwirtschaftet.

Mein Resümee: Mit einem Robo-Advisor können unerfahrene Anleger am Anfang zwar viel Zeit sparen. Aber wer auf das falsche Angebot setzt, kann über einen langen Zeitraum betrachtet Rendite verlieren – so jedenfalls meine persönliche Erfahrung.

Falls ihr mit einem Robo-Advisor starten wollt, informiert euch vorher ganz genau, wie euer Geld investiert wird, welche Renditen in der Vergangenheit erzielt wurden und wie hoch eure Gebühren dafür sind.

Ich finde, dass Geldanlage dank ETFs wirklich einfach und von jedem und jeder schnell erlernbar ist. Daher mein persönlicher Tipp: Investiert lieber ein paar Abende in der Woche, um euch selbst darüber zu informieren, anstatt eure finanzielle Zukunft in die Hände einer unbekannten KI zu legen.

Margarethe Honisch ist Finanzbloggerin und Buchautorin. Auf ihrer Website Fortunalista und ihrem gleichnamigen Instagram-Account gibt sie Tipps rund um Altersvorsorge und Geldanlage. Für Business Insider schreibt sie die Kolumne „Aus Geld mehr machen“.