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Türkei: Inflation nun 80 Prozent – Daten zeigen einen erstaunlichen Zusammenhang mit der Zuwanderung nach Deutschland

 - Copyright: Umit Turhan Coskun/NurPhoto via Getty Images
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In der Türkei steigt die ohnehin extrem hohe Inflation weiter an. Im Juli stiegen die Verbraucherpreise zum Vorjahr um 79,6 Prozent, teilte das Statistikamt in Ankara mit. Allein innerhalb eines Monats stiegen die Verbraucherpreise um fast 2,4 Prozent.

Wie groß der Preisdruck ist, zeigen auch die Erzeugerpreise. Sie stiegen im Juli um gut 144 Prozent. Sie liegen also mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Die Herstellerpreise beeinflussen die Lebenshaltungskosten der Verbraucher in der Regel mittelbar und mit Zeitverzug.

Die Inflation in der Türkei wird durch mehrere Faktoren getrieben. Der Verfall der Landeswährung Lira verteuert importierte Güter. Die globalen Probleme in den Lieferketten machen viele Vorprodukte teurer. Hinzu kommen wie in vielen Ländern die steigenden Preise für Energie und Rohstoffe, vor allem wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine. Doch anders als viele maßgebliche andere Zentralbanken stemmt sich die türkische Notenbank nicht mit Zinsanhebungen gegen die Teuerung. Fachleute nennen als Grund politischen Druck durch den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die Zinsen in dem hoch verschuldeten Land niedrig zu halten.

Die steigenden Preise führen zu wachsendem Unmut und auch Protesten in der Bevölkerung. Die Mischung aus Verfall der Landeswährung, extrem steigenden Preisen sowie politischem Druck nehmen vielen Menschen die Perspektive auf ein besseres Leben in der Türkei.

Inflation in der Türkei und Migration nach Deutschland


Dass dies unmittelbare Folgen für Abwanderung in andere Länder wie Deutschland haben kann, zeigen Daten aus den vergangenen 20 Jahren, auf die Ökonomen der Deutsche Bank Research (DB Research) aufmerksam machen. Sie verweisen auf einen Zusammenhang zwischen Inflation und Migration. In den Jahren von 2004 bis 2016, als die Inflation in der Türkei sehr niedrig war, seien netto sogar 23.000 Menschen aus Deutschland in die Türkei abgewandert. Seit die Inflation in der Türkei wieder zweistellige Raten erreichte, stieg auch die Zuwanderung nach Deutschland kräftig an. Die Türkei zählte 2021 mit einer Nettozuwanderung von 16.500 Menschen nach Deutschland wieder zu den zehn wichtigsten Herkunftsländern. "Hier kann man vermuten, dass die hohe Inflation und autokratische Politik Gründe für den wieder anziehenden Wegzug aus der Türkei sind", heißt es im Deutschland-Monitor August von DB Research.

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