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Zwopr: Nachbarschaftshilfe in der Coronakrise

Die Gründer organisieren mit ihrem Start-up Zwopr Nachbarschaftshilfe übers Netz. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus klettern die Nutzerzahlen rasant.

Einkaufen, mit dem Hund Gassi gehen oder kurzfristig aufs Amt: Wer in diesen bewegten Zeiten nicht vors Haus gehen kann, der braucht schnell Hilfe aus der Nachbarschaft. Genau dafür gibt es Zwopr. Drei Münchener sind mit dem Start-up angetreten, ein soziales Netzwerk im Internet aufzubauen, das diesen Namen auch verdient.

„Wir glauben, dass es so etwas braucht“, sagt Christian Ebert. Der 51-Jährige ist einer der Gründer. Sie haben schon vor zwei Jahren damit begonnen, eine digitale Plattform für Menschen zu schaffen, die sich gegenseitig unterstützen wollen. Vergangenes Jahr ist Zwopr in München gestartet, dieses Jahr ging es nach Berlin. „Die Menschen haben unser Konzept sofort angenommen“, beteuert Partner Bernhard Koller, 38. Mehrere Tausend Leute hätten sich binnen weniger Wochen angemeldet. Dritter im Bunde ist Tassilo Ippenberger.

Richtig in Fahrt gekommen ist Zwopr aber erst mit der Corona-Pandemie. „Seit Ende letzter Woche haben sich die täglichen Anmeldezahlen verzehnfacht“, erklärt Koller. „Die Leute erkennen jetzt den Wert der Hilfe unter Nachbarn.“ Einen gewaltigen Schub bekommt die Plattform in diesen Tagen durch das Rote Kreuz. Der größte Kreisverband in Berlin, das DRK Müggelspree, setzt seit Neuestem die App ein, um Nachbarschaftshilfe zu organisieren.

Menschen, die kein Internet nutzen, können sich per Hotline an die Mitarbeiter wenden. Diese verwenden dann die Software von Zwopr. Darüber hinaus arbeiten die Gründer mit den Heimatzeitungen vom „Oberbayerischen Volksblatt“ zusammen. Die Blätter wollen dafür sorgen, dass sich die Menschen in ihrer Region gegenseitig unterstützen.

Einkauf gegen Reparatur

Zwopr versteht sich nicht als Nachbarschaftsportal, es gehe nicht um Freizeittipps, sagt Ebert. Viel eher sei es eine Art digitaler Tauschring. Daher auch der Name, der sich vom englischen Wort „swop“ ableitet, also tauschen. Das Prinzip ist einfach: Jeder Nutzer verfügt über ein Zeitkonto. Wer eine Stunde lag einem Nachbarn hilft, indem er zum Beispiel ein Regal montiert oder Besorgungen erledigt, dem wird Zeit gutgeschrieben. Die kann er wiederum selbst gegen Hilfe eintauschen.

Wer mag, dürfe natürlich ohne Gegenleistung helfen, erklärt Ebert. 200 Kategorien haben die Gründer erdacht, aus denen sich die Leute die Angebote aussuchen können. Im Profil der Teilnehmer wird angezeigt, wie oft jemand geholfen hat. Mitglieder können sich gegenseitig bewerten. Die Nutzer geben ihren Standort ein und den Radius, in dem sie Hilfe suchen und anbieten.

Noch verdienen die Unternehmer kein Geld mit Zwopr. Sie haben einige Hunderttausend Euro investiert, Business Angels sind an Bord. Sie hoffen aber auf Einnahmen aus Partnerschaften zum Beispiel mit Händlern oder Hilfsorganisationen. Ziel ist es, Zwopr übers ganze Land zu verbreiten. Dazu suchen sie Investoren.

Momentan würden die Hilfesuchenden vor allem um Einkaufshilfe bitten, so Gründer Koller. Zudem bräuchten Menschen Hilfe bei der Essenszubereitung und bei der Kinderbetreuung. Und auch für ihre Haustiere suchen Leute helfende Hände. Denn in Zeiten von Corona ist schon der Besuch beim Tierarzt für manchen zu riskant.