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Zwischen Boom und Crash: 3 eindringliche Tipps für junge Investoren

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Junge und fröhliche Menschen
Junge und fröhliche Menschen

Coronakrise und Cloudboom sind eng miteinander verflochten. Manche hat diese Situation in Arbeitslosigkeit, Armut und Verzweiflung getrieben. Andere haben das Geschäft ihres Lebens gemacht. An den Börsen geht es hoch her und auch viele risikobereite junge Anleger haben massiv von den gewaltigen Kursanstiegen seit letztem Frühling profitiert.

Doch nun sind wir an einem Punkt angelangt, wo jeder noch einmal tief in sich gehen sollte. Hier sind einige Hinweise, die dir dabei helfen könnten.

Nun zeigt sich, wer ein reifer Investor ist und wer unreif

Normalerweise bewegen sich Aktien im Schnitt mit einer Rate von vielleicht 1 % pro Monat nach oben. Manche etwas mehr und viele auch wesentlich weniger. Auf diese Weise ist Investieren ein langwieriges Geschäft. Aktuell scheint es jedoch eine Abkürzung zu gehen.

Mit Wasserstoff- und Elektroauto-Aktien genauso wie mit Kryptowährungen und Wallstreetbets lässt sich der Einsatz innerhalb von wenigen Tagen vervielfachen. Egal welche Welle man mitreitet, der Depotwert scheint nur eine Richtung zu kennen. Es ist euphorisierend, sein Vermögen so schnell wachsen zu sehen.

Doch genauso wie selbst der beste Surfer sich vor einer Tsunamiwelle in Acht nehmen muss, wird auch für dich irgendwann die Welle kommen, die du nicht mehr reiten kannst. Weil sie sich unerwartet entwickelt und vielleicht früher und schneller bricht. Reife Investoren wissen das und berücksichtigen es entsprechend in ihren Anlageentscheidungen. Unreife Investoren hingegen machen einfach immer weiter wie ein Glücksspieler am Roulettetisch, der mehrmals gewinnt und dennoch immer wieder alles auf eine Farbe setzt.

So extrem unreif handeln wahrscheinlich auch unter den jüngeren Anlegern nur wenige. Dennoch könnte es sinnvoll sein, gerade jetzt zu überlegen, ob das, was zuletzt große Gewinne gebracht hat, auch weiterhin funktionieren wird. Vielleicht wird es Zeit, seinen Investmentansatz von Grund auf neu auszurichten.

Wie du 2021 meisterst, wird dein gesamtes Leben beeinflussen

Sein Handeln in dieser Situation neu auszurichten ist leichter gesagt als getan. Die Börsenberichterstattung und die Social-Media-Kontakte konzentrieren sich alle auf die Megachancen. Alles dreht sich um die nächste Aktie, die explodieren könnte, den neuesten Vervielfacher oder das wahnsinnige Kursziel einer Kryptowährung.

Wer sich davon abwenden möchte, der wird womöglich erst einmal große Enttäuschungen erleben. Aktien, die du im Auge hattest, heben wieder und wieder ab. Und du bist nicht dabei, während andere mit einem zwei- oder gar dreistelligen Kursplus ihrer neuesten Wetten prahlen. Das fühlt sich nicht gut an. Ich kenne das.

Und doch solltest du dir einen Moment Zeit nehmen, um dich in dein Ich in 5, 10 oder 20 Jahren zu versetzen. Wie wirst du auf das Jahr 2021 zurückblicken, als die Coronakrise ihren Wendepunkt hatte und du auf dem Höhepunkt des Börsenbooms wichtige Anlageentscheidungen getroffen hast? Wirst du dich schämen für deine Gier und Unreife? Oder wirst du stolz auf dich sein, dass du den Absprung geschafft hast, als die Party am schönsten war?

Was junge Investoren jetzt tun sollten

Absprung bedeutet allerdings nicht, dass du der Börse den Rücken zuwenden solltest. Im Gegenteil. Vielmehr geht es darum, aus der erbitterten Jagd nach der Megarendite auszubrechen.

Aktuell halte ich es für wichtiger denn je, dass du jedes einzelne Unternehmen, in das du investiert hast, richtig gut kennst. Dazu gehört ein begründetes Vertrauen in das Management, zumindest näherungsweise vernünftige Finanzkennzahlen, robuste Cashflows sowie Produkte, die du verstehst und magst.

Und gerade, wenn du zuletzt mit heißen Wetten gutes Geld gemacht hast, bist du nun in der komfortablen Lage, ein besser diversifiziertes Depot aufzubauen. Je mehr verschiedene Aktien du besitzt, desto besser. Einzelwerte mit mehreren unabhängigen Ertragsströmen und vielfältigen Kundengruppen tragen besonders viel zur Diversifizierung bei. Und auch wenn es langweilig erscheint: Versorger, Banken und Rohstoffkonzerne überzugewichten ist aktuell wahrscheinlich nicht die schlechteste Idee.

Jetzt ist nicht die Zeit für maximales Risiko. Smarte Investoren bringen ihre Schäfchen ins Trockene und schlagen dann wieder zu, wenn andere Panik bekommen.

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