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Russland droht eine Staatspleite, auch weil US-Banken keine Zahlungen mehr für das Land abwickeln dürfen — so geht es nun weiter

Bislang hat Russland trotz harter Sanktionen aus dem Westen einen Zahlungsausfall vermeiden können. Doch am Montag teilte das US-Finanzministerium mit, dass es Russland nicht länger erlauben werde, Zahlungen zur Schuldentilgung von russischen Regierungskonten bei US-Banken zu leisten. Dabei wurde am selben Tag eine Staatsanleihe im Wert von 552 Millionen US-Dollar sowie eine Coupon-Zahlung von 84 Millionen Dollar fällig.

Das Finanzministerium teilte JPMorgan, Russlands ausländischer Korrespondenzbank, mit, dass sie die am Montag fälligen Zahlungen nicht abwickeln dürfe, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zu Insider. JPMorgan lehnte eine Stellungnahme ab. Experten gehen davon aus, dass der Schritt das Risiko eines russischen Zahlungsausfalls deutlich erhöht. Timothy Ash, ein Ökonom bei der Bluebay Asset Administration mit Sitz in London, sagte Insider, er schätze die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls auf mittlerweile 80 Prozent.

Ein russischer Zahlungsausfall könnte für den Kreml katastrophale Auswirkungen haben und das Land jahrelang vom Markt isolieren. Für das globale Finanzsystem wird die russische Abkapslung laut Strategen eher weniger Folgen mit sich ziehen. Doch was passiert, wenn Russland tatsächlich bankrottgeht? Ein Überblick.

Warum ist das Risiko eines Zahlungsausfalls gestiegen?

Bislang erlaubte das US-Finanzministerium Russland seine Schulden in Dollar über amerikanische Banken zu begleichen. Doch am Montag änderte es abrupt seinen Kurs, um den Druck auf Moskau nach eigenen Angaben zu erhöhen. Von nun an sei es Russland verboten, stillgelegte Gelder auf US-Konten für Zahlungen zu verwenden. Das bedeutet, dass das Land auf Dollar aus anderen Quellen zurückgreifen müsse.

Normalerweise wäre das Russland kein Problem: Das Land erhält genug Dollar aus Öl- und Gasexporten und hat nach Angaben des Finanzministeriums des Landes trotz der Sanktionen gegen die Zentralbank immer noch Zugang zu etwa der Hälfte seiner Währungsreserven in Höhe von 640 Milliarden Dollar. Diese Reserven sind jedoch gerade jetzt kostbar. Schließlich muss Russland in diesem Jahr Auslandsschulden in Höhe von über zwei Milliarden Dollar begleichen, darunter die am Montag fälligen 600 Millionen Dollar. Ash von BlueBay fügte hinzu, dass Russland wahrscheinlich Schwierigkeiten haben werde, eine Bank zu finden, die die Zahlungen abwickelt. Der Kreml könnte gezwungen sein, sich an inländische Kreditgeber wie die Gazprombank zu wenden, sagte er, aber dann könnte es zu erheblichen Verzögerungen kommen.

Wann könnte Russland zahlungsunfähig werden?

Am Montag wurde eine Anleihe im Wert von 552 Millionen Dollar sowie eine Coupon-Zahlung im Wert von 84 Millionen Dollar fällig. Russland hat nun eine Frist von 30 Tagen, um die Schulden zu tilgen, andernfalls gerät es in Verzug. Sollte das Land nicht rechtzeitig zahlen, droht ein Dominoeffekt. Nach Schätzungen von JPMorgan schuldete die Regierung Ende 2021 etwa 39 Milliarden Dollar in Fremdwährungsanleihen, von denen etwa 20 Milliarden für ausländische Investoren bestimmt waren.

Der Schritt des Finanzministeriums könnte auch die Fähigkeit russischer Unternehmen beeinträchtigen, ihre Schulden zu begleichen, da westliche Banken eventuell abgeschreckt werden. Welche weiterreichenden Auswirkungen das haben könnte, ist allerdings noch unklar.

Welche Auswirkungen hätte ein Zahlungsausfall?

Russland hat seit dem Einmarsch in die Ukraine Zahlungen in Höhe von mehr als 700 Millionen Dollar geleistet und damit deutlich gemacht, dass es einen Zahlungsausfall um jeden Preis vermeiden will. Einige Experten sind aber der Meinung, dass ein tatsächlicher Zahlungsausfall kaum einen Unterschied machen würde, da Russland schon jetzt vom globalen Markt ausgeschlossen ist.

„Ich glaube nicht, dass es große Auswirkungen haben wird, da die russische Wirtschaft schon zum größten Teil von den internationalen Kapitalmärkten abgeschnitten ist“, sagte Andrew Kenningham, Chefökonom für Europa bei Capital Economics, letzten Monat zu Insider.

Ash entgegnete jedoch, ein Zahlungsausfall wäre ein „Alptraum“ für die Regierung. Denn der Krieg bedeute, dass Russland höchstwahrscheinlich nicht in der Lage sein wird, die üblichen Verhandlungen mit den Anleihegläubigern aufzunehmen, die traditionell auf einen Zahlungsausfall folgen. Er sagte, es gäbe „kein Licht am Ende des Tunnels“, und fügte hinzu, dass die Kreditkosten in den kommenden Jahren wahrscheinlich explosionsartig steigen würden. Die Besitzer russischer Anleihen wären natürlich auch betroffen, darunter Vermögensverwaltungsriesen wie BlackRock und Fidelity, die zu den größten ausländischen Investoren in Russland gehören.

Den Experten zufolge bleibt es dennoch unwahrscheinlich, dass ein Zahlungsausfall so etwas wie eine globale Finanzkrise auslösen würde. Russlands Auslandsschulden seien im Vergleich zu vielen anderen Ländern recht gering, was zum Teil daran liege, dass das Land schon seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 mit westlichen Sanktionen belegt sei.

„Vor allem die finanziellen Verflechtungen sind gering“, sagte Melanie Debono, Senior Europe Economist bei Pantheon Macroeconomics, im März zu Insider. „Die Banken in wenig geschützten Ländern sind gut darauf vorbereitet, Marktstörungen zu überstehen.“

Dieser Artikel wurde von Lara Hansen aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.