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Russische Teilmobilmachung könnte durch Druck aus China und Indien ausgelöst worden sein, meint ein Experte

Russland hat in den letzten Monaten die Öl-Lieferungen nach Indien erhöht. - Copyright: Alexandr Demyanchuk, Sputnik, Kremlin Pool Photo/Associated Press
Russland hat in den letzten Monaten die Öl-Lieferungen nach Indien erhöht. - Copyright: Alexandr Demyanchuk, Sputnik, Kremlin Pool Photo/Associated Press

Nur wenige Tage, nachdem einige russische Verbündete öffentlich Zweifel an dem Krieg gegen die Ukraine geäußert hatten, ließ der Wladimir Putin diese Woche seinen Krieg weiter eskalieren. Die Ereignisse könnten durchaus miteinander zusammenhängen, denken Experten.

Seit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar wird Russland von einem Großteil der Welt als wirtschaftlicher Partner gemieden und ist mit lähmenden Sanktionen seitens des Westens konfrontiert. Doch seit Russland isoliert wurde, haben sich auch einige Länder auf die Seite Putins gestellt oder zumindest vermieden, ihn direkt zu verurteilen.

Sowohl China als auch Indien waren während des gesamten Krieges starke Partner Russlands, die es ablehnten, Sanktionen zu verhängen. Außerdem kaufen sie nach wie vor die Energieprodukte des Landes. Allerdings haben sich die Staats- und Regierungschefs beider Länder kürzlich in einem seltenen Schritt gegen den Krieg ausgesprochen.

Indischer Präsident kritisiert Krieg öffentlich

Bei einem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am 15. September in Usbekistan räumte Putin ein, dass Xi "Fragen und Bedenken" bezüglich des Krieges habe. Am folgenden Tag kritisierte der indische Premierminister Narendra Modi den Krieg bei einem persönlichen Treffen mit Putin.

"Ich weiß, dass die heutige Zeit keine Ära des Krieges ist, und ich habe mit Ihnen am Telefon darüber gesprochen", sagte Modi zu Putin, wie Reuters berichtete. Putin antwortete: "Ich kenne Ihre Position zum Konflikt in der Ukraine und weiß um Ihre Bedenken. Wir wollen, dass das alles so schnell wie möglich aufhört."

Weniger als eine Woche später erklärte Putin, dass er 300.000 Reservisten einberufen werde, die sich dem Kampf in der Ukraine anschließen sollen. Bisher hatte er die Teilmobilmachung aus Angst vor einer Gegenreaktion der russischen Bevölkerung vermieden. Diese Ankündigung, in der er auch mit dem Einsatz von Atomwaffen drohte, erfolgte, nachdem das ukrainische Militär in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht hatte.

Experten erklärten gegenüber Insider, es werde Wochen oder Monate dauern, bis die mobilisierten Truppen ausgebildet, ausgerüstet und eingesetzt werden können. Sie sagten auch, Putins Entscheidung, diesen Schritt jetzt zu tun, zeige, wie schlecht der Krieg für Russland laufe und wie verzweifelt der russische Führer sei, das Blatt zu wenden.

Putin muss den Einsatz erhöhen

"Dass Putin dies tun würde, zeigt, wie sehr er im Moment das Bedürfnis hat, das Momentum zu ändern. Das liegt eigentlich gerade bei der Ukraine", sagte Russland-Experte Daniel Treisman, Professor an der University of California, zu Business Insider.

Laut Robert English, Professor an der University of Southern California, der sich mit Russland, der Sowjetunion und Osteuropa befasst, hat Putin nicht nur eine weitere mögliche Gegenoffensive der Ukraine befürchtet, sondern wurde wahrscheinlich auch von den Bedenken Xis und Modis angetrieben - und von seiner Angst, wichtige Partner zu verlieren.

"Die Hinweise auf Kritik von Verbündeten wie China oder neutralen Staaten wie Indien haben den Druck auf ihn deutlich erhöht", so English gegenüber Business Insider. Er fügte hinzu, dass die Staats- und Regierungschefs dieser Länder Putin offenbar mitgeteilt haben, dass sie die Situation in der Ukraine nicht gutheißen, weil sie ihrem Ansehen auf der Weltbühne schade und sie wirtschaftlich und politisch belaste.

English denkt, dass Putin Sätze wie diesen von seinen Partnern hört: "'Finde einen Weg, dies schnell zu regeln, diesen Krieg zu beenden, denn wir werden nicht noch weitere sechs Monate dieser Brutalität an eurer Seite aushalten.'"

"Das wird nicht ausreichen"

"Er hat eine solche Botschaft gehört und versucht nun, den Einsatz zu erhöhen", sagte English. "Er versucht, das militärische Gleichgewicht so gut es geht zu verändern."

Wenn Putin Truppen mobilisiert hat, um den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, wie er Modi versichert hat, ist allerdings trotzdem keineswegs klar, ob dies erfolgreich sein wird.

"Es ist eine unbefriedigende und unzureichende Antwort auf die Motivation, die Arbeitskräfte und das Material auf ukrainischer Seite", sagte English und erklärte, dass militärische Hilfe und Geheimdienstinformationen aus dem Westen der Ukraine einen Vorteil auf dem Schlachtfeld verschafft haben. "Das wird nicht ausreichen."

Der Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original lest ihr hier.