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Immer wieder droht Putin mit Atomwaffen – das wären drei Szenarien, wie er sie wirklich einsetzen könnte

Durch die Geländegewinne der Ukrainer und die zunehmende internationale Isolation fühlt er sich offenbar in die Enge getrieben: Kreml-Chef Wladimir Putin. - Copyright: picture alliance / Marat Abulkhatin/TASS/dpa | Marat Abulkhatin
Durch die Geländegewinne der Ukrainer und die zunehmende internationale Isolation fühlt er sich offenbar in die Enge getrieben: Kreml-Chef Wladimir Putin. - Copyright: picture alliance / Marat Abulkhatin/TASS/dpa | Marat Abulkhatin

Es ist die größte nukleare Bedrohung für die Sicherheit der Welt: Immer wieder droht der russische Präsident Wladimir Putin Atomwaffen einzusetzen – Sicherheitsexperten halten das auch für einen Versuch, die Invasion in der Ukraine noch zu retten.

Erst vergangene Woche sagte Putin, Russland werde "alle verfügbaren Mittel" einsetzen, um die Sicherheit Russlands zu gewährleisten, nachdem er ohne internationale Anerkennung vier ostukrainische Provinzen zu einem Teil Russlands erklärt hatte. Die USA hätten "einen Präzedenzfall geschaffen", als sie 1945 zwei Atombomben auf Japan abwarfen, fügte er hinzu. Trotz Putins Ankündigungen wies der Kreml den Vorschlag des tschetschenischen Führers Ramsan Kadyrows zurück: Er erwog den Einsatz von "Atomwaffen mit geringer Sprengkraft" in der Ukraine.

Noch halten viele westliche Militärexperten das Risiko, dass Putin Atomwaffen einsetzen wird, deshalb für gering. Doch mit den ukrainischen Geländegewinnen und den militärischen Rückschlägen Russlands in der Südostukraine könnten die Drohungen zunehmen und damit auch das Risiko steigen. Doch was ist über die Atomwaffen Putin und deren Einsatz überhaupt bekannt?

Die Art der Raketen: "Taktische" Atomwaffen

In der Ukraine geht es um kleine, sogenannte taktische Atomwaffen, die auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden können. Sie sollen Ziele in speziellen Gebieten zerstören. "Sogenannte taktische Atomraketen für den Einsatz auf dem Schlachtfeld haben in der Regel eine Sprengkraft von einer bis 50 Kilotonnen [TNT] … mit einer verheerenden Wirkung über ein Gebiet von typischerweise zwei Quadratmeilen", sagte General Sir Richard Barrons, ehemaliger Leiter des britischen Kommandos für gemeinsame Streitkräfte, am Montag der BBC.

Die USA und die UdSSR verfügten einst über riesige Vorräte, doch nach dem Ende des Kalten Krieges gaben die USA bis auf 230 alle auf, da sie der Meinung waren, dass "immer effizientere konventionelle Waffen die Aufgabe besser erfüllen könnten", so eine 1989 vom Bulletin of the Atomic Scientists veröffentlichte Analyse, auf die sich die "Financial Times" bezieht.

Die USA und Russland verfügen über rund 90 Prozent der Atomwaffen auf der Erde. Anfang 2022 hatte Russland nach jüngsten Schätzungen des Friedensforschungsinstituts Sipri 5977 Nuklearwaffen und die USA hatten 5428 in ihrem Bestand.  - Copyright: picture alliance/dpa/dpa-infografik GmbH | dpa-infografik GmbH
Die USA und Russland verfügen über rund 90 Prozent der Atomwaffen auf der Erde. Anfang 2022 hatte Russland nach jüngsten Schätzungen des Friedensforschungsinstituts Sipri 5977 Nuklearwaffen und die USA hatten 5428 in ihrem Bestand. - Copyright: picture alliance/dpa/dpa-infografik GmbH | dpa-infografik GmbH

Aktuell verfügt Russland über etwa 2000 taktische Atomsprengköpfe von 5977 Sprengköpfen insgesamt. Sie können auf verschiedenen Systeme für konventionelle Sprengstoffe, wie etwa Kalibr-Marschflugkörper, angebracht und von Land oder vom Wasser aus abgeschossen werden. Zum Vergleich: Die USA besitzen 5428 Sprengköpfe insgesamt, gefolgt von China mit 350 und Frankreich mit 290, laut dem Stockholm International Peace Research Institute( SIPRI).

Wie könnten diese Atomwaffen eingesetzt werden?

Laut Experten der "Financial Times" gibt es drei Möglichkeiten, wie Russland taktische Atomwaffen einsetzen könnte.

Die erste Möglichkeit ist von rein demonstrativer Natur – ein nuklearer Schuss, der keine Menschen tötet. Es könnte eine Detonation unter der Erde, über dem Schwarzen Meer, auf einem unbewohnten Gelände oder hoch über der Ukraine sein. Der größte Teil des radioaktiven Staubs aus der Explosion würde sich innerhalb von 24 Stunden nach dem Einschlag wieder auf der Erde absetzen und könnte eine extreme biologische Gefahr darstellen. Andere Partikel könnten von den vorherrschenden Winden zerstreut werden und sich in viel geringeren Konzentrationen über weite Teile der Welt verteilen. Zunächst wäre der radioaktive Niederschlag groß, aber er würde innerhalb von 48 Stunden auf etwa ein Prozent der ursprünglichen Strahlung zurückgehen.

Fakt ist: Selbst ein demonstrativer Angriff würde die Eskalationsspirale in Gang setzen und könnte eine weltweite Gegenreaktion auslösen. Aber er könnte auch zeigen, dass Russland bereit ist, das Tabu in Bezug auf Atomwaffen zu brechen, dass es aber vorsichtig bleibt, wenn es darum geht, ihre Sprengkraft voll auszuschöpfen.

Die zweite Möglichkeit ist ein Angriff auf ein ukrainisches militärisches Ziel oder wichtige Infrastruktur - zum Beispiel ein Raketenangriff auf das Kernkraftwerk Saporischschja. Wie sinnvoll dies wäre, ist laut "Financial Times" ebenfalls fraglich. Die ukrainischen Streitkräfte sind weit verstreut. Außerdem hätten Ergebnisse aus Studien der US-Armee ergeben, dass ein Ein-Kilotonnen-Sprengkopf in einem Umkreis von 90 Metern um einen Panzer detonieren müsse, um ernsthaften Schaden anzurichten.

Zudem zitiert die Zeitung einige Experten, dass diese Angriffe nur bedingt sinnvoll wären. Denn auch Russlands Armee wäre dem radioaktiven Fallout ausgesetzt.

Der Angriff auf ein Nato-Mitglied wäre die größte Eskalationsstufe

Der dritte und am meisten eskalierende Schritt wäre ein Angriff auf ein Nato-Mitglied, einschließlich der USA – wie der Russe Dmitri Trenin, ehemaliger Leiter des Carnegie Moscow Center, eines russischen Think-Tanks, vorgeschlagen hat.

In einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen sagte Trenin vergangene Woche, Russland müsse zeigen, dass es einen US-Atomschlag ernst nehme, damit seine Abschreckung wirksam sei. Er fügte hinzu, dass der Westen auch falsch liege, wenn er annehme, Putin würde auf Niederlagen auf dem Schlachtfeld nur mit dem Einsatz von Atomwaffen gegen die Ukraine reagieren. "Es ist durchaus möglich, dass der Schlag nicht den Kriegsschauplatz trifft, sondern irgendwo in einiger Entfernung", sagte Trenin.

Der russische Präsident Wladimir Putin redet mit Ex-Kreml-Chef Dmitri Medwedew.
Der russische Präsident Wladimir Putin redet mit Ex-Kreml-Chef Dmitri Medwedew.

Wie der Westen auf einen Angriff auf die Nato reagieren würde, ist schwer vorherzusagen. Aber es würde der Artikel V, der eine kollektive Verteidigungsreaktion der anderen Nato-Mitglieder vorsieht, ausgelöst werden. Moskau würde einen verheerenden nuklearen Vergeltungsschlag durch die USA riskieren.

Jake Sullivan, Bidens nationaler Sicherheitsberater, sagte vergangenen Monat, dass jeder russische Atomwaffeneinsatz "katastrophale Folgen" haben würde, ohne zu präzisieren, wie diese Folgen aussehen könnten. Er stellte auch klar, dass die USA in privaten Gesprächen mit Moskau "ausbuchstabiert" hätten, wie der Westen reagieren würde. Am Sonntag warnte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor "schweren Konsequenzen für Russland". Dazu könnte ein konventioneller Militärschlag gehören, der Russlands Schwarzmeerflotte zerstört, wie der pensionierte CIA-Direktor und Armeegeneral David Petraeus am Sonntag vorschlug.

jel

Der russische Präsident Wladimir Putin
Der russische Präsident Wladimir Putin