Deutsche Märkte öffnen in 3 Stunden 10 Minuten
  • Nikkei 225

    27.394,04
    +273,51 (+1,01%)
     
  • Dow Jones 30

    30.273,87
    -42,43 (-0,14%)
     
  • BTC-EUR

    20.537,74
    +19,76 (+0,10%)
     
  • CMC Crypto 200

    462,51
    +4,11 (+0,90%)
     
  • Nasdaq Compositive

    11.148,64
    -27,77 (-0,25%)
     
  • S&P 500

    3.783,28
    -7,65 (-0,20%)
     

Wegen der Dürre werden in einem deutschen Fluss unheilvolle, jahrhundertealte "Hungersteine" freigelegt, die vor Not warnen

Ein Kind steht auf einem der "Hungersteine", die der niedrige Wasserstand der Elbe im Jahr 2018 offenbart.  - Copyright: REUTERS
Ein Kind steht auf einem der "Hungersteine", die der niedrige Wasserstand der Elbe im Jahr 2018 offenbart. - Copyright: REUTERS

Eine intensive Dürre lässt Flüsse in ganz Europa schrumpfen und legt Steine frei, die vor Jahrhunderten gemeißelt wurden, um künftige Generationen vor harten Zeiten zu warnen. Die Tageszeitung "Miami Herald" berichtete, dass die jahrhundertealten Felsbrocken, die als "Hungersteine" bekannt sind, letzte Woche wieder aufgetaucht sind, als die Flüsse in Europa aufgrund der Trockenheit versiegten.

Ein solcher Stein befindet sich am Ufer der Elbe, die in der Tschechischen Republik beginnt und durch Deutschland fließt. Der Stein stammt aus dem Jahr 1616 und ist mit einer Warnung auf Deutsch versehen: "Wenn du mich siehst, dann weine".

In einer Studie aus dem Jahr 2013 schrieb ein tschechisches Forscherteam, dass in diese Felsbrocken "die Jahre der Not und die Initialen von Autoren eingemeißelt sind, die der Geschichte verloren gegangen sind", und fügte hinzu, dass die "Inschriften vor den Folgen der Dürre warnen".

"Sie drückten aus, dass die Dürre eine schlechte Ernte, einen Mangel an Lebensmitteln, hohe Preise und Hunger für die arme Bevölkerung gebracht hatte", schrieben die Forscher. "Vor 1900 wird auf dem Stein an folgende Dürreperioden erinnert: 1417, 1616, 1707, 1746, 1790, 1800, 1811, 1830, 1842, 1868, 1892 und 1893."

Ein Blick auf den "Hungerstein" aus dem Jahr 1616.  - Copyright: REUTERS
Ein Blick auf den "Hungerstein" aus dem Jahr 1616. - Copyright: REUTERS

Diese Steine tauchten zuletzt während einer Dürrperiode 2018 auf, berichtete der Rundfunksender "NPR". Die derzeitige Dürre in Europa könnte jedoch die schlimmste seit 500 Jahren sein, so Andrea Toreti, leitender Forscher der gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission.

Auf einer Pressekonferenz am 9. August sagte Toreti, dass in den vergangenen 500 Jahren kein anderes Ereignis "mit der Dürre von 2018 vergleichbar war. Aber dieses Jahr, denke ich, ist schlimmer", berichtete der Sender "EuroNews". Er fügte hinzu, es bestehe "ein sehr hohes Risiko, dass die Trockenheit in den nächsten drei Monaten anhält".

Es gibt immer mehr Forschungsergebnisse, die häufigere und intensivere Dürren mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. Steigende globale Temperaturen führen zu veränderten Niederschlägen und verstärken die Verdunstung. Nach Angaben der Europäischen Dürrebeobachtungsstelle gilt für 47 Prozent der Fläche Europas eine Dürrewarnung. Das bedeutet, es herrscht ein Feuchtigkeitsdefizit im Boden. Weitere 17 Prozent der Flächen seien demnach in Alarmbereitschaft, das heißt, die Vegetation ist gefährdet.

Ein weiterer Stein am Elbufer wurde bei niedrigem Wasserstand im Jahr 2003 markiert. - Copyright: Sebastian Kahnert/picture alliance via Getty Images
Ein weiterer Stein am Elbufer wurde bei niedrigem Wasserstand im Jahr 2003 markiert. - Copyright: Sebastian Kahnert/picture alliance via Getty Images

Die Steine sind nicht das einzige verborgene Relikt, das aufgrund der Trockenheit in den europäischen Flüssen auftaucht. Der durch den Klimawandel bedingte Rückgang des Wassers im italienischen Fluss Po hat ebenfalls eine Reihe von archäologischen Schätzen ans Tageslicht gebracht.

Das gesunkene Schiffswrack eines Lastkahns aus dem Zweiten Weltkrieg tauchte im Juni wieder auf, nachdem der Fluss - der größte des Landes - während der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren einen niedrigen Wasserstand erreicht hatte. Kürzlich, Ende Juli, wurde in dem von der Dürre heimgesuchten italienischen Fluss eine 1 000-Pfund-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt, die zuvor unter Wasser lag.

"Die Bombe wurde von Fischern am Ufer des Po gefunden, nachdem der Wasserstand aufgrund der Dürre gesunken war", erklärte ein örtlicher Beamter gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters". Experten mussten sie sicher entfernen.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.