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Nord-Stream-Betreiber bietet Gaslieferungen durch die letzte intakte Leitung an

Die schwedische Küstenwache meldete zuerst, die Nord Stream-Pipelines vor der Ostseeinsel Bornholm seien beschädigt. Mittlerweile gilt als gesichert, dass staatliche Sabotage dahinter steckt. - Copyright: picture alliance / AA | Swedish Coast Guard Handout
Die schwedische Küstenwache meldete zuerst, die Nord Stream-Pipelines vor der Ostseeinsel Bornholm seien beschädigt. Mittlerweile gilt als gesichert, dass staatliche Sabotage dahinter steckt. - Copyright: picture alliance / AA | Swedish Coast Guard Handout

Während dänische und schwedische Behörden unter Hochdruck daran arbeiten, die Schäden an den Nord Stream-Pipelines in ihren Wirtschaftszonen in der Ostsee zu untersuchen, vermeldet das Unternehmen Nord Stream AG per Pressestatement, dass ihm der Zutritt zu den beschädigten Gasleitungen der Nord Stream 1 verweigert werde, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Bis zu 20 Werktage könne es dauern, bis sie entsprechende Genehmigungen von dänischen Behörden erhalten könne. Dabei gilt mittlerweile als gesichert, dass es sich bei den Vorfällen um Sabotage – wahrscheinlich seitens Russlands – handelt, was den vom Kreml kontrollierten Unternehmen klar sein dürfte.

Neben den beschädigten Teilen an der Nord Stream 1 sind auch die beschädigten Teile der Nord Stream 2-Pipeline vorerst abgesperrt. Bemerkenswert ist, dass ihre Eigentümerin, die Nord Stream 2 AG, am Dienstag verkündete, die "Tatorte" untersuchen zu wollen, sobald polizeiliche Ermittlungen abgeschlossen seien. Kann das als eine Anerkennung seitens russischer Akteure verstanden werden, dass es sich bei den Vorfällen um Sabotage handelt? Die in der Schweiz registrierte Stream 2 AG ist schließlich eine 100-prozentige Tochter von Gazprom. An Gazprom wiederum hat der russische Staat eine Mehrheitsbeteiligung, der Konzern wird somit vom Kreml kontrolliert.

Für den Experten Joachim Krause, Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, bestand bereits vergangene Woche kein Zweifel, dass höchstwahrscheinlich Moskau hinter den Anschlägen steckt. „Russland hat diese Formen von Unterwasserseekriegsführung schon seit Jahren geprobt“, sagte er im Gespräch mit Business Insider.

Das Bundeskriminalamt geht mittlerweile auch von staatlicher Sabotage aus, heißt es in einem Schreiben des Staatsschutzes an Vertreter der Wirtschaft, wie der "Spiegel" am Mittwoch berichtete. Kurz nach Bekanntwerden der Lecks hatten bereits Regierungsmitglieder Schwedens und Norwegens ähnliche Einschätzungen abgegeben, allerdings wie auch das BKA nicht geäußert, welchen Akteur sie hinter der Sabotage vermuteten.

Andrij Koboljew, Ex-Chef des ukrainischen Gaskonzerns „Naftogaz“, hat eine mögliche Erklärung, wie Russland seiner Einschätzung nach bei der Sabotage vorgegangen sein könnte. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) sagte er, die Russen hätten Sprengstoff, der nun zu den Schäden an den Pipelines geführt hat, schon beim Bau der Leitungen installiert. Es sei dokumentiert, dass sich russische Militärschiffe der Nord Stream 2-Pipeline genähert und Ausrüstung umgeladen hätten. „In der letzten Bauphase von Nord Stream 2 waren bereits alle ausländischen Firmen und deren Schiffe sanktioniert“, zitiert die "SZ" Koboljew. Die Pipeline sei einzig von russischen Schiffen fertiggestellt worden – eskortiert von russischen Kriegsschiffen. Und zwar "genau an jener Stelle, an der sich jetzt die Explosion ereignete", so Koboljew.

Dass Gazprom zu Beginn dieser Woche per Pressemitteilung mitteilte, Gaslieferungen durch die letzte intakte Leitung der Nord Stream 2 nach Europa pumpen zu können, kann man in der aktuellen Sachlage nur als Häme verstehen. Denn als erste Sanktion zu Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands in der Ukraine hatte die Bundesregierung Ende Februar dem Projekt Nord Stream 2 einen Riegel vorgeschoben. Dass Deutschland oder die EU nach über einem halben Jahr der russischen Aggression gegenüber der Ukraine beim Thema Nord Stream 2 eine Kehrtwende machen, ist nahezu ausgeschlossen.

Und auch Krause vom Institut für Sicherheitspolitik an der Uni Kiel deutete die Vorfälle an den Ostsee-Pipelines als ein Zeichen dafür, dass Russland im Bereich der Gasexporte davon ausgehe, nie wieder Gaslieferungen nach Westeuropa aufzunehmen, insbesondere nicht nach Deutschland. Der Kreml habe mit den mutmaßlichen Sabotageakten eine weitere Brücke zum Westen abgebrochen, so der Sicherheitsexperte.

uw