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"Ich war kurz vorm Heulen": Eine Mutter berichtet von einer Chaos-Fahrt mit ihrem E-Auto an die Ostsee durch einen Schneesturm

·Lesedauer: 6 Min.
Theresa Hümmer nutzt ihren i3 eher selten. Deshalb muss sie ihn meist nur alle ein bis zwei Wochen laden.
Theresa Hümmer nutzt ihren i3 eher selten. Deshalb muss sie ihn meist nur alle ein bis zwei Wochen laden.

Die Massenmobilität der Zukunft ist elektrisch - daran zweifelt in der Autoindustrie und der Politik kaum noch jemand. Doch während die Zulassungszahlen aufgrund von staatlichen Förderungen in die Höhe schnellen, kann der Ausbau der Ladeinfrastruktur mit dem schnellen Wachstum des E-Auto-Bestands nur bedingt mithalten.

Vor allem im ländlichen Raum sind Lademöglichkeiten vielerorts noch Mangelware. Zugegebenermaßen ist der Anteil batterieelektrischer Autos dort teils auch deutlich niedriger als in Ballungsgebieten. Wenn aber immer mehr Autofahrer zum Umstieg auf ein Elektrofahrzeug bewegt werden sollen, muss man auch dafür sorgen, dass sie überall in der Bundesrepublik Strom zapfen können. Dass dies aktuell nicht immer gewährleistet ist, musste Theresa Hümmer Anfang Januar am eigenen Leib erfahren.

Der BMW i3 ist ein talentiertes Stadtauto

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag hatte sich vor rund drei Jahren einen gebrauchten BMW i3 zugelegt, den sie seitdem hauptsächlich in Berlin bewegt. "Wir fahren ihn eigentlich nur in der Stadt und da ist er natürlich super, weil die Batterie ewig hält", meint sie im Gespräch mit Business Insider. Dank der Rekuperation lässt sich BMWs elektrischer Erstling im Großstadtverkehr offenbar sehr effizient bewegen: "In der Stadt verbraucht er gefühlt gar nichts, in Berlin fährt man aber ja eh auch nicht so viele Kilometer", fährt Hümmer fort. Auch das Laden sei in der Hauptstadt überhaupt kein Problem. Auswärts sieht das jedoch ganz anders aus.

Offiziell bietet ihr i3, der 2016 vom Band gerollt ist, nach der damaligen NEFZ-Norm eine Reichweite von 240 Kilometern. Im Rahmen ihres Kurztrips an die Ostsee musste Theresa Hümmer jedoch die leidige Erfahrung machen, dass sich dieser Laborwert auf der Autobahn innerhalb kürzester Zeit reduziert. Vor allem, wenn die Außentemperaturen um den Gefrierpunkt liegen.

Schon die Hinfahrt war nervenaufreibend

Hümmer hatte von Anfang an ein etwas mulmiges Gefühl, da es bis zu ihrem Zielort Zingst regulär etwa 200 Kilometer sind: "Normalerweise hat das Auto eine Reichweite von etwa 250 Kilometern. Nachdem ich losgefahren bin, waren es dann plötzlich nur noch 150. Bei den Temperaturen hatte ich eh schon Zweifel, ob das auf der Autobahn etwas wird."

Letztendlich erreichten Sie und ihr Sohn das Ziel aber doch – mit einer komplett leergesaugten Batterie und nach zwei Tankstopps. Ihr i3 hat nämlich noch ein Ass im Ärmel. Er verfügt ab Werk über einen sogenannten Range Extender - einen kleinen Zweizylindermotor, der mit Benzin betrieben wird und als Generator dient, während der Fahrt also die Batterie auflädt. Dieses Konzept wurde teils kritisiert, da der Benzinmotor mitunter als trinkfest gilt und so die Umwelt- und Klimabilanz des kleinen E-Autos deutlich verschlechtert hat.

Auch im Winter waren die Säulen in Zingst belegt

Ursprünglich hatte Hümmer geplant, das Auto erst ein paar Tage nach der Ankunft zu laden, da der nächste Ladepunkt ein ganzes Stück weg war. Diese Pläne wurden jedoch dadurch zunichte gemacht, dass ihr Sohn zwischenzeitlich positiv auf das Coronavirus getestet wurde und die beiden daher deutlich früher als ursprünglich geplant den Heimweg antreten mussten.

Obwohl gerade keine Urlaubssaison herrschte, fand sich in der Umgebung kein freier Ladeplatz. "Ich bin unter Einsatz des Range Extenders die Küste abgefahren und hab parallel auf Google Maps nach Ladesäulen Ausschau gehalten. In Zingst gab es zwei, die jedoch beide belegt waren. In Rostock und an der Ostsee gab es viele, diese waren aber entweder ebenfalls besetzt oder sie befanden sich auf einem Privatgelände und waren nicht öffentlich zugänglich", erinnert sich Hümmer, die im Laufe ihrer Karriere auch schon in der Autoindustrie tätig war.

Mit dem Notfall-Tank zurück nach Berlin

Die nach ihrer Aussage ansonsten ziemlich gut funktionierende "Plugsurfing"-App war in der Situation auch keine große Hilfe, da diese zumindest in Rostock anscheinend auch nicht alle Ladepunkte anzeigen konnte. In der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern fand sich dann aber doch noch eine freie Ladesäule, an der sie ihr Auto für ungefähr dreißig Minuten angeschlossen hatte. Der Strom, der in halben Stunde in die Batterie floss, reichte zu ihrem Entsetzen aber nur für etwa zehn Kilometer.

Daraufhin beschloss sie, mit dem 10 Liter fassenden Notfall-Tank zurück nach Berlin zu fahren, was in einer nervenaufreibenden Erfahrung resultierte: "Ich bin auf der Autobahn nur circa 120 km/h gefahren, weil die Batterie schon so gut wie leer war. Dann wurde mir angezeigt, dass die nächste Tankstelle 20 Kilometer entfernt ist. Mein Range Extender hat mir währenddessen eine Restreichweite von ebenfalls 20 Kilometern angezeigt und der Strom reichte noch für 15 Kilometer. Da wir uns auch noch in einem Schneesturm befanden, habe ich echt zu Schwitzen angefangen. Ich war kurz vorm Heulen", erinnert sich die Mutter.

Auf die Reserve kann man sich verlassen

Etwa hundert Kilometer von Berlin fand sie auf einem Rastplatz die Rettung in Form einer Schnelladesäule. Allerdings wurde diese von einem älteren Ehepaar blockiert, das zwanzig Minuten lang vergeblich versuchte, den Ladevorgang zu starten. Ein Anruf beim Kundenservice brachte dann die Lösung: Sie mussten einfach nur ihr Auto verriegeln. Danach gönnte sie ihrem i3 noch etwas frischen Strom und fuhr daraufhin das letzte Stück bis nach Hause. Sieben Stunden nach ihrer Abfahrt in Zingst kam sie erschöpft in der Hauptstadt an.

Auch wenn sich die meisten Hersteller und auch BMW selbst mittlerweile wieder von dem Konzept verabschiedet haben, ist Hümmer froh, dass ihr E-Auto noch über einen zusätzlichen Benzinmotor verfügt: "Wir Deutschen wollen ja immer ein bisschen Sicherheit. Also Ich finde den Range Extender daher super, weil man sich im Notfall wirklich auf die 10 Liter-Reserve verlassen kann."

Bei den Ladesäulen besteht Handlungsbedarf

Zudem stört sie die Beschaffenheit der Ladepunkte. An den meisten Stationen gibt es weder ein gastronomisches Angebot, geschweige denn ein Dach über dem Kopf. "Es herrschte ein totaler Schneesturm. Selbst wenn wir eine Ladesäule gefunden hätten, an der wir rund drei Stunden hätten laden müssen. Was macht man denn da in der Zwischenzeit? Setzt man sich einfach ins Auto und wartet? Ich hatte auch noch ein kleines Kind dabei, das zu dem Zeitpunkt auch noch in Quarantäne war" merkt die Wirtschaftsingenieurin im Interview an.

"Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur muss man wohl auch die Landkreise stärker in die Pflicht nehmen. Egal ob es Einheimische oder Reisende sind, es sind immer Menschen unterwegs. Und wenn das Elektroauto wirklich die Zukunft sein soll, dann muss man auch die dafür nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen." gibt Hümmer zu Bedenken. Im Bundestag betreut sie übrigens den Breitbandausbau und die Funkmasten. Mit Infrastruktur kennt sie sich also aus.

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