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Zuwanderung nach Deutschland: Indien könnte bald das wichtigste Herkunftsland werden

Studentinnen aus Indien und Deutschland an der TU Chemnitz - Copyright: by U. Grabowsky/ picture alliance/photothek
Studentinnen aus Indien und Deutschland an der TU Chemnitz - Copyright: by U. Grabowsky/ picture alliance/photothek

Der Blick auf die Zuwanderung nach Deutschland ist meist von großen Flüchtlingswellen geprägt. Über viele Jahre kamen die meisten Menschen aus Syrien und Afghanistan. Seit Russlands Angriff suchen nun vor allem Menschen aus der Ukraine Zuflucht in Deutschland.

Neben den Fluchtbewegungen spielt aber auch die gezielte Einwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt eine große und für Deutschland wichtige Rolle.

Ökonomen sind sich einig, dass Deutschland wegen der Altersstruktur seiner Bevölkerung auf Zuwanderung angewiesen ist, um seinen Wohlstand halten zu können. Bereits jetzt haben Firmen 1,7 Millionen offene Stellen gemeldet, so viele wie noch nie. In den kommenden Jahren fehlen nochmals hunderttausende Arbeitskräfte, spätestens wenn die Generation der Babyboomer in den Ruhestand geht.

Eine Chance liegt darin, Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Daneben versucht Deutschland seit Jahren attraktiver für gut ausgebildete und ambitionierte Fachkräfte aus dem Ausland zu werden. Bekanntheit erlangte dabei Aktion der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000 zur Anwerbung von IT-Fachleuten aus Indien. 20.000 "Green Cards" wollte die Regierung Schröder ausstellen. Doch nur gut 13.000 IT-Experten kamen. Der geringe Erfolg führte zu Diskussionen, wie attraktiv Deutschland als Ziel im internationalen Wettbewerb um Talente sei.

Seither haben sich Dinge verändert und - vielen Unkenrufen zum Trotz - auch verbessert: Besonders die Zuwanderung aus Indien nach Deutschland nimmt zu - mit wachsender Dynamik. Ökonomen der Deutschen Bank Research stellten die Prognose auf, dass Indien in diesem Jahrzehnt das wichtigste Herkunftsland für die Zuwanderung nach Deutschland wird.

Zunächst brachte die Corona-Pandemie die Zuwanderung aus Indien 2020 ins Stocken. Doch im vergangenen Jahr erreichte sie mit 23.100 Personen einen neuen Rekord. Indien habe damit die Corona-Delle aufgeholt und sei wieder auf den Prognosepfad aus dem Jahr 2020 eingeschwenkt, schreibt die Deutsche Bank in einer aktuellen Analyse.

Bereits jetzt sind Inder nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes die größte Gruppe von Nicht-EU-Bürgern, die mit einer befristeten Arbeitserlaubnis in Deutschland arbeiten. In Berlin war Indien 2021 sogar das wichtigste Herkunftsland für Zuwanderung in Jobs in der Stadt. Als Gründe sieht die Deutsche Bank „sowohl die hohe Nachfrage nach IT-Kräften als auch die niedrigen sprachlichen Barrieren. Englisch ist im Zentrum Berlins alltäglich".

Insgesamt nimmt die Einwanderung mit einer Zusage für einen Arbeitsplatz in Deutschland von außerhalb der EU zu. 2021 arbeiteten in deutschen Betrieben rund 295.000 Nicht-EU-Bürger mit einer solchen befristeten Aufenthaltserlaubnis. Ihre Zahl hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdreifacht. Mit fast 34.000 Beschäftigten beziehungsweise einem Anteil von elf Prozent stellen Männer und Frauen aus Indien dabei die größte Gruppe. Es folgen Zuwanderer vom Balkan.

Hoch qualifizierte Zuwanderer

Ein knappes Viertel dieser Arbeitskräfte waren Ende 2021 akademische Fachkräfte mit einer sogenannten Blue Card. Sie wurde 2012 EU-weit mit dem Ziel eingeführt, hoch qualifizierten Fachkräften die Zuwanderung zu erleichtern. Voraussetzung ist ein Hochschulabschluss sowie ein Arbeitsplatzangebot mit einem Bruttojahresgehalt von mindestens 56.400 Euro. Ende 2021 arbeitete knapp die Hälfte der Zuwanderer mit Blue Card in einem Mangelberuf, etwa als Ärztinnen und Ärzte oder in der IT.

Das Beispiel Indien sieht auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) als „großen Erfolg für Deutschland". Es verweist auf die weit überdurchschnittliche Qualifikation vieler Zuwanderer aus Indien. "2021 arbeiteten 57,6 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Inder in Deutschland in Spezialisten- oder Expertentätigkeiten, die typischerweise ein Hochschulstudium oder einen Fortbildungsabschluss, wie den Meister, voraussetzen", schreibt das IW. Dieser Anteil ist nicht nur höher als bei allen beschäftigten Ausländern insgesamt (16,5 Prozent), sondern auch deutlich höher als bei deutschen Beschäftigten (28,3 Prozent).

"Besonders stark vertreten waren sie bei den von Fachkräfteengpässen besonders betroffen Expertentätigkeiten im MINT-Bereich, wo ihr Anteil mit 1,3 Prozent rund siebenmal so hoch lag wie bei der Gesamtbeschäftigung." MINT steht für die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

In der Folge der Zuwanderung ist die Zahl der indischen Staatsangehörigen in Deutschland von 2010 bis 2020 von 48.000 auf 151.000 gewachsen. „Dabei haben sich auch die Zugangswege deutlich verschoben“, schreibt das IW. Kamen die Inder zu Beginn des Jahrzehnts vorwiegend im Rahmen der Erwerbszuwanderung, absolviert inzwischen ein bedeutender Teil (zunächst) ein Hochschulstudium in Deutschland." Das IW begrüßt dies, weil die Qualifikation so genauer den Anforderungen des Arbeitsmarkts entsprechen - und weil sich Deutschland an den Investitionen in die Ausbildung beteiligt.“

Deutsche Erfolge im Wettbewerb und Talente

Der Erfolg bei der Zuwanderung aus Indien sei nicht selbstverständlich, schreibt das IW. Deutschland stehe in starker Konkurrenz mit angelsächsischen Ländern wie Großbritannien, USA oder Kanada, die mit der englischen Sprache und indischstämmigen Communities zwei große Vorteile hätten. "Ein wichtiger Faktor sei neben einem positiveren Deutschlandbild in der Welt die gezielte Ansprache interessierter Personen in Indien durch die Onlineplattform "Make it in Germany" gewesen sein", schreibt das IW.

Die Ökonomen halten es auf längere Sicht sogar für sinnvoll "einen sehr großen Teil von einem Drittel und mehr der in Deutschland benötigten Zuwanderer aus Indien zu gewinnen".

Die komplette Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft findet ihr hier.

Den Deutschland Monitor der Deutschen Bank Research mit vielen Details findet ihr hier.

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